Big Brother: Noch mehr Manu, noch mehr Spaß

Ernst Corinth 12.04.2000

Jagdszenen aus Deutschland

Das T-Shirt heißt "Peng Peng" , gibt's in allen Größen, kostet schlappe 28 Mark und aufgedruckt ist auf der Vorderseite das Wörtchen "Manu" samt drei angedeuteter Einschusslöcher. Ein mörderischer Spaß direkt aus dem Hause Sladdi, genauer gesagt von Aleks, dem Bruder des "Big Brother"-Stars Zlatko, der seit kurzer Zeit eine Fanpage unterhält "mit einem Ziel: Noch mehr Sladdi, noch mehr Spass." - und natürlich mit angeschlossenem Online-Shop: "...kauft Eure Klamotten auch bei SLADDI und nicht bei irgendwelchen Konzernen."

  • mobil
  • drucken
  • versenden

Über Geschmack sollte man also zuweilen doch mal streiten. Inzwischen hat sogar Aleks gemerkt, dass er wohl mit besagtem T-Shirt ein wenig übers Ziel hinausgeschossen ist. Zwar vertreibt er das Hemd weiter, aber das mit den Löchern, schreibt er, sei halt nicht ernst gemeint. Halt nur ein Spaß.

Doch den Angehörigen des über Nacht zum Medienstar aufgestiegenen Zlatko scheint genau dieser Spaß am Spektakel langsam zu vergehen. Seine Familie und seine Freundin werden nach Aleks Worten "Tag und Nacht von Journalisten gejagt und können nicht mehr richtig schlafen, weil selbst nachts jede Minute das Telefon klingelt. Wenn sie vor die Tür gehen, stehen dort ebenfalls Journalisten. Außerdem werden Freunde, Nachbarn und Arbeitskollegen ausgefragt. Als Krönung ruft man ständig am Arbeitsplatz an und erkundigt sich nach ihnen. Das bedeutet massiven Ärger bis hin zur Kündigungsdrohung."

Jagdszenen aus Deutschland - wie sie zuletzt vor einem ostdeutschen Maschendrahtzaun zu sehen waren. Aber von der alten Dame mit dem komischen Akzent und dem noch komischeren Spleen, die dabei von deutschen Journalisten an den Rand des Wahnsinns getrieben wurde, spricht heute keiner mehr. Ihre Rolle hat nun Zlatko übernommen, der inzwischen durch die Talk-Shows tingelt, selbst beim ach so soliden Alfred Biolek kommenden Dienstag vorbeischauen wird und demnächst sogar auf RTL 2 eine eigene Sendung bekommt: Nach Veronas nun halt "Zlatkos Welt".

Auch im "BigBrother"-Container zeichnet sich derweil ein Rollenwechsel ab: Schlagartig steigt nämlich die Popularität der vorher ach so verhassten Manu, die inzwischen auf dem dritten Platz der "BigBrother"-Popularitätsskala liegt. Aber nicht aus Mitleid, so ein Gefühl passt nicht in unsere Spaßkultur, sondern weil sie eben als "blonde Zicke" bestens alle Blondinen-Klischees erfüllt. Oder mit den schlichten Worten ihrer vermeintlichen Fans: "Manus Zeit als der neue Star des BB-Hauses ist gekommen - Wer anders als Teletubbi-Zurückwinkerin Manu sollte die durch Zlatkos Abgang freigewordene Stelle der ultimativen Kultfigur einnehmen? Überzeugt? Nein? Egal! Werdet Manu-Fan! Druckt Euch T-Shirts! Malt Plakate! Schreit Manus Namen über den Zaun und lasst einfach mal das 'raus' weg! Sammelt Manu-Begeisterungsausbrüche wie 'Oh wie toll - wie süss - Lala winkewinke' und brennt sie Euch auf CD!"

Die Journalisten, die also jetzt noch in Zlatkos Heimatgemeinde Nattheim auf der Pirsch sind, sollten vielleicht schon mal vorsichtshalber nach Bekannten und Freunden der jungen Dame fahnden. Denn: Noch mehr Manu, noch mehr Spaß! Peng! Peng!

http://www.heise.de/tp/artikel/5/5998/1.html
Kommentare lesen (23 Beiträge) mehr...
>
<

Darstellungsbreite ändern

Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.

Cover

Mensch+

Upgrade-Revolution für Homo sapiens
Das neue Telepolis-Special

Ein neuer Bundespräsident?

Wulff will aussitzen, aber die Geduld ist am Ende. Soll er endlich, aber schnell seinen Hut nehmen?

abstimmen

Humanitäre Intervention als propagandistischer Normalfall

Peter Mühlbauer 20.10.2009

Interview mit Christoph Kampmann zur Geschichte eines Phänomens

In den letzten zwanzig Jahren begannen militärische Auseinandersetzungen mehrfach als "Humanitäre Interventionen". Der Historiker Christoph Kampmann hat entdeckt, dass die für solche Eingriffe eingesetzten Argumentationen nicht erst in der Ära nach dem Kalten Krieg entstanden, sondern weitaus früher zum Einsatz kamen.

weiterlesen
FOTOBLOG

Der schöne Schein

Firewall mit Windows

bilder

seen.by


TELEPOLIS