Syrische Armee: Palmyra unter vollständiger Kontrolle

27.03.2016

Der IS erleidet die nächste Niederlage, die propagandistisch wie militärisch von Bedeutung ist

Palmyra sei vollständig, die antiken Stätten wie die Wohnviertel, unter Kontrolle der syrischen Armee, meldet heute die syrische Nachrichtenagentur Sana. Demnach seien die letzten IS-Kämpfer vertrieben, die letzten Verstecke geräumt und die komplette Stadt durchgekämmt und Minen wie Sprengsätze beseitigt.

Ob in der kurzen Zeit tatsächlich alle Sprengsätze entfernt werden konnten, ist noch offen. Die IS-Milizen sind für hinterhältige Überraschungen berüchtigt, wenn es um das Legen von Sprengfallen geht. Unsicher ist auch noch, welchen Schaden die Dschihadisten an den antiken Stätten angerichtet haben und wie viel geplündert wurde. Erste Bilder deuten an, dass das Ausmaß der Zerstörungen größer sein könnte. Außer Frage steht jedoch, dass die Rückeroberung von Palmyra als wichtiger Erfolg gegen den IS auf unzähligen Bildschirmen weltweit verbreitet wird.

Das ist eine schwere Propaganda-Schlappe für das selbsternannte Kalifat, dem eben noch in vielen westlichen Medien ein quasi-militärischer "Erfolg" in Europa zugeschrieben wurde (Ziel Brüssel: Der IS rühmt sich der Terror-Anschläge). Exemplarisch und in aller Deutlichkeit wird diese Perspektive mit der Aufbereitung der Terroranschläge in Belgien veranschaulicht, wie sie die Webseite des US-Institute for the Study of War präsentiert. Dort lautet die Überschrift: ISIS’s Feldzug in Europa, März 2016.

Dem gegenüber gibt die Niederlage des IS am symbolisch hoch bewertetet Palmyra nun Anlass zu Spott in den sozialen Netzwerken über die "Hollywood-Truppe", die zu viel Wert auf ihr Medienimage lege.

Allerdings ist der militärische Erfolg mindestens so bedeutend wie die Propaganda-Front. Palmyra ist ein wichtiger Verkehrs-Kontenpunkt in Syrien. Die Rückeroberung eröffnet den syrischen Truppen und ihren Alliierten nun die Möglichkeit, weitere bedeutende Offensiven zu unternehmen.

Berichtet wird von der Absicht der syrischen Militärführung, nun Deir ez-Zor und danach Raqqa zurückzuerobern. Mit dem Angriff auf Palmyra und der weiteren Offensiv-Route wird auch der Kritik viel Boden entzogen, die die militärische Zusammenarbeit zwischen Russland und der syrischen Regierung vor allem als Kampf gegen Oppositionelle beschrieb.

Der Kampf gegen den IS sei nur Vorwand, so der Vorwurf, den große US-Medien, wie die New York Times und die Washington Post verbreiteten und der auch hierzulande aufgenommen wurde. Erst sehr spät wurde eingeräumt, dass die "moderate Opposition" seinerseits ein Etikettenschwindel war, da sämtliche Gruppen mit Dschihadisten der al-Qaida-Truppe al-Nusra verbunden sind (vgl. dazu Reporting (or Not) the Ties Between US-Armed Syrian Rebels and Al Qaeda’s Affiliate).

(Einfügung: Wie schwer sich das US-Außenministerium mit dem militärischen Erfolg der syrischen Regierung und Russlands in Palmyra tut, ist deutlich an der Pressekonferenz abzulesen, wo sich der Ministeriumssprecher mit der Gleichsetzung von "al-Assads Tyrannei" und dem IS aus der Klemme zu ziehen versucht.)

Die Kämpfe um Palmyra dauerten mehrere Wochen, russische Luftangriffe spielten dabei eine wesentliche Rolle (Syrische Armee nimmt strategisch wichtige Anhöhe vor Palmyra ein).Laut Guardian sollen russische Einheiten auch am Boden Unterstützung geliefert, haben. Erwähnt wird andernorts, dass auch Hisbollah-Einheiten die syrische Armee unterstützt haben.

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