370.000 minus 100.000

Tilman Baumgärtel 23.09.1999

Zwei neue Studien über die Auswirkung des Internet kommen zu recht gegensätzlichen Schlüssen

Wegen des Internet werden in Deutschland in den nächsten Jahren Zehntausende von Arbeitsplätzen verloren gehen. Gleichzeitig werden durch das Internet mehrere hunderttausend neue Jobs entstehen. Zu diesen vollkommen widersprüchlichen Ergebnissen kommen zwei Studien, die gestern der Öffentlichkeit vorgestellt wurden.

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Durch die zunehmende Vernetzung zwischen den Unternehmen werden in den nächsten zwei Jahren mehr als 100 000 Jobs in Deutschland verloren gehen, heißt es in einer vom Wirtschaftsmagazin Capital veröffentlichten Untersuchung zur Internet-Nutzung. Grund für diese harten Einschnitte im Arbeitsmarkt seien die erheblichen Einsparpotenziale durch professionelles Business-to-Business, die bei etwa vier Prozent der Kosten lägen.

Ganz anders die Prognose in einer Studie, die die Bundesregierung in Auftrag gegeben hat: Hier werden bis zu 370 000 neue Arbeitsplätze durch Internet und Multimedia im Jahr 2002 vorausgesagt. Voraussetzung sei allerdings, dass Wirtschaft, Wissenschaft und Politik alle nötigen Anstrengungen für diesen Bereich unternähmen, hieß es am Dienstag in einer Erklärung des Bundeswirtschaftsministeriums in Berlin.

Die Bereitschaft und Fähigkeit zur Nutzung von Internet und Multimedia nehme in der Bevölkerung deutlich zu, sagt die Untersuchung voraus. Zudem habe sich die Verfügbarkeit von Risikokapital für Unternehmen in diesem Sektor deutlich erhöht. Zurzeit sind nach Angaben des Ministeriums in Deutschland rund 700.000 Menschen in den neuen Informations- und Kommunikationstechnologien tätig. Voraussetzungen für einen Ausbau dieses Markts seien eine stärkere Wachstumsdynamik und eine enge Abstimmung zwischen Staat und Wirtschaft.

Letztlich stimmen beide Studien jedoch optimistisch: wenn man die verlorenen Arbeitsplätze von den neuen Jobs abzieht, bleiben immer noch 270 000 Stellen übrig - sollten die Studien Recht behalten.

http://www.heise.de/tp/artikel/5/5313/1.html
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