Rostow-Absturz: FlyDubai-Pilot soll wegen Müdigkeit gekündigt haben

25.03.2016

Mitarbeiter erheben anonym Vorwürfe gegen Billigfluglinie

Am letzten Samstag stürzte in der südrussischen Stadt Rostow am Don eine Boeing-737-800 der Linie FlyDubai ab, wobei alle 55 Passagiere und alle sieben Crewmitglieder ums Leben kamen (vgl. Flugzeugabsturz in Rostow am Don [Update]). Die Ursache des Absturzes ist bis jetzt nicht sicher geklärt - Beobachter vermuten, dass der der Pilot möglicherweise nicht mit den Sichtverhältnissen und dem starken Wind zurecht kam.

Nun sagten Kollegen dieses Piloten, die anonym bleiben wollen, der BBC, dass Aristos S., der zypriotische Kapitän der Boeing-737-800, zum Absturzzeitpunkt seinen Job bereits gekündigt hatte und nur noch die Zeit bis zum Ablauf der dreimonatigen Kündigungsfrist abflog. Als Grund für seinen Abschied soll er unter anderem Müdigkeit angegeben - und er war den BBC-Informanten nach nicht der einzige, der bei FlyDubai darunter litt. Seit Jahresbeginn sollen fast 25 von insgesamt etwa 600 FlyDubai-Piloten deshalb ihren Arbeitgeber gewechselt haben.

FlyDubai-Maschine. Foto: Anna Zvereva. Lizenz: CC BY-SA 2.0

Einer der Piloten-Whistleblower sagte dem britischen Sender, er sei nicht überrascht über den Absturz und glaube, dass dabei Müdigkeit eine Rolle spielte. Das sei auch anderen FlyDubai-Mitarbeitern so gegangen. Sie hätten mit so einem Absturz sicher gerechnet und sich lediglich gefragt, wann es so weit sein würde. Einer der Informanten gab zu, während eines Fluges selbst eingeschlafen zu sein. Als er das einem Vorgesetzten erzählte, habe dieser nichts unternommen.

Ein anderer Informanten schätzt, dass etwa die Hälfte des fliegenden FlyDubai-Personals an Übermüdung leide, weil man den Angestellten zwischen ihren Schichten keine ausreichenden Ruhepausen gewähre. Als er das einem Vorgesetzten vortrug, soll dieser nur gemeint haben, bei FlyDubai gebe es so ein Problem nicht. Einige Mitarbeiter hätten sich deshalb gefragt, ob die Linie erst ein Flugzeug verlieren muss, bis sich an den Arbeitsbedingungen etwas ändert.

FlyDubai bestreitet Vorwürfe

FlyDubai sagte der BBC auf die Vorwürfe hin, die Sicherheit stehe im Unternehmen an erster und wichtigster Stelle: Man halte sich an die Arbeitszeitvorschriften für die Flugindustrie, die sehr stark reguliert sei, und das Safety Management Systems (SMS) der Linie "ermutige" Piloten, die den Eindruck haben, nicht genug Ruhepausen zu bekommen, sich für flugunfähig erklären zu lassen.

Vorher hatte FlyDubai verlautbart, das Unternehmen könne nicht Stellung nehmen, weil es "vertrauliche Informationen" über Angestellte nicht offenlegen dürfe. Darüber hinaus halte man es aus Rücksicht auf die Angehörigen der Absturzopfer für wichtig, dass nicht über Ursachen "spekuliert" wird, so lange die offiziellen Untersuchungen noch nicht abgeschlossen sind.

Müdigkeit von Piloten gilt bei mehreren Flugzeugunglücken in der Vergangenheit als wahrscheinliche Ursache - darunter beim Absturz einer TransAsia-Maschine auf der Insel Penghu, bei dem vorletztes Jahr 48 Menschen starben.

Trümmer vor Mosambik mit fast hundertprozentiger Sicherheit von Flug MH370

Ein noch größeres Rätsel als der Absturz der Boeing-737-800 in Rostow am Don ist das Verschwinden einer mit 239 Menschen besetzten Boeing 777 auf dem Weg von der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur nach Peking vor gut zwei Jahren (vgl. Weiter Rätselraten um Flug MH370, Flug MH370: Entführt, abgestürzt oder abgeschossen? und Flug MH-370: Alles bleibt offen). Erst nach 17 Monaten wurde auf der Insel La Réunion, eine Flügelklappe angeschwemmt, deren Nummer zur Seriennummer zur vermissten Maschine passt (vgl. MH370: Weiteres mögliches Wrackteil gefunden). Aufschlüsse über das Verschwinden der Maschine gab der Gegenstand, auf dem sich keine Explosionsrückstande fanden, jedoch nicht.

Gleiches gilt für zwei Flugzeugteile, die im Dezember 2015 und im Februar 2016 vor Mosambik gefunden wurden (vgl. Neues MH370-Wrackteil gefunden?) und deren Untersuchung jetzt abgeschlossen ist. Dem australischen Verkehrsminister Darren Chester und seinem malaysischen Amtskollegen Liow Tiong Lai nach gehören sie mit fast hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit zum vermissten Flugzeug, weil nicht nur der Typ Boeing 777 passt, sondern auch die Farbe und die Nummernschablonen auf Malaysian Airlines hindeuten.

Ein am Montag in der südafrikanischen Mosselbaai aufgetauchtes Fundstück mit dem Teil eines Rolls-Royce-Logos wird derzeit noch untersucht. Gehört auch dieses Teil zum Wrack, würde das Strömungsmodelle bestätigen, denen zufolge die Maschine über dem Indischen Ozean abstürzte, wo man immer noch nach ihr sucht.

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