Kunst in Hollywood: Von Außenseitern und Gescheiterten
Wahre Kunst und Kultur, so scheint es, haben es in diesem Umfeld schwer, zur Geltung zu kommen. Die Künstler haben die Wahl, sich in Hollywood anzudienen, verbunden mit der Gefahr, künstlerische Kontrolle über ihre Arbeit zu verlieren oder gar, wie es eine Zeitlang bei den Drehbuch-Schreibern der Fall war, nach der Stechuhr arbeiten zu müssen, oder sauber, aber arm zu bleiben und in der Vorstadtgarage Bohnensuppe zu löffeln. Europäische Exilanten wie Brecht, Adorno und viele andere kehrten Hollywood dann auch wieder den Rücken, sobald der Krieg vorbei war.
L.A. entwickelte den Ruf, Antipode der kritischen Intelligenz zu sein.
L.A. entwickelte den Ruf, Antipode der kritischen Intelligenz zu sein.
Trotzdem entstanden in L.A. auch eigene kulturelle Strömungen von Bedeutung. Der literarische und filmische noir ist wahrscheinlich eine der wichtigsten. Wer die Medienmythen aus Los Angeles fleißig aufgesogen hat, wird in diesen Kapiteln viele Bekannte wiederfinden, nicht nur den überschätzten Chandler, den Davis als verkappten Rassisten entlarvt, sondern auch Horace McCoy (Nur Pferden gibt man den Gnadenschuß), James M.Cain (Wenn der Postmann zweimal klingelt), Raoul Whitfield, Joseph Losey u.v.a..
John Fante wird als Erfinder der Pennerliteratur gewürdigt, von dem Charles Bukowski so ziemlich alles abgeschrieben haben soll, was ihn berühmt gemacht hat, und der Jazzer Art Pepper wird als trauriges Beispiel aufgeführt - als jemand, "der in Watts aufwuchs, an der Central Avenue Be Bop studierte, in Boyle Heights über Heroin promovierte und in St. Quentin emeritierte." Ähnlich schwierig hatte es Ornette Coleman, der als Fahrstuhlführer in L.A. den Free Jazz erfand, es jedoch schaffte, in Schweden Exil zu finden, bevor ihn die Stadt kaputt gemacht hätte. Weitere bedeutende Free Jazzer aus L.A. sind Eric Dolphy, Don Cherry oder Charlie Haden, so daß L.A. auch als Geburtsort des Free Jazz bezeichnet werden kann, obwohl das der Stadt sicherlich herzlich egal war und sich diese Innovationen in geschlossenen Künstlerzirkeln ereigneten. Daß besonders harte Verhältnisse zu besonderen künstlerischen Leistungen motivieren können, scheint auch das Beispiel des Einzelgängers Thomas Pynchon zu belegen, dessen "Die Versteigerung von No. 49" den Schlüssel zum Verständnis der geistigen Landschaft Südkaliforniens in sich trägt.
Der neo-noir Schreiber James Ellroy treibt mit seiner Tetralogie von der "schwarzen Dahlie", einem ungelöster Mordfall der vierziger Jahre, die Verschwörung des "hellen bösen" (Wells) auf die Spitze. In seinen Haß- und Gewaltorgien von rassistischen Cops und satanistischen Millionären erleben wir einen Streifzug, der quer durch alle Milieus von L.A. führt, unterfüttert von zahlreichen gut recherchierten Sachverhalten, die in "City of Quartz" ebenfalls wiederzufinden sind, nur eben ohne literarische Übertreibung.
Ebenfalls als Abart des noir könnte der gangsta rap schwarzer Musiker aus L.A. bezeichnet werden, der weltweit die Kassen in Plattenläden klingeln ließ, allen voran die mittlerweile aufgelösten N.W.A. (Niggers With Attitude). Ihr von Sirenengeräuschen und Schüssen untermalter Kampfruf "Fuck the Police" brachte ihnen Berühmtheit bis hinein in die deutsche Hausbesetzerszene, die vor N.W.A von schwarzer Musik nichts wissen wollte. Bezeichnend für das kulturelle Klima in L.A. ist jedoch, daß der Radikalismus von N.W.A. keiner anderen Ideologie unterliegt als striktem money making und daß sie sich daher schlecht als politische Vorbilder im Stile der Black Panther eignen. In diesem Sinne schon eher PC - (politically correct) - ist der L.A. Rapper Ice-T, der mit Songs wie "Freedom of Speech" Grundrechte anspricht und sich dazu, in den 90zigern eine echte Seltenheit, mit dem weißen Punk Rock Aktivisten Jello Biafra verbündete. Sein Song "Cop Killer" hat die ganze Nation in pro und contra polarisiert und sogar die damalige First Lady Mrs Bush auf den Plan gerufen. Doch mit kommerziellen Filmen wie "Super Jack City" hat sich Ice-T diese politische Glaubwürdigkeit selbst wieder genommen. Das von ihm vorgetragene Image der O.G.s -(original gangsters)- trägt nun nur noch eher dazu bei, das Gefühl der Hoffnungslosigkeit und Ausgeliefertheit in einem entmenschlichtem kapitalistischen System zu schüren, so daß jede Form von Selbstjustiz und krimineller Machtaneignung gerechtfertigt erscheint.
Ausgrabungen der Zukunft in Los Angeles
Die Anfänge des goldenen Traums
Die Ökonomie der Boomtown L.A.
LAPD: Los Angeles Police Department
Von "ham and eggs" zu "slow growth"
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Der seltsame Tod des liberalen L.A.
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