Pentagon sucht Bastler, die neuartige Waffen aus vorhandener Technik bauen können

16.03.2016

Das Pentagon hat in den symmetrischen Kriegen gelernt, dass findige Gegner auch mit neuester und komplizierter Waffentechnik nicht zu schlagen sind

Wie die letzten Kriege gezeigt haben, kann es schwierig sein, selbst schlecht bewaffnete Gegner auch mit weit überlegener Waffentechnik und einer totalen Lufthoheit zu besiegen. In den asymmetrischen Kriegen gegen Aufständische und Terroristen hat erst der Islamische Staat große Territorien einnehmen und schwere Waffen erbeuten können. Auch andere islamistische Gruppen in Syrien haben Panzer, Artillerie und Raketen von der syrischen Armee erbeutet. Gleichwohl bleiben Schusswaffen, Granatwerfer und Sprengstoff die primäre Bewaffnung der Aufständischen und Terroristen. Besonders mit raffinierten, selbst gebauten Sprengfallen und Selbstmordkommandos kann langer Widerstand geleistet werden, wie die Taliban in Afghanistan und al-Qaida sowie neuerdings der Islamische Staat im Jemen, im Irak oder in Syrien gezeigt haben.

Die Rüstungslogik des Pentagon bestand bislang vor allem in dem Ziel, mit überlegener Technik mögliche Gegner übertrumpfen zu können. So wurde im Wettlauf, den ersten Platz bei der Rüstungstechnik nicht zu gefährden, der Militärisch-Industrielle Komplex aus Firmen und Universitätsforschung aufgebaut und jährlich mit Geld geflutet, was auch eine Art Staatswirtschaft in den angeblich neoliberalen USA ist, um immer neuere, bessere und komplexere Techniken zu entwickeln.

IED. Bild: IDF

Schon im Afghanistan- und Irak-Krieg wurde allerdings klar, dass die Gegner mit selbstgebauten Bomben (IED) enorme Schäden und Verluste für die hochgerüsteten US-Streitkräfte am Boden verursachen können. Auf diese nicht-militärischen Bastelwaffen, unkonventionelle Sprengwaffen (improvised explosive device) vor allem, war man aber nicht vorbereitet und so wurde 2006 die Joint IED Defeat Organization (JIEDDO) gegründet, um IEDs als "Waffen von strategischer Bedeutung" zu bekämpfen.

Konsequent ist daher der Schritt, den die DARPA, die Forschungsbehörde des Pentagon mit dem Auftrag, auch ungewöhnliche Wege zu gehen, nun eingeschlagen hat. In einer Ausschreibung werden Bastler, nicht nur Experten oder Ingenieure aufgerufen, sich zu melden, wenn sie alltägliche Dinge, die es überall zu kaufen gibt, in Waffen verwandeln können. Die Hoffnung ist, daraus Erkenntnisse zu gewinnen, um auch den terroristischen oder anderweitig kriminellen oder subversiven Bastlern einen Schritt voraus zu sein oder zu verhindern, dass die erfundenen unkonventionellen, "improvisierten" Waffen in Umlauf geraten und in die Hände der Gegner fallen. Vermutlich hat die Möglichkeit, auch kleine Drohnen mit Sprengstoff beladen zu können, um Anschläge ausführen zu können, oder die bereits vorgeführte Demonstration, mit 3D-Druckern funktionierende Schusswaffen zu produzieren, ebenfalls im Hintergrund gestanden.

Damit die Bastler, die irgendwelche elektronischen Geräte, Chemikalien, Drohnen oder andere "kommerziell käufliche Technik" umfunktionieren, der DARPA zuarbeiten, muss natürlich Geld geboten werden. Darpa sagt, sie sei darauf angelegt, "strategische Überraschungen" zu bieten. Jetzt also wird eine Kehrtwende, ein Paradigmenwechsel aufgeboten:

Jahrzehntelang wurde die nationale Sicherheit der USA großenteils durch einen einfachen Vorteil gesichert: durch ein praktisches Monopol auf den Zugang zu modernster Technik. Zunehmend bietet serienmäßig produzierte Ausrüstung, die für den Verkehr, für den Bau, für die Landwirtschaft und für andere kommerzielle Branchen entwickelt wurde, hoch komplizierte Komponenten, die Gegner verändern oder mit anderen Dingen kombinieren können, um neuartige und unerwartete Sicherheitsbedrohungen zu schaffen.

Darpa

Grenzen werden von der Darpa kaum gesetzt. Bastler und Erfinder können alles mit Technik machen, die frei käuflich ist, allerdings nur der gesetzlichen Vorgaben: "Die Verwendung von Komponenten, Produkten und Systemen aus nicht-militärischen technischen Gebieten wie Verkehr, Bau, Seefahrt und Kommunikation ist von besonderem Interesse." Wer eine gute Idee hat, aus einem Fernseher, einer Drohne oder einem Handy eine Waffe zu machen, darf nun einen Plan für einen Prototypen bei der Darpa einreichen. Wenn es auf Interesse stößt, erhält man dafür 40.000 US-Dollar. In der zweiten Stufe werden 70.000 US-Dollar angeboten, damit die neuartige Waffe gebaut werden kann. Die besten Waffen werden dann genau evaluiert und militärisch getestet. Dafür gibt es noch einmal 20.000 US-Dollar. Auch Ausländer dürfen mitmachen.

Ambivalent ist die Ausschreibung alleine schon deswegen, weil auch eine mit Ressourcen ausgestattete Terrororganisation oder kriminelle Gruppe ähnliche Interessen haben könnte, um kluge Bastler und Erfinder zu finden, die neuartige Waffen mit jedermann verfügbaren Komponenten entwickeln. So könnte man heimlich und ohne aufzufallen ein Waffenarsenal aufbauen. Die Ausschreibung ist aber auch deswegen ambivalent, weil sie eben die Fantasie fördert, nach neuen Möglichkeiten zum Bau von Waffen zu suchen, die dann auch in die Hände von Gegnern, Terroristen und Kriminellen fallen können. Womöglich holt sich ein Bastler im Sinne von dual use auch erst einmal das Geld von der Darpa, um seine Erfindung an andere Interessenten zu verkaufen. Letztlich verschärft die Darpa die Rüstungsspirale wieder einmal, um dem Militär den technischen Vorsprung zu sichern, womit aber die Technik gleichzeitig verbreitet wird und zum Zuückschlagen verwendet werden kann.

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