(Update) WWWiderstand und Gegenaktionen

Armin Medosch 08.02.2000

Vorboten des Infowar in Österreich?

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Wie Telepolis gestern berichtete, wurde die Site "Get To Attack" Freitag und Samstag zum Opfer eines Mailbombenangriffs und will dagegen rechtliche Schritte ergreifen. Doch auch andere Betreiber von Anti-FPÖ-Sites und Einzelpersonen erhielten unerwünschte Massenemails. Woher diese Emails kommen und wer warum zum Ziel wird, ist noch nicht klar. Einer der Websites, die Informationen rund um die Proteste gegen die FPÖ-Regierungsbeteiligung anbot, wurde der Email-Account bei GMX.AT gesperrt. Beinahe sieht es schon nach einem Infowar niedriger Intensität in Österreich aus.

Gegenschwarzblau versteht sich als Web-Dokumentations- und -Informationszentrum über den Widerstand gegen die FPÖ-Regierungsbeteiligung. Die Betreiber verwehren sich aber dagegen, selbst als Organisatoren von Demonstrationen dargestellt zu werden. Die Site sei spontan zur Dokumentation der Besetzung der ÖVP-Zentrale entstanden und wird nun weiterhin aktualisiert, sagte einer der Betreiber zu Telepolis.

Seit Montag funktionierte der webbasierte Email-Account der Betreiber (gegenschwarzblau@gmx.at) plötzlich nicht mehr. Der Systemadministrator, hieß es, habe den Zugang gesperrt. Doch trotz vieler Anfragen per Telefon und Email habe der Provider GMX noch keine Stellungnahme abgegeben. Inzwischen wurde auf eine neue Email-Adresse umgestellt.: gegenschwarzblau@hotmail.com

Über die Verursacher der Spam-Angriffe und ihre genaue Vorgehensweise ist noch nichts bekannt. Ein Bericht im Web-Teil der österreichischen Tageszeitung Der Standard, der die Vermutung nahelegen hätte können, dass alle, die selbst Emails an Gegenschwarzblau geschickt hatten, nun ihrerseits Opfer von identischen Spam-Angriffen werden, hat sich nicht bestätigt. Offenbar hat aber jemand eine Adresse namens Gegenblauschwarz bei GMX registriert und unter diesem Absender Spam verschickt. Durch die Namensähnlichkeit wurde also die oben erwähnte Vermutung suggeriert.

Tatsache aber ist, dass sowohl Get to Attack als auch die Betreiber der Gegenschwarzblau-Website ebenso wie zahlreiche Privatpersonen Emails identischen Charakters erhielten. Die bisher betroffenen Einzelpersonen sind aber meist Versender von Emails, die sich auf Message-Boards oder Mailinglisten verewigt hatten. Die Absender-IP-Adressen führen meist zu gehackten oder falschen Accounts. Eine konzertierte Aktion auf hohem technischem Niveau zum Abfangen von Email-Adressen und ihrer Wiederverwertung als Spam-Ziel scheint es nicht zu geben, wohl aber Leute, die Meinungsdruck ausüben und einschüchtern wollen. Das drohende Ende der kurzen Nachricht lautet:

>Hier ist die virtuelle Gegendemo
> Und aufpassen, sonst kommt noch mehr :-)

WWWiderstand

Titelseite von Ubermorgen.at, die zum WWWiderstand mit web-künstlerischen Mitteln aufrufen.

Die Betroffenen wollen sich aber auf keinen Infowar einlassen, sondern mit legalen Mitteln antworten (siehe dazu auch Get To Attack-Bericht). Unbeeinflusst von den Disruption-of-Service-Attacken beginnt der Protest gegen die ÖVP/FPÖ-Regierungskoalition im Web langsam Form anzunehmen:

So bietet die Site Get To Attack nun einen Protest-Brief in Webversion und als Formular zum Ausdrucken für eine Unterschriftenaktion gegen die FPÖ-Regierungsbeteiligung an.

http://o5.or.at versteht sich als Übersicht des österreichischen Widerstandes gegen die FPÖ-Regierungsbeteilugung. Der symbolträchtige Name "O5" (der Buchstabe O und nicht Null) war das Zeichen der österreichischen Widerstandsbewegung während der letzten Nazi-Jahre. Die vorerst nur als IP-Adresse auffindbaren Seiten (62.116.33.54/) sollen bald das Fehlen von Metasites, die alle anderen Sites verlinken, wettmachen.

SOS Mitmensch konzentriert ihre Webpräsenz auf die größte bisher in Vorbereitung befindliche Demonstration für den 19.Februar.

Übermorgen.org setzt auf künstlerischen Ausdruck und läd alle dazu ein, oppositionelle Webkunst einzuschicken, die dort veröffentlicht werden soll. Die Startpage als Teaser ist jedenfalls nicht schlecht, auch wenn einige der Links dahinter (noch) nicht zu funktionieren scheinen.

Oben erwähnt wurde Gegenschwarzblau. Neben vielen Fotos und Links hält die Site unter anderem einen österreichweiten Terminkalender aktuell. Eine spezielle Oberösterreich-Sektion ist im Entstehen.

http://www.heise.de/tp/artikel/5/5763/1.html
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