Ausgrabungen der Zukunft in Los Angeles

13.02.1996

Über Mike DavisŽBuch "City of Quartz", erschienen im Verlag der Buchläden Schwarze Risse/Rote Straße, Berlin/Göttingen 1994, 519 Seiten

In "City of Quartz" beschreibt Mike Davis, wie der kalifornische Traum in sein Gegenteil umzukippen droht. Auf 500 Seiten, die sich beinahe so spannend wie ein Roman lesen, geht Davis in farbig ausgeführten Details den Ursachen des urbanen Verfalls auf den Grund.

Los Angeles ist Stadt der fünfspurigen Autobahnen, der endlosen Vorortsiedlungen, der Reichen und Schönen. Jeder glaubt, diese Stadt über ihre millionenfach reproduzierten medialen Images zu kennen - ist sie doch auch Heimat der "Traumfabrik" Hollywood. So haben wir, vor der Fernsehkiste sitzend, am Millionärsbarbecue in Beverly Hills teilgenommen, haben uns in Venice Beach über Muskeljungs und Rollschuhkünstler amüsiert und sind in den Straßenschluchten downtownŽs dem Malteser Falken nachgejagt. Los Angeles ist uns als DER Themenpark Amerikas geläufig, mit allen Sonnen- und Schattenseiten, als Weltmeister in Sachen Smog und Umweltverschmutzung, als Kapitale des Verbrechens, aber auch als Ausgangsort von Ökologie- und Umweltbewegungen und als Vorbild in Sachen Gesundheits- und Körperbewußtsein, als Trendsetter für neue Kulte und Kulturen.

Was steht hinter dem Mythos L.A.?

Doch was steht hinter diesem selbstreferentiellen Mythos, was ließ diese mitten in die Wüste hineingepflanzte Stadt werden, was sie heute ist, nämlich eine der wichtigsten Metropolen der Welt, wenn nicht bereits die geheime Hauptstadt des 21. Jahrhunderts?

"City of Quartz" versucht, Antworten auf diese Frage zu liefern. Als Professor für Stadtsoziologie, am Southern California Institute for Architecture lehrend, konzentriert sich Mike Davis auf jene Faktoren, die im Sinne der Stadtentwicklung strukturbildend wirken. Als fortschrittlicher Denker, studierter Ökonom, ehemaliger Gewerkschaftsaktivist und Einwohner von Los Angeles mit Herz, Leib und Seele sind das bei Davis eine Menge mehr Faktoren als Einwohnerstatistiken, Firmenansiedlungen und Stadtentwicklungspläne. Er webt ein Netz aus Beziehungsgefügen, in dem jugendliche Gangmitglieder aus Compton ebenso vertreten sind wie der gerissene Banker aus Downtown. Stadtsoziologie wird erlebbar als eine Vielzahl miteinander verwobener Mikrogeschichten, getragen von handfest gezeichneten Menschen und dem Makrokosmos an Ideen, der sie vorwärtstreibt. Genau das macht "City of Quartz" so lesbar und spannend, als wäre es kein theoretisches Werk, sondern beinahe ein Werk der Belletristik. So ist der folgende Text auch weniger Kritik oder Rezension, als der Versuch einer Nacherzählung in komprimierter Form.

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