Websites der Falun-Sekte werden angegriffen

Florian Rötzer 31.07.1999

Angeblich versuchte auch die chinesische Polizei eine Website zu cracken

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Massiv geht die chinesische Regierung gegen die Falun Gong Meditationsgruppe vor, die von sich selbst sagt, sie sei nicht einmal eine Organisation. Nachdem etwa 10000 Anhänger bereits im Mai dieses Jahres friedlich, aber für die Regierung unerwartet in der Nähe der Verbotenen Stadt in Peking gegen die Unterdrückung protestiert hatten, mehrten sich die Demonstrationen, weil einige führenden Personen der Gruppe festgenommen wurden. Man setzte Demonstranten in Sportstadien für mehrere Tage fest, verbot Falun Gong in der letzten Woche, erklärte den Gründer der von Falun Gong, den seit zwei Jahren in New York lebenden Li Hongzhi, zum Staatsfeind Nr. 1 und begann damit, mehrere Tausend Anhänger in den Behörden unter Druck zu setzen sowie ihre Köpfe vom Abfall vom marxistischen Materialismus durch Re-Edukation zu reinigen. Inzwischen wurden auch Schriften und Videos der Gruppe in Massen öffentlich zerstört.

Li Hongzhi beteuert, daß die von ihm gegründete Gruppe oder Sekte keine politischen Ziele verfolge und nicht einmal eine Religion sei, sondern lediglich Wege anbiete, um zum seelischen und körperlichen Wohlergehen zu gelangen. Gleichwohl macht die chinesische Regierung aus ihm einen Rädelsführer, der verantwortlich für über 100 Selbstmorde von Anhängern sei, verhängte über ihn die Todesstrafe und forderte die amerikanische Regierung dazu auf, ihn auszuliefern. Möglicherweise dient das scharfe Vorgehen gegen die Sekte nur der Konstruktion eines Feindes, schließlich gibt es in China keine nennenswerte politische Opposition mehr, dafür aber wachsende Probleme mit der wachsenden Kluft zwischen Armen und Reichen, steigender Arbeitslosigkeit und um sich greifender Korruption.

Während die Regierung sagt, daß die angeblich streng organisierte, vom Ausland gelenkte und politisch subversive Strategien verfolgende Gruppe in China zwei Millionen Anhänger habe, sagt diese selbst, es wären 100 Millionen. Doch anders als bei den Protesten 1989 auf dem Tienanmen Platz, bei denen das Internet noch keine Rolle gespielt hat, ist die Gruppe weltweit präsent und hat eine ganze Reihe von Websites. Die auf chinesischen Servern befindlichen wurden bereits wegen des Publikationsverbots vom Netz genommen, doch Emails haben zumindest, wie die Gruppe selbst meldet, eine erhebliche Rolle gespielt, um die Anhänger im Ausland und die Weltöffentlichkeit über die Vorgänge in China zu informieren.

Offenbar werden jetzt Websites der Gruppe im Ausland zunehmend angegriffen. Angeblich wurde www.falunusa.net, eine Website, die wiederum andere Falun-Seiten spiegelt, die bereits zuvor attackiert wurden, auch zum Opfer von elektronischen Angreifern. Meist handelte es sich um "denial-of-service"-Angriffe, um den Server zu blockieren, aber Bob McWee, Betreiber der Website und Anhänger von Falun Gong, meldet auch, daß jemand versucht habe, in den Server einzudringen. Er konnte die IP-Adresse des Angreifers nach China zurückverfolgen. Angeblich führe die Spur, wie die New York Times meldet, zu einer Polizeistation in Peking, nämlich zum Büro für Internetüberwachung. Auch andere Websites von Falun-Anhängern melden Angriffe.

http://www.heise.de/tp/artikel/5/5135/1.html
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