Big Brother immer erfolgreicher

Ernst Corinth 24.03.2000

... auch wenn es kaum was zu sehen gibt

Sex sells - auch bei "Big Brother". Nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa erreichte am Donnerstag die Tageszusammenfassung der umstrittenen RTL 2-Sendung mit 3,20 Millionen Zuschauern (Marktanteil: 10,2 Prozent) einen vorläufigen Höhepunkt. Größeres Interesse fand bisher nur die Auftaktsendung am 1. März mit 3,33 Millionen. Angefacht wurde die Neugierde der Zuschauer durch die vom Sender am Abend zuvor bereits angekündigten Bettszenen zwischen den Wohncontainer-Bewohnern Kerstin und Alexander. Möglich ist dies, da die Abendzusammenfassung stets aus Aufnahmen besteht, die schon ein Tag zuvor gedreht worden sind.

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Doch was dann am Donnerstag zu sehen war, war eher dürftig. Zwar bewegte sich genau von einer Infrarotkamera verfolgt eine Bettdecke recht vielsagend, aber das war's denn auch schon wieder. Und hinterher bestritt Kerstin sogar gegenüber ihrer Mitbewohnerin Manuela, dass überhaupt etwas zwischen ihr und Alexander geschehen sein.

Das sieht ein Sprecher der Produktionsgesellschaft Endemol allerdings ganz anders. Gegenüber dpa verriet der professionelle Spanner: "Doch, die beiden haben sich geliebt. (...) Im Gespräch mit Manuela hat sie gelogen. Wir haben die Szene aus allen Kameraperspektiven mit beobachtet, und vor allem die Frauen am Set haben bestätigt: Das war echt."

Aber nicht nur die letzten Hüllen fallen mittlerweile, auch die Nerven der Insassen liegen zunehmend bloß. So erklärte Manuela, dass sie Angst habe, dass ihr Mitbewohner Zlatko sie im Streit schlagen könnte. Außerdem hat sich die Gruppe in zwei konkurrierende Lager gespalten. Und Andrea drohte an, dass sie, "wenn das so weitergeht", in ein bis zwei Tagen das Haus freiwillig verlassen würde. Nur in einem Punkt sind sich die "Big Brother"-Kandidaten einig: Die Möglichkeit sich pro Tag für eine Stunde ohne Kamerabeobachtung zurückziehen, wird von ihnen nicht genutzt. "Die Freistunde wird boykottiert", sagt dazu der Endemol-Produktionssprecher. "Denn die Bewohner fürchten, ihre Freunde und Freundinnen zu Hause könnten misstrauisch werden."

Boykottiert wird indes die Sendung auch von Firmen wie Nestle und Opel, die sich nach dpa-Angaben von vornherein aus dem Werbeumfeld von "Big Brother" herausgehalten haben. Gleichwohl rechnet RTL-2-Geschäftsführer Josef Andorfer im Verlauf der 100 Tage - bei Produktionskosten von etwa 35 Millionen Mark - mit rund 50 Millionen Mark Brutto-Werbeumsatz. Und wenn weiter unter der Decke heftig gerubbelt und am Küchentisch mächtig gestritten wird, sollte dies ja kein Problem sein.

http://www.heise.de/tp/artikel/5/5944/1.html
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