Griechenland: Viel Verwirrung an der Grenze

Der Versuch von Flüchtlingen, aufgefordert durch ein Flugblatt, nach Mazedonien vorzudringen, scheiterte

Am Montag, der "Kathara Deftera", dem Beginn der Fastenzeit in Griechenland, hatten knapp 2000 Flüchtlinge in einer Verzweiflungsaktion versucht, auf eigene Faust und von einem dubiosen Flugblatt animiert, die Grenze zu überschreiten. Der Versuch scheiterte. Er löste jedoch zahlreiche politische Verwirrungen aus.

Mit kostenlosem Wi-Fi-Zugang möchte die griechische Regierung nun zur Räumung des wilden Lagers an der Grenze Griechenlands bei Eidomeni beitragen. Über den Internetzugang sollen die Flüchtlinge auf die arabischen Seiten der staatlichen Nachrichtenagentur Athens News Agency geleitet werden und dort lesen, dass ihr Ausharren vor Ort zwecklos ist. Noch sind die arabischen Seiten auf der Internetpräsenz der Agentur jedoch kaum auffindbar.

Tsipras bleibt in Athen

"Die Grenzen bleiben dicht. Diejenigen, welche die Balkanroute verschlossen haben, werden sie nicht wieder öffnen", sagte Alexis Tsipras während der Pressekonferenz im Anschluss an den Staatsbesuch des Präsidenten Armeniens Sersch Sargsjan. Er rief die Flüchtlinge nochmals auf, Eidomeni zu verlassen. Tsipras bezeichnete diejenigen, welche am Montag ein Flugblatt mit einer angeblich sicheren Ausweichroute verteilten, als Verbrecher. Sie hätten "ein diplomatisches Chaos und mittelbar auch den Tod von drei Afghanen zu verantworten". Tsipras machte jedoch erneut keinerlei Anstalten, einen Besuch in der Krisenregion anzukündigen.

Bild: W. Aswestopoulos

Das Kommando Norbert Blüm

Um die Urheber der fraglichen, mit "Kommando Norbert Blüm" unterschriebenen Flugblätter zu finden, durchsucht die griechische Polizei die Copy-Shops und Druckereien in Kilkis und Polykastro. Die Strafverfolger hoffen, über eine forensische Analyse an die fragliche Druckmaschine oder den Drucker zu kommen und darüber wiederum zu den Urhebern zu gelangen.

Hinsichtlich der Urheber werden wilde Vermutungen verbreitet. Es ist die Rede von autonomen Gruppen, einer gezielten Provokation und auch von einer Aktion einer der in Eidomeni anwesenden Flüchtlingshilfsorganisationen. Der Pressesprecher der ministeriellen Koordinierungsgruppe für Flüchtlinge, Giorgos Kyritsis, bemerkte im Rundfunk, dass auf dem in arabischer Sprache verfassten Flugblatt von griechischen Grenzschutzpolizisten die Rede ist. Weil dieser Ausdruck im Griechischen unüblich ist, meint Kyritsis, dass ausländische Gruppen hinter der Aktion stecken.

Den am Wochenende für eine Nacht im Lager campierenden Norbert Blüm verdächtigt dagegen niemand als Initiator der Anleitung zum illegalen Grenzübertritt. In seiner Argumentationskette schlüssig scheint jedoch der Verdacht, dass unter den Initiatoren auch Schleuser sein könnten. Denn diesen ist an einer weiteren Öffnung der für sie lukrativen Balkanroute besonders gelegen.

Der Text des Flugblatts

Gemäß der offiziellen Übersetzung, wie sie von amtlichen griechischen Stellen verbreitet wurde, steht in dem Flugblatt:

"Die Wahrheiten

1. Die griechisch-mazedonische (EJR Mazedonien) Grenze ist geschlossen und bleibt geschlossen.

2. Es wird keine Busse oder Züge geben, welche Sie nach Deutschland fahren werden.

3. Das Wahrscheinlichste ist, dass die, die in Griechenland bleiben, in die Türkei abgeschoben werden.

4. Wer auf illegalem Weg in die Staaten Zentral- und Osteuropas gelangen kann, wird dort verbleiben können (Deutschland nimmt noch Flüchtlinge auf).

5. Das Wahrscheinlichste ist es, dass das Camp von Eidomi in den nächsten Tagen geräumt wird. Sehr wahrscheinlich wird man Sie in Einrichtungen der griechischen Regierung bringen und von dort aus werden sie zurück in die Türkei verbracht.

Die Lösung

1. Der vor Ihnen aufgebaute Zaun soll Sie desorientieren, damit Sie glauben, dass die Grenzen geschlossen sind. Der Zaun endet in fünf (5) Kilometern von hier, wo es keinen Zaun, der Sie am Grenzübertritt nach Mazedonien (EJR Mazedonen) mehr gibt. Sie können dort durchgehen (Schauen Sie auf die Karte).

2. Wenn Sie in kleinen Gruppen oder allein marschieren, dann wird die Grenzpolizei oder das Militär Sie stoppen und zurück nach Griechenland bringen.

3. Wenn Sie sich aber sammeln und tausende Menschen gleichzeitig rübergehen, dann kann die Polizei sie nicht stoppen und zurückbringen.

Lasst uns am Montag um 14:00 h am Eingang des Camps treffen, damit wir die Grenze alle zusammen passieren. Bitte schauen Sie auf die Karte, damit Sie den Weg und den Treffpunkt kennen."

Nicht in der amtlichen Übersetzung enthalten ist der auf dem Flugblatt gemachte Hinweis, dass das betreffende Papier weder Polizisten noch Journalisten gezeigt werden sollte.

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