Stadt am Netz

Die Ökonomie der Boomtown L.A.

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Die Medienmaschine zum Verkauf des postkartenblauen Traums bildete die L.A. Times, die in den booster-Jahren unter dem Regime von General Harrison Gray Otis stand. Er führte eine willige Sturmtruppe von Schreibsöldnern an, deren Hauptaufgabe unter anderem darin bestand, das Postkartenblau frei von Eintrübungen jeder Art zu halten, seien es rote Flecken, sprich linke oder gewerkschaftliche Einflüsse, oder ethnische Unterwanderung durch Schwarzamerikaner oder Latinos. Ethnische Minderheiten wurden von Anfang an möglichst mundtot gemacht und dadurch tendenziell unsichtbar. Das WASP-Paradies sollte rein weiß bleiben.

An den booster-Jahren lassen sich einige wesentliche Grundzüge zum Verständnis von L.A. festmachen. Schon bevor es die Traumfabrik Hollywood gab, war L.A. eine Stadt, die sich selbst, mit journalistischem und kapitalistischem Geschick betrieben, als ein Traumgebilde schuf.

Nicht die Arbeit von Menschen war das Kapital dieser Stadt, sondern es waren Menschen, die ihr Kapital arbeiten ließen.

Das Wachstum der Stadt erfolgte in keiner Phase als geplanter oder gesteuerter Prozeß im urbanistischen Sinn, sondern es ereignete sich als Boom, der nur dann vorübergehend stoppte, wenn er an ökologische oder soziale Grenzen stieß. Dieser Boom verhalf einigen Wenigen zu sagenhaftem Reichtum, was es erforderlich machte, rote Ansätze im Keim zu ersticken und unterdrückte Völker mit allen (polizeistaatlichen) Mitteln unten zu halten. In einer "Genealogie der Macht" zeigt Davis, wie diese Politik in den folgenden Jahrzehnten im Wesentlichen beibehalten wurde, auch wenn sich die Machtzentren dabei mehrmals verschoben, und zwar immer dann, wenn neue Technologien, neue Medien die Tektonik der Wirtschaftslandschaft erdbebenartig veränderten.

Auf die erzkonservativen Republikaner der Anfangsjahre folgten die jüdischen Millionäre und Hollywood-Unternehmer des Hillcrest Country Club. Diese wiederum wurden vom asiatischen Kapital als Motoren der Politik- und Stadtentwicklung abgelöst, ob in Gestalt der Shuwa Company Ltd. (Immobilien), Sony Inc. oder Matsushita International. Die Politik spielte dabei bestenfalls eine Moderatorenrolle zwischen Kapital, Projektentwicklern und Medien (=öffentliche Meinung), wie es der langjährige farbige Bürgermeister Bradley wohl am deutlichsten vorexerzierte, der Wahlkampfspenden aus allen Lagern annahm, solange er dabei das demokratische Gesicht wahren konnte. Garant der Sicherheit und Kontinuität der Macht war dabei immer ein mehr als nur latent rassistisches LAPD (Los Angeles Police Department), das als "dünne blaue Linie", so der legendäre Polizeichef Parker, den Reichtum vor der Armut verteidigte.

Ausgrabungen der Zukunft in Los Angeles

Die Anfänge des goldenen Traums

Die Ökonomie der Boomtown L.A.

LAPD: Los Angeles Police Department

Von "ham and eggs" zu "slow growth"

Festung L.A.

Kalifornische Alltagskultur

Kunst in Hollywood: Von Außenseitern und Gescheiterten

Der seltsame Tod des liberalen L.A.

Die Zukunft von L.A.

http://www.heise.de/tp/artikel/6/6012/1.html
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