Big-Brother-Kandidaten verärgert
Auf Druck der Landesmedienanstalten werden eine Stunde pro Tag die Kameras in den Schlafzimmern ausgestellt
Der Kampf für Menschenrecht und -würde ist gar nicht so leicht. Und manchmal geht ein gutgemeinter Schuss oder Beschluss sogar nach hinten los. Vor allem wenn die zu beschützenden Betroffenen nicht gefragt werden.
Diesen Eindruck vermittelte zumindest die "Big Brother"-Sendung vom vergangenen Freitag. Gezeigt wurden die Reaktionen der Kandidaten, auf den durch öffentlichen Druck entstandenen Beschluss des zuständigen Senders RTL2 eine Stunde lang pro Tag in den beiden Schlafzimmern die Kameras abzustellen (Big Brother darf weiter gesendet werden). Zuvor wurden die verbliebenen neun "Big Brother"-Insassen rund um die Uhr in ihrem nach außen hermetisch abgeschlossenen Container-Haus abgefilmt.Anders als die Landesmedienanstalten, die Anfang der Woche diese Entscheidung wohlwollend zur Kenntnis genommen hatten, gab's von den Betroffenen dafür heftig Schelte. Und bald ging's dabei zu wie an deutschen Stammtischen. Schuld hatten zwar nicht "die da oben", sondern "die da draußen". Die Kritiker der Sendung und besonders "die blöden Politiker", die sich lieber um "ihren eigenen Scheiß kümmern" sollten, die gar nicht wissen, "ob sie uns damit schaden" und die sich lieber in einer Live-Schaltung zuvor mit den Hausbewohnern hätten auseinandersetzen sollen.
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Befürchtet wird nämlich von den "Big Brother"-Kandidaten, dass vor allem ihre Angehörigen und Partner jetzt mit Misstrauen verfolgen werden, wer sich mit wem in der einstündigen Kamerapause in die Schlafzimmer zurückzieht. Da könne dann die Phantasie "ganz schön rumspinnen". Und später sei noch zusätzlicher Beziehungsstress zu erwarten.
RTL 2 wird dagegen mit den neuen Ängste und Sorgen ihrer Kandidaten ganz gut leben können. So vermuteten die Bewohner nach der Bekanntgabe der neuen Regelung anfangs spontan, dass sie vom Sender eigens für die beiden Turteltauben im Haus, Alex und Kerstin, eingeführt worden sei. Damit die endlich das tun, worauf die Spanner vor den Bildschirmen schon lange setzen. Und wenn es nun - erleichtert durch das Engagement der Sittenwächter aus Politik und Kirche - tatsächlich zum Sex im Haus kommen sollte, könnte dies auch die seit Tagen demonstrierte Eintracht unter den Bewohnern zumindest ein wenig ins Wackeln bringen.
Das würde die Sendung sofort wieder interessanter machen, obwohl - trotz aller Unkenrufe - bisher die Einschaltquote ja stimmt. Täglich verfolgen etwa zwei Millionen aus der Zielgruppe der 14- bis 49-jährigen das recht öde Treiben im Haus, ein Marktanteil von knapp 15 Prozent. Und wer die TV-Aufzeichnung sowieso zu langweilig findet, der hat längst eine echte Alternative. Die entscheidenden Fakten gibt es nämlich mittlerweile zum Download auf verschiedenen "Big Brother"-Fan-Seiten oder in den diversen Newsgroups: Beispielsweise eine Bilderserie, die die blonde Jana beim Duschen zeigt.
http://www.heise.de/tp/artikel/5/5919/1.html- alles lüge (21.3.2000 11:41)
- Gereizter? (21.3.2000 11:38)
- Achso, ich Dummerle :) (20.3.2000 23:04)
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