Der Weltuntergang findet nicht statt

20.12.1999

Apokalypse, Weltverschwörung und das neue Zeitalter im Internet

Ufos, Weltkriege und andere Katastrophen. Gegen das, was im Internet zum Thema Weltuntergang zu lesen ist, wirkt der y2k-Bug wie eine müde Lachnummer.

Der Weltuntergang fand nach 1975 nicht mehr statt. Eine Gegendarstellung der Zeugen Jehovas

Nostradamus - noch immer aktuell

In giftgrüner Zehn-Punkt-Schrift auf schwarzem Grund deutet Josef Schedel, seines Zeichens Gründer des Vereins für grenzwissenschaftliche Phänomene (VfgP), die Hintergründe des Jahr-2000-Problems: "Als kritischer Beobachter fragt man sich deshalb, wie es möglich ist, dass all die genialen Programmierer, die hinter diesen Systemen stecken, eine so lapidare Fehlerquelle jahrzehntelang ignorieren und multiplizieren konnten und erst jetzt, kurz vor Ablauf des Jahr-2000-Ultimatums, das Problem angehen -- jetzt, wo die Zeit nicht mehr reicht. Gibt es Interessengruppen, die davon profitieren? Soll aus dem Chaos eine neue "Ordnung" (Weltordnung) entstehen?"

Im Zeitalter individueller Kommunikationstechnik ist es so leicht wie nie zuvor, die eigene Weltsicht einem Millionenpublikum zu präsentieren. Verschwörungstheorien und Endzeitängste gedeihen im Internet wie Champignons in ehemaligen Luftschutzkellern: Die Greenwich-Zeit wird als Lüge entlarvt, der Tod von Prinzessin Diana war eine Freimaurer-Verschwörung und die angeblichen Mondlandung eine Fälschung - bedauerlicherweise wurde dieses Dokument zwar von der Suchmaschine angezeigt, ist aber mittlerweile gelöscht.

Millennium Computer Bug & NWO. Y2K Opportunity for Antichrist

Der Datumssprung scheint diffusen Ängsten zusätzliche Nahrung zu geben. Im Auftrag des Fernsehsenders Kabel 1 und der Mediagruppe München befragte das Forsa-Institut 1005 Bundesbürger über 14 Jahren - eine Begleitforschung zur Ausstrahlung des Historienfilms "Nostradamus": An den Weltuntergang glauben demnach 17 Prozent der Befragten, vor allem die Jüngeren (21 Prozent). Allerdings herrschen über den Zeitpunkt des Weltuntergangs recht unterschiedliche Vorstellungen: Die meisten (29 Prozent) prognostizieren den Weltuntergang vage für "irgendwann" oder einen Zeitpunkt, der noch recht weit weg liegt (z.B. in Millionen oder Milliarden Jahren: 6 Prozent, bis zum Jahr 3000: 8 Prozent) Einige Befragte setzten das Datum für einen Zeitpunkt fest, den sie durchaus noch selbst erleben könnten, z.B. in 10 Jahren (0,6 Prozent) oder in 30 Jahren (2 Prozent). Insgesamt geht immerhin jeder Zehnte derjenigen, die an den Weltuntergang glauben, davon aus, dass die Welt in den nächsten 100 Jahren untergehen wird. Neun Prozent überlassen diese Entscheidung Gott und für drei Prozent geht die Welt unter, "wenn die Sonne erlischt". Diskussion über den "Weltuntergang-Jahr 2000" in einer Newsgroup

Endzeit ohne Ende

Die Geschichte vom Weltuntergang und vom großen Strafgericht scheint die Menschheit seit jeher fasziniert zu haben; apokalyptische Endzeiterwartungen lassen sich seit dem Mittelalter beobachten. Die These von der großen Hysterie zum Ende des ersten Jahrtausends ist unter Historikern umstritten; die Mehrheit der Mittelalterforscher hält die erste Jahrtausendwende für ein "ganz normales Datum". Eine Strömung um den Bostoner Historiker Richard Landres verweist jedoch auf zahlreiche Hinweise, dass auch schon vor 1000 Jahren eine Massenhysterie geherrscht haben soll: Eine Welle der Christianisierung, massenhafte Pilgerzüge, antisemitische Ausschreitungen und Ähnliches.

Gegen Mitte des 12. Jahrhunderts spitzten sich, angefacht von zahlreichen Propheten, die Endzeiterwartungen erneut zu. Der Abt Joachim von Fiore (1145 - 1202) entwickelte seine "Lehre von den drei Weltzuständen" wonach der dritte Zustand, "das Reich des Heiligen Geistes", kurz bevorstehe. Auf Grund seiner von der Kirche verurteilten Lehre kündigten Fanatiker den Weltuntergang für 1260 an, was zu einer hysterischen Weltuntergangsgläubigkeit in Italien, Deutschland und Frankreich führte. Im 14. Jahrhundert wurde die Pest, die ein Drittel der europäischen Bevölkerung - etwa 40 Millionen Menschen - dahinraffte, als Apokalypse gedeutet. Manche Historiker sprechen von der intensivsten Weltuntergangspanik der Geschichte.

Die Weltuntergangsszenarien der Neuzeit haben ihre Wurzel eher in der so genannten "Erweckungsbewegung" des 18. Jahrhunderts in den USA. Die "wiedererweckten Christen" interpretieren die Bibel in der Regel sehr viel wörtlicher als die großen Weltkirchen. Dementsprechend wird auch die Prophezeiung von der Wiederkehr Jesus wörtlich genommen; der Zeitpunkt dieser Wiederkehr lässt sich wiederum an speziellen "Zeichen" ablesen. Neben verschiedenen Naturkatastrophen hat insbesondere der gesellschaftliche Wandel der beginnenden industrielle Revolution solche Vorstellungen und Ängste gefördert.

Die große Erweckung

Im 19. Jahrhundert propagierten besonders die Mormonen endzeitliche Heilserwartungen, die ihr Begründer Joseph Smith neu formulierte. Dazu dient die fantastische Geschichte der Ureinwohner Amerikas, der "Nephiten" und der "Lamaniten", in der berichtet wird, dass ein Jerusalemer Bürger Lehi schon um 600 v. Chr. von Gott die Anweisung erhalten habe auszuwandern. Seine beiden Söhne Nephi und Laman verkörpern im neuen Land Amerika die beiden Volksgemeinschaften der Gottesfürchtigen (Nephiten) und der vom Glauben Abgefallenen (Lamaniten).

Nach Smith ist "die wahre Kirche" in den USA ebenso in Vergessenheit geraten wie anderswo auf der Welt, bis sie durch seine neuzeitlichen Offenbarungen wieder entdeckt wurde. So wurde diese "Kirche Jesu Christi" zu der Kirche der Endzeit, welche die Aufgabe hat, den wahren Glauben wieder bewusst zu machen, damit die Voraussetzung geschaffen würde, damit Jesus Christus wiederkommen könne. Sie nennt sich entsprechend auch "Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage".

Auch die Zeugen Jehovas - gegründet von Charles Taze Russell - orteten in der mangelnden Bibelkenntnis der Menschen und dem vernachlässigten Bibelstudium den Grund für die ausbleibende Wiederkunft von Jesus. Entsprechend schlossen sie sich zusammen zu den "ernsten Bibelforschern", denen aufgetragen ist, die Bibel deutlich auf die Endzeit hin zu interpretieren und die Menschen auf den von Gott geforderten Gehorsam hinzuweisen. Ihre Führer sagten für 1874, 1878, 1881, 1910, 1914, 1918, 1925, 1975, 1984 und 1993 den Weltuntergang voraus. Trotz der zahlreichen misslungenen Prophezeiungen erholten sich die Zeugen jedes mal wieder recht rasch. Heute sollen sie 4,4 Millionen Mitglieder in 212 Ländern haben. Für den bevorstehenden Jahreswechsel sind die Zeugen offensichtlich vorsichtiger geworden. Eine auf ihrer Homepage verbreitete Presseerklärung beruhigt: "Kein Weltuntergang zur Jahrtausendwende. Die Erde wird nicht untergehen. Jehovas Zeugen glauben dem Bibelwort "Die Erde besteht ewig", so Werner Rudtke (58), Vorstandssprecher der Zeugen Jehovas in Deutschland.

Die Adventisten schließlich erkannten in der eigenmächtigen katholischen Tradition und dem päpstlichen Lehranspruch den Grund für die ausbleibende Wiederkunft. Schließlich hatte ein katholischer Papst in eigenmächtiger Machtanmaßung die Einführung des Sonntages an Stelle des Sabbats beschlossen. Sollte dies tatsächlich Gottes Willen entsprechen, müsste doch etwas davon in der Bibel stehen. Da dies aber nicht der Fall sei, gelte es nun unverzüglich wieder die wahre Feier des siebenten Tages einzusetzen. Dies sei Voraussetzung des Wartens und der Vorbereitung (Advent) auf die Wiederkunft des Herrn. Die Neuapostolische Kirche ihrerseits erkannte im Verlust des Apostelamtes in der reformierten Tradition einen Hinderungsgrund für die bevorstehende Endzeit und gab ihrer Tradition die Aposteltradition wieder, in welcher der "Stammapostel" in direkter Nachfolge über unanfechtbare Autorität verfügt. Von den Siebenten Tags Adventisten sonderten sich die Branch Davidians ab, die David Koresh - nach Selbsteinschätzung ein reinkarnierter Jesus Christus - leitete.

Versatzstücke der Erweckungsbewegung, die sich mit rechtsradikalem Gedankengut vermischt haben, sind besonders im mittleren Westen der USA, dem so genannten Bible Belt, virulent. Weil als eines der biblischen Endzeit-Zeichen die Errichtung einer weltweiten Regierung gilt, die dem Anti-Christen als Werkzeug dienen soll, wird in diesen Kreisen besonders der US-Regierung starkes Misstrauen entgegengebracht. Die Erstürmung der Davidianer-Zentrale in Waco, bei der das FBI 1993 zahlreiche Menschen tötete, gilt vielen christlichen Apokalyptikern als sicheres Zeichen dafür, dass die Regierung nicht zögere, Christen zu beseitigen, die an die Endzeit-Phrophezeiungen der Bibel glauben. In einem Text mit dem Titel: "Y2k:It Simply Won't Go Away" verbreitet der Prediger David Kralik eben diese These übers Internet. Andere Gruppierungen interpretieren das Jahr-2000-Computerproblem als Zeichen für die kommende Heimsuchung oder wahlweise als Verschwörung der US-Regierung, die damit einen Putsch vertuschen will. Bible Prophecy hält eine ausführliche Nachrichtenabteilung bereit, in der die weltlichen Schlagzeilen gedeutet werden, gleich ob es sich um Aids, die Beziehungen zu China, das globale Abhörnetz oder den Absturz der Egypt Air Maschine handelt. Die "Anti Defamation League" (ADL) hat sich in einer Studie mit den Endzeit-Vorbereitungen religiös motivierter Milizen und ähnlichen Gruppierungen befasst.

Auch in den zwanziger Jahren unseres Jahrhunderts tummelten sich in Deutschland und Österreich viele Endzeitpropheten wie Louis Haeusser, Friedrich "Muck" Lamberty und andere. Es herrschte eine oft euphorische Aufbruchstimmung; nationalistische Kreise träumten von einer "völkischen Wiedergeburt", die sie vom "Fluch der Demokratie" befreien sollte. NS-nahe Okkultisten glaubten in der Machtübernahme der Nazis 1933 den Beginn des Wassermannzeitalters erkennen zu können. Andere verkündeten 1933 den Beginn des tausendjährigen oder dritten Reichs, beides Begriffe aus der christlichen apokalyptischen Tradition.

Neben den traditionell christlich geprägten Endzeitvorstellungen sind die modernen Untergangspropheten durch eine Vielzahl mythologischer Versatzstücke des New Age geprägt: Naturreligionen mischen sich mit Astrologie, östlichen Philosophien und sogar Science-Fiction-Elementen oder ökologischen Endzeit-Fantasien. Von einigen Propheten wird das Ende der Welt mit einer besonderen Planeten-Konstellation am 5.5.2000 in Verbindung gebracht, andere bringen den Weltuntergang eher mit dem Ende des Maya-Kalenders 2012 in Verbindung. Fragen und Antworten zu den so genannten "Earth Changes" können beispielsweise bei The Millennium Matters... nachgelesen werden.

Von Ausnahmen abgesehen - wie etwa dem österreichischen Geologieprofessor Alexander Tollmann, der das Weltenende zur Sonnenfinsternis im August vorhersagte - sieht die esoterisch geprägte Szene nach Auffassung des Esoterik-Experten Matthias Pöhlmann von der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen dem neuen Jahrtausend gelassen entgegen. Der christlich abendländischen Zeitrechnung wird wenig Bedeutung beigemessen, stattdessen bereitet sich die Szene auf das kommende "Zeitalter des Wassermann" vor. Unser Sonnensystem kreist demnach einmal in etwa 20**000 Jahren um das Zentrum des Universums. Diese Kreisbahn wird in Abschnitte für die zwölf Tierkreiszeichen unterteilt. Je nach Berechnungsgrundlage hat dann das Wassermann-Zeitalter schon begonnen, oder wird für etwa 2025 erwartet. Die Menschheit wird dann auf eine höhere Bewusstseinsstufe gehoben, muss allerdings auch in dieser Variante der Geschichte vorher eine Art "irdisches Jammertal" mit Naturkatastrophen und politischen Wirren durchschreiten.

UFOs und Außerirdische

Außerirdischen Intelligenzen wird in diversen UFO-Szenarien eine dunkle Rolle im Hintergrund zugedacht, die früher eher für Götter oder Dämonen reserviert worden ist: "Aus esoterischer Sicht", schreibt Eberhard Foerster auf seiner Home-Page, "sind wir nicht allein im Universum[...]" Lyssa Royal hat in ihren Channelings die galaktische Familie sehr ausführlich beschrieben. Die galaktische Familie wurde demnach durch die Lyraner begründet, eine Zivilisation im Sternbild Leier. Die außerirdischen Zivilisationen der Veganer, Sirianer, Plejadier, die Zivilisation aus dem Orion-System und andere sollen dazugehören. Besonders die Plejadier sollen sich uns sehr verbunden fühlen. Der Schweizer Billy Meier behauptet, die Plejadier persönlich kennen gelernt zu haben, und hat das in seinem Buch ausführlich beschrieben. Dessen Wahrheitsgehalt ist aber sehr umstritten.

Eine besondere Rolle spielt nach diesen esoterischen Texten die Zivilisation von Zeta Reticuli, die auch als die Grauen (Greys) bezeichnet werden. Obwohl sie sich von uns mit ihrer Kleinwüchsigkeit, ihren großen Köpfen und großen schwarzen Augen erheblich unterscheiden, sollen sie doch humanoide Wurzeln haben. Sie haben sich demnach durch gezielte Genmanipulationen über lange Zeiträume zu dieser Form entwickelt und sind dabei offenbar auf große Probleme gestoßen, denn sie haben ihre Gefühle abgeschafft und ihre natürliche Fortpflanzungsfähigkeit eingebüßt. Jetzt versuchen sie, durch Einkreuzen menschlichen Erbmaterials beides wieder zu erlangen und unser Gefühlsleben zu verstehen. Dazu haben sie in großem Umfang Menschen entführt und für ihre Experimente verwendet.

Der amerikanische Psychiater und Harvard-Professor John E. Mack hat darüber ein sehr lesenswertes Buch veröffentlicht. Mit dieser außerirdischen Zivilisation soll die US-Regierung geheime Kontakte unterhalten. Im Internet kursieren eine Menge ziemlich hysterischer Texte, in denen die Greys als feindlich und böse dargestellt und für vieles Schlechte auf der Erde verantwortlich gemacht werden. Auch Außerirdische vom Sirius und Orion werden als Drahtzieher hinter üblen Machenschaften auf der Erde dargestellt. Fast alle mysteriösen Geheimprojekte der USA, die in die Öffentlichkeit durchgesickert sind, werden in dem einen oder anderen Text in Verbindung mit den Außerirdischen sowie in Verbindung mit abscheulichen Verbrechen gebracht. Es wird unterstellt, dass feindliche Außerirdische längst die geheime Kontrolle über die Menschheit erlangt hätten. Es wird sogar behauptet, dass einzelne außerirdische Mächte die Menschheit vernichten wollten. Genährt werden diese hysterischen und unglaubhaften Thesen durch die Politik der Geheimhaltung der Regierungen über UFO's und Außerirdische, allen voran der USA, sowie durch die vielen dokumentierten Fälle von Entführungen von Menschen durch Außerirdische. Durch Channeling erhaltene esoterische Texte teilen uns jedoch mit, dass die Außerirdischen nicht schlechter sind, als wir selbst." Während also die Esoteriker die Aliens für gut halten, wird beispielsweise auf der Website von Angelic Conspiracy nachgewiesen, dass der Mars (buchstäblich) vom Teufel besetzt ist.

Dass die Menscheit oder ein auserwählter Teil davon in kurz bevorstehenden apokalyptischen Ereignissen von Ufos gerettet würde, ist dagegen eine Erwartung, die in verschiedenen Gemeinschaften anzutreffen ist: im Orden Fiat Lux, im Universellen Leben, in der St. Michaelsvereinigung, aber vor allem in den zahllosen Gruppen der so genannten Ashtar Command-Bewegung und www.uni-mainz.de/~gruensch/.

Und die Freimaurer

Eine andere Spielart des UFO-Glaubens vermischt Elemente alter antisemitischer Verschwörungstheorien mit Rassenlehre. Sie wird unter anderem von dem Schweizer Autor Jan Udo Holey , der unter dem Pseudonym Jan van Helsing auftritt, verbreitet. Das Pseudonym van Helsing - das ist der Vampirjäger aus Bram Stokers Drakula - hat Holey gewählt, weil er sich selbst im Kampf gegen "Blutsauger" wähnt: "Diese Personen nennt man im Allgemeinen "Vampire", Blutsauger, sie leben auf Kosten anderer, geben nicht, sondern nehmen nur - eben Volksvampire! [...] Diese Machtstrukturen sind nicht unbedingt daran interessiert, dass sich das Leben auf diesem Planeten in freien Bahnen bewegt, d.h. dass Wissen frei verfügbar oder Technologie erhältlich ist, welche dem Menschen zu mehr Freiheit und Weiterentwicklung verhilft - z.B. Maschinen, die Energie, wie Tachyonen oder elektromagnetische Kräfte in nutzbare Elektrizität umwandeln oder Flugschiffe, die den Einzelnen unabhängig von Fluggesellschaften oder Raumfahrtprogrammen zu anderen Planeten bringen können, um diesem damit selbst die Möglichkeit zu geben, herauszufinden, was sich auf anderen Planeten abspielt".

Laut Holey hat eine gewisse "Vril-Gesellschaft" während des dritten Reiches die Flugobjekte entwickelt, die überall gemeinhin für UFOs gehalten werden. Bei dieser Vril-Gesellschaft, die sich rechtzeitig vor dem Zusammenbruch des Dritten Reiches in die Antarktis abgesetzt hat, handelt es sich um "Reichsdeutsche", die selbstverständlich nichts mit den Verbrechern Hitlers zu tun hatten - während die Nazis von jüdisch-freimaurerischen Verschwörern unterwandert wurden. In einigen Spielarten wird sogar Hitler selbst als Opfer einer solchen Verschwörung dargestellt - er soll aber ebenfalls von der Vril-Gesellschaft gerettet worden sein. Der Vril-Stützpunkt in der Antarktis ist laut Holey aufgeblüht und hat sogar Kontakt zu außerirdischen Zivilisationen aufgenommen.

Sein zweibändiges Werk "Geheimgesellschaften und ihre Macht im 20. Jahrhundert" wurde im April 1996 in Deutschland wegen Volksverhetzung verboten. Seitdem ist der braune Ufo-Spuk über die "Freunde der freien Meinungsäußerung" im Internet gespiegelt - von denen auch andere einschlägige "Werke" wie Hitlers "Mein Kampf" verbreitet werden. Bei ostara.org, der "Internet Seite für Patrioten und Nationalbewusste", heißt es beispielsweise zur Einführung: "Das Lesen der nachfolgenden Fakten und Informationen gefährdet nachhaltig nicht nur Ihre Gesundheit, sondern könnte im Extremfall auch zu einem schnellen Tod führen. Hier werden größtenteils politisch NICHT korrekte Informationen angeboten, welche von den Zion-gekauften Freimaurermedien bewusst verschwiegen werden."

Auch das "Buch Wal" des Holey-Jüngers Norbert Marzahn ist im Internet veröffentlicht; zur Sicherheit informiert er die Öffentlichkeit aber auch über de.alt.ufo über die bevorstehende Wiederkunft des Führers: "Nun ja, ich werde nie einen Zeitpunkt als DEN sicheren Zeitpunkt erklären. Aber der 24.12. ist in der engen Wahl. Er wäre der letzte Tag des 7.Monats 1999 laut Nostradamus, wenn er nach der mittelalterlichen Pfingstrechnung das Jahr von Pfingsten zu Pfingsten rechnet. Und für Zyniker wäre es vielleicht auch deshalb verlockend, weil Advent ja Ankunft heißt. Das könnten Satanisten "lustig" finden, wenn dann SIE kommen."

Offenbarung und Weltende

Wie bei allen Geheimwissenschaften und hermetischen Lehren ist auch die Suche nach der Untergangsprophezeiung im Internet eine Frage der richtigen Schlüsselwörter. Während unter "Weltuntergang" recht wenig zu finden ist, fördert "Weltende" schon bedeutend mehr Treffer zu Tage. Für klassisch christliche Endzeitvorstellungen empfiehlt sich jedoch das Suchwort "Offenbarung". Unter Offenbarung.de wird man beispielsweise darüber aufgeklärt, dass 99 gar nicht das neue Jahrtausend anbricht, dass der Papst Jesus verraten hat und die Evolutionstheorie widerlegt ist. Ein Weltuntergang findet (jedenfalls zunächst) nicht statt.

Der Endzeit-Report steigt tief in die Symbolwelt biblischer Prophezeiungen ein: "Offensichtlich bilden die USA zusammen mit den Vereinten Nationen, die beide im Nachtgesicht Daniels durch das vierte Tier mit den zehn Hörnern und im Traum Nebukadnezars durch die Füße und Zehen des Standbildes verkörpert werden, die letzte weltpolitische Führungsmacht auf Erden; [...] ebenso sah auch der Apostel Johannes in der Apokalypse, wie das siebenköpfige Tier, das zunächst als "Tier aus dem Völkermeer" den Völkerbund verkörperte und später dann als "Tier aus dem Abgrund" die Vereinten Nationen symbolisiert, zusammen mit dem falschen Propheten in den Feuersee geworfen wird."

Rassenlehre, Stimmen aus dem Äther, der dritte Weltkrieg und Engel mit flammenden Schwertern: Die hier vorgestellten Szenarien lesen sich manchmal derartig durchgeknallt, dass man sich fragen muss, warum die betreffenden Autoren noch in der Lage sind, Computer zu bedienen. Wenn die hier vorgestellten Beispiele das Internet wie einen Tummelplatz von Paranoikern und religiösen Fanatikern erscheinen lassen, ist das eine verzerrte Perspektive. Gemessen an der Reichweite kommerzieller Sites führen selbst in den USA die Weltuntergangspropheten ein eher bescheidenes Dasein am Rand des Netzes. Eine Suche nach dem Stichwort "prophecy" bei Hitbox.com - einer nach Kategorien sortierten Liste von Web-Statistiken - ergibt an erster Stelle einen Verweis auf ein Clipart-Archiv, dann folgt Armageddon Books, mit im Schnitt 460 verschiedene Besucher pro Tag der laut Eigenwerbung weltweit größte Buchladen für "Bible und Prophecy Products". Erst danach kommen "ernsthafte" Weltuntergangsverkünder, und selbst von dieser relativ mageren Ausbeute müssen die zahlreichen Websites abgezogen werden, die das Thema Weltuntergang als beliebigen Pop-Kult behandeln.

Gänzlich ausschließen lässt sich das Irrationale aus der rationalen High Tech-Welt allerdings nicht. Durch den Erfolg der Informationsgesellschaft entsteht, so Michael Utsch, eine paradoxe Situation: "Im Zeitalter des Internet, in dem täglich rund 20.000 neue Fachpublikationen in Wissenschaft und Technik veröffentlicht werden, kann sich der Einzelne schnell überfordert und heimatlos vorkommen. Durch die weltweite Globalisierung treffen die unterschiedlichsten Kulturen, Lebenserfahrungen und Sinndeutungen aufeinander. Was manchem einen weiten Horizont aufschließt, führt andere in die Enge und ängstigt".

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