Die Präsidentschaftskandidatin der Wall Street

10.03.2016

Diane Johnstone über Hillary Clinton

Letztes Jahr gingen die meisten Medien davon aus, dass der Vorwahlkampf für Hillary Clinton ein Spaziergang wird. Nun zeigt sich, dass viele Demokraten außerhalb der Südstaaten dem unabhängigen Senator Bernie Sanders den Vorzug geben. Telepolis sprach darüber mit Diane Johnstone, der Autorin des gerade erschienenen Buchs Die Chaos-Königin - Hillary Clinton und die Außenpolitik der selbsternannten Weltmacht.

Frau Johnstone, Hillary Clinton war unter Barack Obama vier Jahre lang Außenministerin vier Jahre im Amt. Wie würden Sie angesichts dieser Amtszeit ihr politisches Profil beschreiben?

Diane Johnstone: Für Hillary Clinton war diese Zeit eine gute Gelegenheit, ihre Eignung als Präsidentschaftskandidatin für die Neokonservativen und liberalen Interventionsbefürworter unter Beweis zu stellen. Ihre damalige Sprecherin Victoria Nuland ist die Ehefrau von Robert Kagan, einem führenden Neokonservativen und politischen Berater des Außenministeriums. Er ist Autor des bekannten Buches "Europäer sind von der Venus, Amerikaner vom Mars", in dem er dem amerikanischen Eifer zum Kriegführen den europäischen Widerwillen dagegen gegenüberstellt.

Der Hauptgrundsatz dieser Neocons besteht darin, dass die USA neben der Macht auch die Verpflichtung haben, die Welt nach den amerikanischen Idealen neu zu gestalten - und Hillary Clinton hat sich zur Verkörperung dieses Glaubens gemacht. Ihre erste wichtige Handlung als Außenministerin war der Staatstreich gegen den demokratisch gewählten Präsidenten von Honduras, Manuel Zelaya. In der Obama-Administration hat sie sich gegen einige vorsichtige Stimmen in der Armee als führende Befürworterin von Militärinterventionen in Libyen und Syrien durchgesetzt.

Außenpolitik mit "Regime Change"

Hillary Clinton spricht oft von Werten, die verteidigt werden müssten. Welche Werte sind das?

Diane Johnstone: Die offiziellen amerikanischen Werte werden heutzutage mehr propagiert als erklärt - und Konzepte wie "Freie Marktwirtschaft" und "Menschenrechte" sind auch sehr flexibel. Das Wichtigste an diesen Werten ist meiner Meinung nach, dass sie vorrangig für den Rest der Welt und nicht die USA gelten sollen. Nach der aktuellen Doktrin ist es das außerordentliche Privileg der Vereinigten Staaten, diese Werte andernorts einzuführen. Das ist eine überaus ideologische amerikanische Sicht auf die Globalisierung - und unter der Führerschaft von Hillary Clinton mischte sich die amerikanische Außenpolitik verstärkt in die internen Angelegenheiten anderer Länder ein.

Anstatt sich also auf diplomatische Aktivitäten zu konzentrieren, versucht das amerikanische Außenministerium direkt mit Minderheiten in diesen Staaten zusammenarbeiten, die ihrer Regierung feindlich gegenüberstehen, um vorgeblich diese Werte zu unterstützen. Länder, die nicht in der Gunst der USA stehen, können somit leicht Ziele von Medienkampagnen werden, in denen man ihnen vorwirft, diese Werte nicht zu respektieren, was natürlich zum Ruf nach einem "Regime Change" führen kann.

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