Big Brother ist zum größten Interneterfolg Deutschlands geworden
Verbot noch nicht endgültig vom Tisch
Egal was aus Big Brother wird, eines ist jetzt schon sicher: Die umstrittene und von einem Verbot bedrohte RTL2-TV-Schau ist das bisher größte deutsche Internet-Spektakel. So zählten in den ersten Tagen die Produzenten dieser Käfigschau in 24 Stunden 5 Millionen sogenannte Pageviews, was umgerechnet etwa eine halbe Million Besucher am Tag bedeutet, inzwischen ist die Quote zwar auf 3,5 Millionen Zugriffe pro Tag gesunken, aber auch das reicht noch für den Titel "best besuchte Website Europas''.
Außerdem schauen sich nach Angaben der zuständigen Münchener AME-Agentur im Durchschnitt gleichzeitig 3000-5000 Leute die Live-Übertragung im Internet an und die meisten, auch das wurde jetzt gemeldet, während ihrer Bürozeit. Der deutsche Angestellte liebt als "Big Brother", vermutlich weil es bei ihm Zuhause noch langweiliger zugeht. Gleichwohl lehnt er bei Umfragen empört eine solche "Reality-Show" im "Spanner-TV" ab. Um sich allerdings hinterher schnell wieder klammheimlich ins Netz zu klicken. Und was dort zu sehen ist, ist mit den kurzen harmlos-langweiligen Ausschnitten auf RTL2 kaum zu vergleichen. Vor allem wenn man sich über die im Internet kursierende Adresse einklickt, auf der Live-Aufnahmen beispielsweise aus der "Master Regie"-Perspektive (siehe: hhr.tip.nu) versprochen werden.
Dann geht's ab - wie in der Nacht zum Sonntag - ins Schlafzimmer der Damen, die bis zum frühen Morgen von drei der Herren regelrecht belagert und zugequatscht worden sind. Und die Kamera streicht dabei über die Gesichter der Kandidaten, hält jede ihrer Regungen fest, zeigt ihre Geilheit, ihr Abgenervtsein und ihre Einsamkeit - und hofft, dass es irgendwann mal passiert.
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Vielleicht im Hühnerstall? Aber das wollen nun bekanntlich die Landesmedienanstalten verhindern. Nein, nicht aus Gründen des Tierschutzes, sondern ausgerechnet im Namen der Menschenwürde, obwohl die schon jetzt täglich durch zahllose TV-Sendungen arg strapaziert wird. Aber nicht nur in den Talkshows, wo Menschen ungeschminkt ihre Dummheiten, Gebrechen und Perversitäten vorführen dürfen und sollen. Sondern in Sendungen, wo es um Gewalt geht, wo Bilder von zerschundenen Kriegsopfern oder verhungernden Kindern in Großaufnahme gezeigt werden. Oder wo die spektakulärsten Unfälle im Straßenverkehr sensationsheischend aufbereitet werden.
Schlimm!? Aber noch viel schlimmer finden es eben die neuen und alten Moralapostel (von Otto Schily über Roland Koch bis zur katholischen Kirche:, wenn junge Leute unter der Dusche oder - um Himmels willen - beim Sex gefilmt werden. Wenn sich diese Haltung auch juristisch durchsetzen sollte, dann könnten auch bei uns bald US-amerikanische-Verhältnisse (abschreckendes Beispiel: Gefährliche Doktorspiele) drohen, wo Brustwarzen tabu und Waffen legal, Nacktbaden verboten und Hinrichtungen erlaubt sind, wo also Gewalt zum sozial-medialen Leben politisch-korrekt einfach dazugehört, während der Sex selbst in seinen harmlosesten Spielarten von Amts wegen unterdrückt wird.
Aber noch denken die Landesmedienanstalten ja über ein Verbot nach. Ein Beschluss soll frühestens am 14. März gefällt werden. Und offenbar sind die Verantwortlichen erst einmal mit dem RTL2-Angebot zufrieden, den "Big Brother"-Kandidaten im Namen der Menschenwürde einen Raum zur Verfügung stellen, wo sie sich pro Tag eine Stunde unbeobachtet aufhalten können. Das hat was. Und ist äußerst konsequent. Schließlich gibt's auch genaue Richtlinien, wieviele Quadratmeter ein deutscher Hund in seinem Zwinger unbedingt benötigt. Aber RTL2 scheint nicht klein beigeben zu wollen, sondern macht die vorgesehene Entschärfung von einem Verzicht auf Sanktionen seitens der Landesmedienanstalten abhängig.
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