Verspätungen bei der Bahn jetzt als Feature

19.03.2016

Neue Wartepolitik im Fernverkehr

Im Wettbewerb mit den inzwischen nicht mehr so ganz neuen Fernbuslinien tut sich die Deutsche Bahn immer noch recht schwer: Das bestehende Schienennetz der Bahn, dessen Trassen vielfach noch im Wettbewerb zu Kutschen angelegt wurden, macht das Unternehmen vergleichsweise unflexibel. Es bietet auch wenig Potential für Wachstum, das bei den Fernbuslinien erkennbar größer ist und jetzt alle paar Tage die Nachricht über eine neu eingerichtete Strecke liefert, auch wenn sich die wahrgenommene Fernbusexpansion auf die inzwischen grünen FlixBusse konzentriert, welche die Marke MeinFernbus schon wieder aus dem Angebot katapultieren. MeinFernbus war als Marke möglicherweise zu deutsch, um den Sprung über die (Sprach-)Grenzen zu schaffen.

Der schienengebundenen Bahn fallen solche Sprünge über die Grenzen deutlich schwerer, ist doch ihr Fahrzeugpark auch im Fernverkehr nicht vollumfänglich auf allen europäischen Bahnnetzen zugelassen und einsetzbar. Dies zeigt sich immer wieder, wenn die ICE-Garnituren, die in der Schweiz fahren können, gerade wieder in der Werkstatt sind. Dann ist in Basel SBB Schluss und die Fahrt geht mit einem Schweizer Zug weiter. Dies erfährt man jedoch nur auf ausdrückliche Nachfrage im Zug. Die Durchsage reduziert sich auf die Nachricht, dass die Fahrt am heutigen Tage aus technischen Gründen in Basel enden müsse. Wer jetzt mit einem zuggebundenen Ticket unterwegs ist, ist im Zweifelsfalle erst einmal ein wenig verwirrt.

Fahrplaninformationen bei der Bahn

So manches Mal scheint die Bahn, was ihre Bereitschaft zur Kundeninformation angeht, noch im (aus heutiger Sicht) gemütlichen Zeitalter der Dampflokomotiven stehen geblieben zu sein. Dies gilt ganz offensichtlich auch, wenn die Bahn sich moderner und im Grund zeitgemäßer Medien bedient. Da entspinnen sich dann zuweilen ziemlich skurrile Dialoge.

Als sich bei der Suche nach einer Verbindung unter Bahn.de zwar die Hinfahrt (die jeweils mit einer Busstrecke begann und endete) anzeigen ließ, die Rückfahrt wenige Stunden später jedoch meist mit einer Fehlermeldung endete, führte eine telefonische Nachfrage nicht zum Ziel und wurde per e-Mail fortgesetzt.

Die Antwort war, dass die letzte Teilstrecke an dem betreffenden Tage nur in eine Richtung bedient würde, jedoch offensichtlich keine Fahrten in Gegenrichtung angeboten würden. Ich solle direkt beim Betreiber der betreffenden Busstrecke nachfragen. Den könne man mir jedoch nicht nennen, weil man nicht wisse, wer die Strecke betreibe, die samstags nur in eine Richtung bedient werde.

Mit der Frage, wie ich den Busbetreiber ausfindig machen solle, der samstags auf dieser Strecke nicht fährt, konnte man mir nicht weiterhelfen, weil man in seinen Unterlagen nur die Informationen über die Zeiten, nicht jedoch über die Betreiber habe.

Wer glaubt, damit sei das Auskunftsnirwana im Bereich der Regionalbusse, die oftmals von Tochtergesellschaften der Deutschen Bahn betrieben werden, schon umfassend beschrieben, hat sich getäuscht. Wer sich einmal für einen Gehbehinderten oder Rollstuhlfahrer auf die Suche nach Busverbindungen gemacht hat, die barrierearm mit Niederflurfahrzeugen bedient werden, lernt das Regionalbussystem in Deutschland von seiner chaotischen Seite kennen.

Es ist beileibe nicht so, dass der Betreiber einer Buslinie diese auch grundsätzlich mit eigenen Fahrzeugen bedient. Einzelne Kurse werden oftmals auf Subunternehmen übertragen, die jedoch die Disposition der jeweils eingesetzten Busse entsprechend der Verfügbarkeit des eigenen Fuhrparks vornehmen. Der Betreiber der Buslinie kennt die Disposition seiner Subunternehmer jedoch nicht und in den Fahrplänen sind die Informationen erst recht nicht zu finden.

Vernetzung zwischen Fernverkehr und Regionalverkehr ist mangelhaft

War es über viele Jahre üblich, dass Fernzüge in einem bestimmten Umfang auf verspätete Anschlüsse gewartet haben, hat man diese Politik aufgegeben, als man bei Durchsicht der Statistik feststellen musste, dass jeden Tag Züge zu spät waren - und dass sich die Verspätungen im Tagesgang immer wieder aufschaukelten.

Mit der Konkurrenz durch die Billigflieger kam die (Un-)Pünktlichkeit der Bahn im Fernverkehr wieder auf die Tagesordnung. Da gleichzeitig auch die Forderung laut wurde, die Bedienung der Strecken zu beschleunigen, um sich im aufkommenden Wettbewerb behaupten zu können, wurden die früher vorhanden Zeitpuffer abgebaut. Eine Verspätung lässt sich heute durch eine erhöhte Geschwindigkeit nur noch selten "herausfahren", weil die Streckeninfrastruktur und der eingesetzte Wagenpark dies nicht mehr ermöglichen. Sie sind meist im Fahrplan zeitlich schon ausgereizt.

Neue Wartepolitik der Bahn im Fernverkehr

Im Fernverkehr versucht die Bahn derzeit wieder einmal eine Neuausrichtung - und so hat man kürzlich verkündet, dass man wieder zum Warten auf den Anschluss zurückkehren will. Zumindest in einem bestimmten Umfang.

Wer jedoch abseits der großen Städte wohnt, in welchen die ICEs halten, sollte bei der Wahl seiner Verbindung besondere Sorgfalt walten lassen. Züge in den späten Abendstunden sollten gemieden werden, denn die Chance, den letzten Regionalzug zu verpassen, steigt mit der wieder aufgelegten Wartepolitik der Bahn. Bei den Regionalzügen gilt das Motto des Sonderpostenverkaufs: Wenn weg, dann weg.

War der Endpunkt der Fahrt als Bahnfahrstrecke auf der Fahrkarte vermerkt und die Fahrt im verspäteten Fernzug durch einen sogenannten Zangeneindruck dokumentiert, hat der Fahrgast gute Chancen, für die letzte Strecke der Heimfahrt einen sogenannten Taxischein zu bekommen. Wird die letzte Strecke jedoch von einem Bus bedient, hat man schlechte Karte, auch wenn die Buslinie von einer Tochter der Deutschen Bahn betrieben wird. Das Taxi muss man selbst bezahlen, wenn man nicht den Online-Empfehlungen der Bahn folgen will und den längeren Aufenthalt bis zum Ende der Betriebsruhe im Bahnhof verbringen will.

Eine Abstimmung der neuen Bahnpolitik, die jetzt gegen Betriebsende zu häufigeren Verspätungen im gesamten Fernverkehrsnetz führen dürfte und dem Regionalverkehr scheint bislang nicht vorgesehen. Die letzten abendlichen Kurse in der regionalen Feinverteilung gehen standhaft davon aus, dass der Fernverkehr pünktlich ankommt.

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