Mit Hackern auf Zeltlager

Gespräch mit Andy Müller-Maguhn über das Chaos Communication Camp.

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Auch die deutschen Hacker vom Chaos Computer Club ziehen jetzt vom 6. bis 8. August 1999 aufs Feld. Wie bereits vor zwei und sechs Jahren in Holland, soll nun erstmals ein Hacker-Urlaubscamp in Deutschland stattfinden. Auf 64000 Quadratmeter Wiese in Alt-Landsberg Nähe Berlin mit naheliegendem See, Strom- und Internetversorgung wird neben 2042 Teilnehmern auch die Landung des Raumschiffs "Herz aus Gold" erwartet. Christiane Schulzki-Haddouti sprach am Vorabend des Ereignisses mit dem CCC-Sprecher Andy Müller-Maguhn.

Raumschiff "Herz aus Gold" im Anflug auf die Erde

Ihr erwartet "2042 Besucher" - was wird besser, größer, schöner beim Caos Communication Camp 1997 als bei HIP 1997?

Müller-Maguhn: Bei "Hacking in Progress" 1997 gab es hervorragendes Wetter mit dröhnender Hitze. Die holländischen Hacker hatten damals für die Workshops und Veranstaltungen ein Zirkuszelt angemietet, das akustisch nicht zu gebrauchen war. Die kleinen Zelte hingegen waren wiederum völlig überlaufen. Das wollen wir mit einer anderen Zeltstruktur besser hinkriegen. Wir haben ein CAMPnet mit einer 34 Mbit/s Verbindung zum Internet über einen Mikrowellenfunkturm. Wir haben 1 Megawatt Strom und einen Badesee, der etwas größer als bei HIP ist. Wir wollen jetzt aber nicht unbedingt besser und größer sein. Wir fanden einfach, daß die vierjährige Lücke zwischen den holländischen Hackertreffen zu groß ist.

Ist das jetzt erstmal ein Experiment, oder wollt ihr künftig immer in die Vierjahreslücke springen?

Müller-Maguhn: Für uns ist das erst einmal ein Experiment. Als Hintergrund sollte man wissen, daß die holländischen Hacker mit HIP einen Verlust von 150.000 Gulden erwirtschaftet haben. Das können wir uns eigentlich nicht leisten. Wir sind - trotz anders lautender Gerüchte - kein besonders wohlhabender Club. Wir hoffen, daß wir die Kosten durch die Teilnehmerbeiträge wieder hereinbekommen. Wir machen einmal im Jahr den Chaos Communication Congress. Dort sind wir in unserem Element und kriegen das hin. Die Organisation eines Camps hat noch einmal andere Anforderungen. Wir arbeiten zusammen mit einem Logistikpartner, der normalerweise Open-Air-Events organisiert. Wenn alles gut läuft, dann können wir etwas ähnliches nochmal machen.

Die Holländer setzten mehr auf Selbstorganisation - die Deutschen, so behaupten böse Zungen, hingegen mehr auf eine zentrale Organisation. Stimmt das?

Campingplatz von oben (noch unbesiedelt)

Müller-Maguhn: Das muß ich zurückweisen. Wir betrachten jeden Teilnehmer als freiwilligen Mitarbeiter. Die Veranstaltung lebt wie HIP von dem Engagement der Teilnehmer. Wichtig ist natürlich, daß Strom und Internetversorgung geplant sind. Da die Hackerszene nicht mehr wie in den 80er Jahren aus ein paar hundert Leuten besteht und wir auf den Kongressen mit rund zweieinhalbtausend Leuten zu tun hatten, mußten wir einfach einige Dinge wie die Essens- und Getränkeversorgung professionell organisieren. Wir bieten dadurch aber auch bestmögliche Entfaltungschancen für inhaltliche und spaßbringende Aktivitäten.

Apropos Aktivitäten: Was wird denn im Crypto Village passieren?

Müller-Maguhn: Wir haben die Cypherpunks und den "Cult of the Dead Cow" zu Gast. Es wird sicherlich Diskussionen um neue Verschlüsselungsstandards wie AES geben. Aber auch die politischen Aspekte von Kryptoregulierung, Open-Source-Ansätzen und die Untersuchung und Nachvollziehbarkeit von Verschlüsselungsgeräten werden im Vordergrund stehen.

Welche Highlights gibt es im Re-engineering Village? Habt ihr ein Programm?

Müller-Maguhn: Wir haben eine Gruppe deutscher Chipkartenhacker und verschiedene Leute, die uns biometrische Sicherheitssysteme zur Untersuchung mitbringen wollen. Eine kleinere Gruppe setzt sich mit GSM auseinander. In erster Linie ist das für uns ein Hackerurlaubscamp. Anders als der Kongress, der auf inhaltliches und strukturiertes Zusammensein ausgelegt ist, ist das Camp eine Erholungsveranstaltung. Dennoch haben wir auch hier von zwölf Uhr mittags bis zwölf Uhr nachts ein Programm. Gerüchteweise kommen ja auch Außerirdische und bringen uns den Antigravitationsgenerator. Wir haben diese kleine Geschichte mit dem in Not geratenen Raumschiff, das auf dem Camp zwischenlandet und wieder zusammengeschraubt wird. Das ist nicht nur eine Geschichte, sondern es gibt auch praktische Elemente. Die darf ich aber noch nicht verraten.

Wie finanziert ihr die Camp-Infrastruktur - außer durch Eintrittsgelder? Ist das Risiko groß?

Müller-Maguhn: Es gibt ein normales Teilnehmerticket von 150 Mark, das ausnahmslos jeder zahlt. Wir haben im Vorfeld auch Businesstickets für Firmenmitarbeiter über 1500 Mark angeboten, die wir immerhin 42 Mal verkauft haben.

Habt ihr Sponsoren?

Müller-Maguhn: Wir haben 3Com, Cisco und einige andere gewonnen, die uns auch mit Infrastruktur aushelfen. Hauptsächlich müssen wir die Kosten jedoch durch die Tickets, Essens- und Getränkeverkauf abdecken. Für Strom geben wir 80.000 Mark, für Internet 50.000 Mark aus. Noch sind wir deutlich in den roten Zahlen. Aber wir hoffen, genügend Teilnehmer zusammen zu bringen.

Warum gibt es so strenge Auflagen für die Presse? Wollt ihr Journalisten zu investigativen Höchstleistungen treiben?

Müller-Maguhn: Journalisten sind bei uns willkommen, aber sie unterliegen einer Kennzeichnungspflicht. Wir möchten eine entspannte Hackerurlaubsathmosphäre haben. Die wäre aber gefährdet, wenn Kamerateams herumlaufen würden. Deshalb wollen wir keine eigene Bildberichterstattung der Presse. Wir haben aber ein professionelles Kamera- und Fototeam, um sicher zu stellen, dass die Teilnehmer um ihr Einverständnis gefragt werden. Wir haben uns hier an den Erfahrungen in Holland und unseren Kongressen orientiert, wo wir mitunter mit einem größeren Pulk von Journalisten zu kämpfen hatten.

Wollt ihr nicht dadurch eine zusätzliche Geldeinnahmequelle öffnen?

Müller-Maguhn: Nein, das wäre schön. Damit haben wir finanziell nichts zu tun. Die Leute, die das machen, werden damit so viel verdienen, daß sie ihre eigenen Kosten abdecken können.

http://www.heise.de/tp/artikel/5/5159/1.html
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