Mörder im Stau und Big-Brother-Zlatko im Idiotenheim

Ernst Corinth 23.03.2000

Ein deutscher Professor erklärt uns die Welt.

Sein Name: Hinderk Emrich. Seine Profession: Leiter der Klinischen Psychiatrie an der Medizinischen Hochschule Hannover. Sein Sprachrohr: die Nachrichtenagentur dpa. Und seine Themen, die liegen greifbar auf der Straße.

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So hat sich Hinderk Emrich im kalten Sommer 1998 mit dem schlechten Wetter und seinen Folgen für die Seele auseinandergesetzt. Als Gegenmittel bei drohenden Nieselwetterdepressionen empfiehlt der Psychiatrie-Professor der Nachrichtenagentur dpa einen "künstlichen" Ersatz sommerlicher Farbenpracht, etwa Gemälde anzusehen und dem Gehirn mittels Lieblingsmusik "Farberlebnisse" zu verschaffen.

Genau ein Jahr später knöpfte sich Hinderk Emrich dann die Stauproblematik vor und konstatierte sofort eine "doppelbödige seelische Bewegung": "Die eine Seite sagt: ,Ich will nicht in den Stau.' Für die andere Seite, die sich wahrscheinlich unterbewusst durchsetzt, ist der Stau mit einem gewissen Lustgewinn verbunden." Und schnell entstünde im Stau "eine Art Happening-Charakter, eine Stimmung wie beim Camping im Freien, Pfadfindertreffen oder in der Jugendherberge."

Aber auch mit Sexualverbrechern und Mördern, die ihre Opfer zerstückeln, kennt sich Emrich von Berufs wegen bestens aus. Diese Menschen, erzählte er natürlich dpa, könnten keine Nähe zu Menschen ertragen. "Bei diesen Tätern ist meist in ihrer psychosozialen Entwicklung in frühester Kindheit etwas zutiefst schiefgegangen. Sie hatten häufig ein 'broken home' (...) Die Folgen sind dann tiefe Einsamkeit und Beziehungsgestörtheit."

Ähnliches könnte nun Leuten zustoßen, die regelmäßig "Big Brother" gucken. Dauerkonsumenten der RTL 2-Sendung droht nämlich, verriet Emrich kürzlich mal wieder der Nachrichtenagentur dpa, Änderungen ihrer Persönlichkeit. So könnten die Bewohner des "Big Brother"-Hauses für die Zuschauer einen gewissen Vorbildcharakter entwickeln: "Die zwei wesentlichen psychischen Funktionen sind der Neid und eine Verähnlichungstendenz. (...) Das heißt, ich will so sein wie der andere."

Und da ist was dran. Wie uns unlängst zugeflüstert wurde, sollen sich bundesweit bereits unbeschreibliche Szenen abspielen: Ganz normale deutsche Männer führen sich daheim auf wie Wildschweine. Sie kehren den Macker raus, sind stolz, noch nie ein Buch gelesen zu haben, klopfen dümmlichste und frauenfeindlichste Sprüche und schwärmen stattdessen nur noch von ihrer Mama.

Schuld an diesem neuen Männerelend hat - folgt man Emrichs Schnellanalyse - das Zlatko-Syndrom, benannt nach dem beliebten Prollodarsteller aus "Big Brother". Und inzwischen leidet darunter sogar ein gestandener Schreiber der Berliner BZ, der seinem Vorbild Zlatko kürzlich folgende Hymne widmete: "Du bist einfach unschlagbar! Pseudo-harter Söldner-Look, tätowierte Oberarme, cooler Bürstenhaarschnitt. Das alles kombiniert mit deinem unbeholfenen Deutsch-Gestammel macht dich zum neuen Kultstar im Big-Brother-Idiotenheim." - Ein Fall für Hinderk Emrich?

http://www.heise.de/tp/artikel/5/5937/1.html
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