Wie schwer ist ein Terroranschlag auf ein Atomkraftwerk?

26.03.2016

Die AKW Doel und Tihange sollen schon länger als Anschlagsziele von Terroristen ins Visier genommen worden sein

Vor einem Jahr flog ein deutscher Kopilot sein Flugzeug mit 150 Insassen bewusst in eine Alpenschlucht. Nur wenige Kilometer entfernt laufen drei französische Atomkraftwerke. Was wäre gewesen, wenn er den Flieger in eines dieser drei AKW gesteuert hätte? Europa würde heute anders aussehen.

Doch in Frankreich laufen noch immer 58 AKW und in Deutschland neun. In diesen Tagen des Terroranschlags in Brüssel stellt sich die Frage eines Anschlags auf ein AKW ganz neu und dringlich. Belgiens Atomkraftwerke gelten schon lange als Sicherheitsrisiko.

Französische und belgische Zeitungen berichten, dass die AKW Doel und Tihange als Anschlagsziele schon länger von Terroristen ins Visier genommen wurden. Im Radius von 75 km des AKW Doel leben rund neun Millionen Menschen. Im Oktober 2014 entdeckten belgische Behörden, dass ein Dschihadist von 2009 bis 2012 im Hochsicherheitstrakt von Doel gearbeitet hatte. Der Mann hieß Ilyass Banghalab, stammte aus Marokko und war Mitglied einer islamistischen Gruppe, die aus Belgien einen islamischen Gottesstaat machen wollte. Der Mann war auch Mitglied des "Islamischen Staats" (IS-Terrorist im belgischen AKW-Hochsicherheitsbereich).

Natürlich lebt der Terrorist, der einen solchen Anschlag plant, schon lange mitten unter uns. Wer das nicht erkennt, lebt im Reich der Illusionen, aber nicht auf dieser Erde. Zudem besteht berechtigte Angst vor einer IS-Atombombe.

"Die Herstellung eines atomaren Sprengsatzes ist kein Problem", sagt der Energie- und Atompolitikberater Mycle Schneider der Taz. In den USA haben zwei Studenten über öffentlich zugängliche Literatur in eineinhalb Jahren ein Atombomben-Konzept gebastelt. Wir haben bisher nur Glück gehabt, meint Schneider: "Man muss befürchten, dass es Terrorattacken auf Atomanlagen geben wird, die zur Freisetzung großer Mengen Radioaktivität führen könnten".

Schon bisher gab es Vorfälle der verschiedensten Art, die Anlass zur Sorge geben. Am 11. September 2001 ist eines der Flugzeuge in Pennsylvania abgestürzt, das vermutlich auf ein US-AKW angesetzt war.

2014 sind über allen französischen AKW Drohnen gesichtet worden - ein Vorfall, der bis heute nicht aufgeklärt ist (IS-Terrorist im belgischen AKW-Hochsicherheitsbereich). Die Taz fragte den Atomfachmann auch, wie schwer es sei, ein Atomkraftwerk so zu sabotieren, dass es zu einem GAU kommt. Schneider: "Ich sage es nicht gern, aber technisch ist das nicht sehr schwer."

Je rascher sich die Menschheit von der Atomenergie verabschiedet, desto sicherer wird die Welt.

Nach den Brüsseler Anschlägen haben Betreiber externe Mitarbeiter aus Belgiens Atommeilern verbannt. Schon einmal hat ein Dschihadist über ein Subunternehmen einen Job in einem belgischen AKW bekommen.

Mehr von Franz Alt auf der Sonnenseite.com.

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