Elfenbeinküste: 22 Tote bei al-Qaida-Anschlag auf Badeort

14.03.2016

Goethe-Institut-Leiterin unter den Opfern

Gestern verübten Terroristen einen Anschlag auf drei Hotels und den Strand des etwa 40 Kilometer von der Hauptstadt Abidjan entfernten ivorischen Badeorts Grand-Bassam, bei dem mindestens 16 Opfer ums Leben kamen - darunter nach unbestätigten Angaben der ivorischen Regierung eine Deutsche, ein Franzose, zwei andere Europäer und zwei Angehörige der Sicherheitskräfte. Nach Informationen der Deutschen Welle handelt es sich bei der Deutschen um Henrike Grohs, die Leiterin des örtlichen Goethe-Instituts war.

Wenigstens eines der Opfer soll in einem der Hotels ums Leben gekommen sein, mehrere am Strand, der von Sicherheitskräften nach den ersten Schüssen geräumt wurde. Mindestens 20 Menschen sind schwer verletzt und werden in einem Krankenhaus behandelt.

Die Angreifer waren Zeugenaussagen zufolge mit Kalaschnikows und Granaten bewaffnet. Zu ihrer Zahl gibt es unterschiedliche Angaben: Die ivorische Regierung spricht von sechs Terroristen, die alle getötet worden seien, die al-Qaida im Islamischen Maghreb (AQMI) nennt in ihrer Bekennerbotschaft "drei Helden" und der französische Fernsehsender TF1, der mit als erster über das Ereignis berichtete, ging zumindest anfangs von zwei Bewaffneten aus. Widersprüchliche Meldungen gibt es auch dazu, ob Geiseln genommen wurden.

Sprachgruppen in der Elfenbeinküste. Karte: Etienne Ruedin. Lizenz: CC-BY 2.5.

In der Elfenbeinküste herrscht derzeit der ehemals für den Internationalen Währungsfonds (IWF) tätige Alassane Ouattara, dessen Forces Républicaines de Côte d'Ivoire (FRCI) 2011 mit tatkräftiger Unterstützung französischer Truppen Laurent Gbagbo stürzten, der sich nach Wahlen im Oktober und November 2010 ebenso wie Ouattara zum Sieger erklärt und zum Präsidenten ausrufen lassen hatte (vgl. Despotenwechsel in der Elfenbeinküste).

Gespaltenes Land

Der Konflikt war nicht nur ein Fall eines Amtsinhabers, der nicht abtreten will, sondern hat auch eine sehr ausgeprägte ethnische Komponente: Ouattara ist Dioula, während Gbagbo den Bete entstammt. Das Händlervolk der Dioula ist mit den in vielen westafrikanischen Ländern siedelnden Mandingo ("Malinke") verwandt und lebt selbst im Senegal, in Mali, in Burkina Faso und im Norden der Elfenbeinküste, während die Bete zu den (auf der Karte mit verschiedenen Blautönen markierten) Kru-Völkern zählen, die außer in der Elfenbeinküste vor allem in deren westlichem Nachbarn Liberia siedeln (vgl. Ein afrikanisches Belgien).

Gbagbo herrschte bereits seit 2000 faktisch nur mehr im Süden des Landes, das sich bis zu Ouattaras Machtübernahme anhand der Siedlungsräume der Volksgruppen teilte: Zum Norden gehören die Gebiete der Dan, der Mandingo, der Senufo, der Dioula, der Lobi und teilweise die der Kulango. Bis auf die Dan und die Kulango sind diese Völker mehrheitlich moslemisch und ihre Siedlungsräume setzen sich in den nördlichen Nachbarländern fort. Die in europäischen Medien teilweise kolportierte Darstellung, dass Gegensätze zwischen Einwanderern und Alteingesessenen den damaligen Bürgerkrieg auslösten, war insofern missverständlich, als die Migration in die Elfenbeinküste zu einem großen Teil innerhalb von Sprach- und Volksgruppen stattfand. Vergleichbar damit wäre beispielsweise eine Einwanderung von katholischen Niederländern nach Flandern oder von Franzosen in die Wallonie. Dem Senufo aus der Elfenbeinküste steht der Senufo aus Burkina Faso oder Mali meist durchaus näher als der Akan aus dem Süden seines Landes. Ähnlich verhält es sich mit den Mandingo, den Lobi und den Dioula.

Ähnliche Anschläge in Burkina Faso und Mali

In diesen Nachbarländern der Elfenbeinküste, in Mali und Burkina Faso, hatte es in den letzten Monaten ähnliche Angriffen auf Luxushotels gegeben, bei denen Dutzende Menschen getötet wurden. Auch zu diesen Anschlägen bekannte sich AQMI. Im Januar nahm die salafistische Terrorgruppe 176 Geiseln in einem bei Diplomaten und westlichen Geschäftsleuten beliebten Hotel in Ouagadougou, der Hauptstadt von Burkina Faso. Bei dem Anschlag starben 28 Menschen, 56 weitere wurden teilweise schwer verletzt. Dem örtlichen Kommunikationsminister Remi Dandjinou zufolge war die Geiselnahme, die mit einem Angriff auf ein Café begann, sehr gut vorbereitet, weil sich die sechs oder sieben Terroristen vorher als Gäste ausgegeben und die Örtlichkeit ausgekundschaftet hatten (vgl. Al-Qaida bekennt sich zu Hotelgeiselnahme in Burkina Faso [3. Update]).

Fünf (beziehungsweise zwei) Monate davor verübten Dschihadisten Anschläge auf Hotels in Mali: In der zentralmalischen Stadt Sévaré brachten sie im August 2015 fünf UN-Mitarbeiter und acht weitere Personen um. Im November begingen sie dann ein Massaker im Luxushotel Radisson Blu in der malischen Hauptstadt Bamako. Dieses Hotel hatten sich die Terroristen anscheinend auch deshalb ausgesucht, weil es wegen seiner Lage regelmäßig von Diplomaten und Mitarbeitern ausländischer Flugfirmen genutzt wurde. Um sich Zugang zu verschaffen, sollen die Täter Fahrzeuge mit Diplomatenkennzeichen genutzt haben. Danach nahm ein gemeinsames Kommando aus al-Mourabitoun und AQIM-Terroristen unter "Allahu Akbar"-Rufen 140 Gäste und 30 Angestellte als Geiseln, von denen sie 22 töten konnten, bis das Gebäude gestürmt wurde (vgl. Mali: Allahu-Akbar-Rufer nehmen mindestens 170 Geiseln in Luxushotel [2. Update]). Einen Monat später schloss sich al-Mourabitoun AQIM an.

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