Projekt Telecop - Big Brother für jeden

Gerald Jörns 27.03.2000

Private Videoüberwachung per Fernsehkanal

Nachdem sich die Videoüberwachung des Straßenverkehrs und von Demonstrationen durchgesetzt hat, soll jetzt die private Videoüberwachung ausgebaut werden. Der Türspion wird durch eine Videokamera ersetzt und selbst die Überwachung des Spielplatzes kann per hausinternem Fernsehkanal ermöglicht werden. Inzwischen gibt es auch noch die Telecop-Erweiterung für den Innenbereich. Durch Installation eines Infrarotbewegungsmelders kann eine Alarmierung nebst Alarmverfolgung ausgelöst werden.

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Private Sicherheitsbedürfnisse sind in den letzten Jahren durch viele Techniken zufrieden gestellt worden. So kann man schnell und relativ kostengünstig eine Alarmanlage mit vielfältigem Zubehör selbst im Baumarkt um die Ecke besorgen. Klingelanlagen mit Videoüberwachung mitten in der Nacht sind für jedermann erschwinglich geworden.

Die hannoversche Kabelfernsehgesellschaft KMG bietet nun mit dem Projekt Telecop sogar eine Einspeisung in den Kabelanschluss des Hauses an. Durch das Angebot sollen sich vor allem Menschen in größeren anonymen Wohnblocks ohne Gegensprechanlagen und vor allem ältere Menschen sicherer fühlen. So kann man nach dem Klingeln der Hausglocke eben mal mit der Fernbedienung auf den Haustürkanal schalten und sieht sofort, wer vor der Tür steht. Eine Kommunikation und ein Türöffnen umfasst das Konzept nicht. Allerdings kann eine - wenn auch schwarzweiße - Überwachung per Fernsehkanal auch zu missbräuchlichen Dauerbeobachtungen führen. Hier stellt sich spätestens die Frage nach dem Datenschutz, also ob eine permanente Überwachung der Tür den einschlägigen Datenschutzbestimmungen entspricht. Daher sollte eine Überwachung auch nur ermöglicht werden, wenn bei der jeweiligen Wohnung geklingelt wurde.

Nun berichtete die Hannoversche Allgemeine Zeitung, dass selbst die Überwachung eines Spielplatzes im Einsatz sei. KMG verwies in einem Telefongespräch darauf, dass dieses nicht der Standardanschluss sei, denn solche Projekte müssten sehr genau mit dem Datenschutz konform gehen. Zwar sei auch die Überwachung von Parkplätzen denkbar, doch auch hier müssten die Richtlinien beachtet werden. Zumindest erscheint zur Zeit die Realisierung solcher Projekte nicht weiter angedacht, denn man betonte sehr deutlich, dass man nur die Haustürüberwachung favorisiere und zeigte sich doch sehr von dem Bericht überrascht. Der erwähnte Spielplatz soll von Häuserblöcken umgeben sein, so dass kaum eine Verletzung der Privatsphäre eintreten könne. So positiv durchaus eine Beobachtung der eigenen Kinder sein kann, die Privatsphäre von Anderen darf jedenfalls dadurch nicht verletzt werden.

http://www.heise.de/tp/artikel/5/5948/1.html
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