Der seltsame Tod des liberalen L.A.
Als Fazit bleibt, wenn überhaupt unter den zahllosen Knoten dieses Moskitonetzes an Information ein Resümee zu ziehen ist, "der seltsame Tod des liberalen L.A." den Mike Davis beklagt. Soziale Ausgaben fielen hinter den Standard der sechziger Jahre zurück. Schulen verfallen, die letzten öffentlichen Krankenhäuser werden geschlossen, schwerkranke geistig Behinderte auf die Straßen geschickt. Daran ändert auch ein Bill Clinton als Präsident nichts. Nach dreißig Jahren demokratischer Bürgermeister steht mit Dick Riordan ein republikanischer Grundstücksspekulant an der Spitze der Macht. Als Wahlhelfer fungierte dasselbe Büro, das Clinton auf den Präsidentensessel hievte und in enger Verbindung mit der Anwaltskanzlei von Warren Cristopher steht. Auch das scheint eine Tradition in L.A. zu sein. Im Interesse des Kapitals und der Macht der WASPs ist die politische Richtung eigentlich egal. Die inner cities verfallen weiter und die Polizeikräfte werden aufgestockt, ihr "Spielraum" erweitert.
Wenn L.A. also wirklich diese Modellstadt für das 21. Jahrhundert ist, dann kann das nur wenig Gutes verheißen. Die Reichen verteidigen ihren Wohlstand mit immer aggressiveren Mitteln, ein wirkliches Umdenken in eine ökologische oder eine auch nur irgendwie von humanistischen Idealen geleitete Richtung findet nicht statt. In der sich nun formierenden Informationsgesellschaft der information rich und information poor wird sich eine weitere Konzentration der Macht zwischen High-Tech, Entertainment und Kapital ereignen. Orte werden zunehmend bedeutungslos. Vielleicht ist L.A. in dieser Hinsicht als zufällige Zusammensetzung von Agglomerationen richtungsweisend.
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