Big Brother: Zlatko ist raus

Ernst Corinth 10.04.2000

Das Wahlwunder von Köln-Hürth

Es grenzt schon an ein Wahlwunder, was vergangenen Sonntag über den TV-Schirm lief. Oder hat da womöglich jemand dem Wunder auf die Sprünge geholfen? Fakt ist jedenfalls, dass bis kurz vor Schließung der telefonischen 0190-"Wahlurnen" in wirklich jeder der zahlreichen Umfragen, sogar auf der "Big Brother"-Homepage, die überwiegende Mehrheit der Zuschauer eindeutig für das Verbleiben von Zlatko im "Big Brother"-Haus war.

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Gleichzeitig gab es für den arbeitslosen und nun auch noch wohncontainerlosen Automechaniker lustig gemeinte Unterstützungsaktionen verschiedener privater Radiostationen. Und besonders unter den jungen Zuschauern, die wohl auch zu den eifrigsten Anrufern gehören, ist Zlatko längst Kult.

Dann jedoch kam plötzlich die große Wende: Mit schier unglaublichen 16 Prozent Vorsprung soll sich die Mehrheit der anrufenden Zuschauer für das Verbleiben von Jürgen im Wohncontainer entschieden haben, behaupteten am Sonntag zumindest die RTL2-"Big Brother"-Veranstalter. Und danach brach vor dem Haus in Köln-Hürth fast das Chaos aus. 5000 Menschen hatten sich dort am Abend versammelt, um ihren Star Zlatko beim Auszug zu feiern. Der blieb dann erst einmal im Menschenauflauf stecken, der Empfang im Studio musste um 15 Minuten verschoben werden und der vom Sender geplante Mitternachts-Chat wurde wegen der chaotischen Verhältnisse vorm Studio gleich völlig abgesagt.

Nach dem Wahlwunder von Köln-Hürth wird im Internet nun heftig spekuliert und Fans des Verlierers rufen inzwischen sogar zum Boykott der Sendung auf. Und schon gibt's natürlich die ersten Verschwörungstheorien. Interessant ist beispielsweise die Behauptung eines anonymen Schreibers, der im Forum www.zlatko-thebrain.de andeutet, dass er ein Telekom-Mitarbeiter sei. Seinen Namen möchte er nicht nennen, "da ich ansonsten gegen Datenschutz- und Fernmeldegesetze verstoßen würde und daher Angst um meinen Job habe. Nur so viel: genau wie auf der Telekom-Rechnung Gesprächsdaten der abgehenden Gespräche erfasst bzw. ausgewiesen werden können, können auch eingehende Anrufe zumindest ihrer Quantität nach erfasst werden. Um die einzelnen Anrufer zu ermitteln, wäre eine spezielle Schaltung erforderlich gewesen, was in diesem Falle aber nichts zur Sache tut. Fest steht hingegen, das RTL 2 die Fernsehzuschauer und auch Zlatko betrogen hat, denn nicht Zlatkos Nummer wurde öfter gewählt, sondern Jürgens !!!"

Was übrigens durchaus im Sinne der Sendung und vor allem der Einschaltquote ist, da Zlatko ja zuvor erklärt hatte, dass er bei einem Auszug seines Freundes Jürgen ebenfalls den Container verlassen würde. So bleibt durch das gestrige Wahlwunder wenigstens einer der beiden beliebtesten Kandidaten im Spiel. Dennoch beweisen lässt sich das natürlich nicht. Aber einem richtigen Big Brother kann man schließlich alles zutrauen.

Und auch die enttäuschten Fans können sich trösten, denn ihr Zlatko "ist eine "Gelddruck-Maschine", behauptet in einem Interview mit der Berliner BZ Peter Wolf, Manager von Stars wie Harald Juhnke und Hera Lind. "Wenn er in einem Jahr nicht mindestens 5 Millionen Mark verdient, dann müssen seine Ratgeber mit dem Klammerbeutel gepudert werden."

http://www.heise.de/tp/artikel/5/5987/1.html
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Zlatkos Welt

Ernst Corinth 18.04.2000

Schluss mit lustig

Ist der Ruf erst mal ruiniert, lebt sich völlig ungeniert. - Nach diesem netten Motto verfährt auch RTL 2. Um seinen Ruf als Trash- und "Tittensender" (Stefan Raab) gerecht zu werden, zauberten die für den BigBrother-Erfolgshit verantwortlichen Produzenten am vergangenen Sonntag mit Dachdeckerin Sabrina Deutschlands wohl beste Blondinnen-Witz-Darstellerin aus dem Hut und packten sie in den Wohncontainer - Mission: Kandidat und Publikumsliebling Jürgen an die Ostereier - pardon - den Kopf zu verdrehen. Und in den zahlreichen BigBrother-Foren im Internet wurde Sabrina noch am gleichen Abend ein neuer Name verpasst: "Zlatko mit Titten". Schlimm, aber leider zutreffend!

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