Bundesbank: Die Reichen werden reicher

21.03.2016

Studie zu Vermögen und Finanzen privater Haushalte in Deutschland: "relativ ungleich" verteilt

214.500 Euro beträgt das durchschnittliche Nettovermögen der deutschen Haushalte. Dies hat die Bundesbank in ihrer aktuellen Studie errechnet. Diese Summe liegt für viele weit jenseits ihrer realen Verhältnisse. Auch das notiert die Studie, die eine "relativ ungleiche Verteilung" der Vermögen in Deutschland im Vergleich mit anderen EU-Ländern feststellt.

Medianwert bei 60.400 Euro Nettovermögen

Das Vermögen von drei Viertel der privaten Haushalte liegt unter dem angegebenen Nettodurchschnittsvermögen. Der Medianwert (vgl. dazu Was ist Armut? Probleme mit der Prozentrechnung) beleuchtet die Verteilung schon etwas besser: Er steht bei 60.400 Euro Nettovermögen.

Dass der Wert, der die Mitte zwischen der ärmeren und der reicheren Hälfte so viel niedriger als der Durchschnittswert ist, spricht dafür, dass die Wohlhabenden über Vermögenswerte verfügen, die den Durchschnitt kräftig nach oben reißen.

Im Bundesbank-Bericht wird die Ungleichheit weiter damit beleuchtet, dass die vermögendsten 10 Prozent der Haushalte über etwa 60 Prozent des gesamten Nettovermögens verfügen. Auch ein anderes Streuungsmaß, der Abstand der 10 reichsten Prozent vom Medianwert, veranschaulicht die Kluft in den Verhältnissen:

Die Grenze zwischen den vermögendsten 10% und dem Rest der Haushalte verlief bei 468.000 € und ist somit etwa achtmal so hoch wie der Median.

Im Euro-Raum lag der Wert 2010 bei "fünf". Der Gini-Koeffizient für das Nettovermögen wird für Deutschland mit 0,76 angegeben. Eine europäische Vergleichszahl wird im Bericht nicht angegeben. Es wird lediglich konstatiert, dass er im internationalen Vergleich hoch sei.

"Nirgendwo in Deutschland leben mehr Millionäre als am Starnberger See". (Die Zeit) Bild: Andreas Fränzel//File:Starnberger_See_mit_Alpen.jpg/CC BY 2.5

Eine DIW-Studie zur Vermögensungleichheit in den Ländern der Eurozone, liefert eine gewisse Orientierung, allerdings mit Werten aus dem Jahr 2012.

Damals wurde für Deutschland ein Gini-Koeffizient von 0,78 ermittelt, für Frankreich 0,68; für Italien bei 0,61 und für die Slowakei 0,45. Zum Vergleich wurde noch der Wert der USA mit 0,87 beigegeben.

Italien: Zurückgehendes Vermögen

Aktuellen Vergleichszahlen aus dem europäischen Raum folgen, kündigt die Studie an. Bislang werden nur einige Kennzahlen aus Italien, wo die Banca d’Italia eine "methodisch vergleichbare Untersuchung" durchgeführt hat, übermittelt, wie etwa die FAZ berichtet.

Dort liegt der Median-Wert für das Haushaltsvermögen erheblich höher als in Deutschland, bei 138.000 Euro. Beim Durchschnittswert sind die Unterschiede nicht so deutlich. Für Italien wird er um 3.500 Euro höher angegeben: 218.000 Euro. Gegenüber 2010 sind das 16 Prozent weniger. Auch der Median-Wert ist in Italien gefallen, um 19 Prozent, während er in Deutschland um 18 Prozent gestiegen ist.

Lücken der Studie

In Medienberichten wird an die Vorgänger-Studie der Bundesbank vor drei Jahren erinnert, die damals feststellte, dass Haushalte in Frankreich, Italien und Spanien im Durchschnitt reicher seien (Deutsche Vermögen sind besonders ungleich verteilt). Die Studie wurde stark unter kritischen Beschuss genommen. Die Vermögen, vor allem die Immobilien, der "Südländer" würden hochgerechnet, hieß es damals. Vorgeworfen wurde der Studie auch, dass sie bestimmte Vermögenswerte nicht berechne.

Letzteres ist auch jetzt der Fall. Wie es zum Beispiel die FAZ anmerkt, allerdings mit einer gewissen Tendenz, die schon die Überschrift des Beitrages - "Die Deutschen werden reicher" - zu erkennen gibt.

Allerdings umfasst die Haushaltsbefragung der Bundesbank nicht die Ansprüche aus gesetzlichen Renten und anderen Sozialversicherungen, die Angestellte im Laufe ihres Berufslebens erwerben. Solche Rentenanwartschaften können über die Jahrzehnte auf sechsstellige Werte anwachsen. Doch es sei zu schwierig, diese Werte zu berechnen, heißt es aus der Bundesbank. Deshalb wird darauf verzichtet.

Das ist nicht das einzige Manko der Bundesbank-Studie bei den Angaben zu Vermögensverhältnissen. "Schwergewichte" am oberen Ende bleiben ebenfalls draußen.

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