Keine Panik!

Bundesregierung richtet zwei Lagezentren für die Jahrtausendwende ein.

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Nicht nur in Betrieben müssen Computerzusammenbrüche verhindert und Notdienste organisiert werden, sondern auch in staatlichen Behörden. Die Bundesregierung unterhält zur Jahrtausendwende zwei Lagezentren: Ein Lagezentrum mit 20 Mitarbeitern in Bonn sowie ein Lagezentrum mit 50 bis 60 Mitarbeitern sowie zwei Staatssekretären des Bundesinnenministeriums in Berlin.

Erst vor kurzem erfuhren die Mitarbeiter, mit welcher Aufgabe sie in den Jahr-2000-Lagezentren betraut werden. Sie gingen davon aus, dass die Experten der Bundesregierung bei Notfällen Jahr-2000-Opfern mit Tat und Rat zur Seite stehen würden. Die eigentliche Aufgabe lautet jedoch anders: Beobachtung und Analyse. Das kleine Lagezentrum in Bonn, das im Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) angesiedelt ist, wird mit drei Fernsehmonitoren und einem Nachrichtenticker ausgestattet.

Analyse der Medienberichterstattung

Die Mitarbeiter beobachten die laufende Berichterstattung von CNN und Reuters, verfassen Analysen und schicken diese verschlüsselt über den Informationsverbund Bonn-Berlin (IVBB) nach Berlin. In Berlin wird hingegen die deutsche Berichterstattung in den Medien beobachtet. Die französischen Medien bleiben jedoch außen vor. Grund: Es konnte niemand gefunden werden, der über ausreichende Französischkenntnisse verfügt. Falls also die französischen Atomkraftwerke an der deutschen Grenze in Nöte kommen sollten, wüsste die Deutsche Bundesregierung davon nichts. In Berlin werden Berichte erstellt, die den Staatssekretären Brigitte Zypries und Claus Henning Schapper vorgelegt werden. So informiert, sollen die zwei Staatssekretäre in der Lage sein, vor den Medien Stellung zu nehmen. Ziel: Panik vermeiden.

Mitarbeiter, die über die Feiertage in Notfallteams arbeiten, werden zu Sonderbedingungen bezahlt. Zuschläge in vierstelliger Höhe sind in der freien Wirtschaft keine Ausnahme. Auch in den Bundesbehörden werden die Mitarbeiter in den für die Silvesternacht eingerichteten Lagezentren gut bezahlt: Wer vom 28. Dezember, 12.00 Uhr bis zum 04. Januar, 06.00 Uhr in den Lagezentren der Bundesregierung arbeitet, kann mit dem 1,5 fachen Gehalt rechnen. Keiner wird zwangsverpflichtet, der Sonderdienst ist freiwillig. Mitarbeiter von Bonner Behörden, die in Berlin Dienst tun müssen, dürfen sogar ihre Familie mitnehmen. Diese werden dann in einer Berliner Kaserne untergebracht.

In der letzten Woche hatte das Bundesinnenministerium in einer Pressemitteilung festgestellt, dass "Deutschland gut vorbereitet" ist. Die Umstellungsarbeiten in der Bundesverwaltung seien zu hundert Prozent abgeschlossen. Die Polizeisysteme seien ebenfalls alle Jahr-2000-sicher. Bundesinnenminister Otto Schily:

"Die Bundesregierung hat sich sehr intensiv um das Jahr-2000-Problem gekümmert, damit in Deutschland keine Probleme entstehen."

Mit dem Lagezentrum ist sie nun auch in der Lage, schnell auf eventuelle Horrormeldungen zu reagieren. Mit einer Dienstleistung für den Bürger, der in der Silvesternacht eventuell doch in die Bredouille geraten könnte, hat das allerdings nur noch wenig zu tun.

http://www.heise.de/tp/artikel/5/5540/1.html
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