Das dritte Abenteuer des Bastard Assistant from Hell

Ernst Corinth 11.01.2000

Florian Schiels "Carpe Diem Academicum"

Rache ist süß. Und wenn sie dann auch noch so witzig beschrieben wird, wie in Florian Schiels "Carpe Diem Academicum" dann hat auch der - zum Glück - unbeteiligte Leser etwas davon. Zumindest kann er herzhaft lachen! Und klammheimlich vielleicht von der Hightech-Virtuosität des Helden in Schiels Buch träumen. Denn wie dieser "Herr Leisch", seines Zeichens Assistent und Systemadministrator eines Münchner Uni-Instituts, mit der vernetzten Computertechnologie umgeht, wie er scheinbar mühelos bei seinen Rachefeldzügen in den PC seiner Opfer eindringt, um dort ein böses Chaos anzurichten oder um nur mal kurz die Homepage gemein zu verändern, ist genauso amüsant wie sein ewiger Kampf gegen die Reisekostenabrechnungsstelle seiner Uni.

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Aber dieser Leisch ist ja eh nicht von diesem Stern, sondern der leibhaftige Bastard Assistant from Hell, der nun bereits zum dritten Mal in einem Buch als gefallener Engel unsere Erde satirisch heimsucht, um sie von nervigen Zeitgenossen zu befreien. Und genervt ist Leisch' mentaler Grundzustand. Fast jeder geht ihm auf den Keks: Seine merkwürdigen Kollegen, die Frauenbeauftragten dieser Welt sowieso, auch der Zahnarzt um die Ecke und erst recht die dusseligen Studenten, die es wagen, ausgerechnet bei ihm eine Prüfung abzulegen.

Und wie sadistisch Leisch dabei vorgeht, beweist zumindest eins: Sein Erfinder Florian Schiel verfügt über sehr viel schwarzen Humor. Was für einen Hochschuldozenten ja schon recht ungewöhnlich ist und wohl erst recht für jemanden, der in seinem realen Leben als echter wissenschaftlicher Mitarbeiter des Münchner Uni-Instituts für Phonetik und Sprachliche Kommunikation seine Brötchen verdient und dort über Themen arbeitet wie "Automatic Phonetic Transcription of Non-Prompted Speech".

Seine satirischen Kurzgeschichten veröffentlichte Schiel übrigens zuerst in einer Newsgroup (de.alt.geschichten) und startete danach eine Mailingliste, auf der sich inzwischen gut 3000 Leser als Abonnenten der Texte eingetragen haben. 1997 wurden sie dann zum ersten Mal in einem Buch ("Bastard Assistant from Hell") veröffentlicht. Und im Sommer 1999 geschah ein kleines Netzwunder. Wie aus heiterem Himmel tauchte der erste und der mittlerweile neu erschienene zweite Teil ("The Bastard Assistant Goes Overseas") der Reihe auf den ersten beiden Rängen der Verkaufs-Bestenliste des Online-Buchhändlers Amazon.de auf. Ohne dass Schiels Verlag dafür überhaupt Werbung gemacht hatte und wohl allein dank der "Mundpropaganda" im Internet.

Florian Schiels "Carpe Diem Academicum" ist erschienen im Schwarten-Verlag und kostet als Paperback 26,50 DM und als Hardcover-Ausgabe 29,50 DM.

http://www.heise.de/tp/artikel/5/5670/1.html
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Christiane Schulzki-Haddouti 12.07.1999

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