Stadt am Netz

Die virtuellen "Orte"

Philippe Quéau 08.11.1996

Hybridisierung und Konfusion der virtuellen Räume

Wir sprechen vom Leben und Wohnen, von Städten und Dörfern im virtuellen Raum, von seiner Kolonialisierung und Besiedelung. Aber welche Eigenschaften haben diese neuen Informationsumgebungen, die sich mit dem wirklichen Raum auch überkreuzen können? Und welche Fähigkeiten müssen wir entwickeln, um uns in der "Zwischen-Wirklichkeit" des Virtuellen orientieren zu können?"

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Das Virtuelle zeichnet sich durch eine außerordentliche Labilität der Repräsentationsstufen und Hybridisierungsebenen mit der wirklichen Welt aus. Das führt zu einer zunehmenden Gefahr der Konfusion und auch der Entfremdung bei denjenigen, die mit den Verbindungen zwischen der Wirklichkeit und deren verschiedenartigen virtuellen Repräsentationen nicht umgehen können. Die Gefahr ist um so größer, daß das Virtuelle zu einer vollständig abgetrennten Wirklichkeit wird, je mehr es wahr wird, daß man wirklich im Virtuellen handeln kann.

Diese Wirklichkeit des Virtuellen erinnert an die "Zwischen"-Wirklichkeit mathematischer Entitäten, die die Alten so sehr beunruhigten und die noch immer manche zeitgenössische Philosophen beschäftigen. Platon gebrauchte den Begriff metaxu ("dazwischenliegend"), um die Existenz von "Vernunftentitäten" wie die mathematischen Entitäten zu rechtfertigen, die "zwischen" dem Sensiblen und dem Intelligiblen situiert sind. Diese Kategorie des "Dazwischenliegenden" ist voll von dem, was die klassische Kategorisierung nicht einordnen konnte.

Auch das Virtuelle besitzt eine gewisse "Zwischen"-Wirklichkeit. Es ist eine "a-topische" Wirklichkeit, die sich gänzlich außerhalb der Wirklichkeit befindet und daher teilweise virtuell ist. Das Virtuelle ist ein Ort, der aus Nicht-Orten gemacht ist - nicht deswegen, weil sie nicht existieren würden, sondern weil sich diese Existenz nicht in den klassischen Raum einschreibt. Das Virtuelle ist delokalisiert, deterritorialisiert. Die virtuellen Orte haben sicherlich eine bestimmte Wirklichkeit, eine bestimmte Räumlichkeit und eine bestimmte Zeitlichkeit, aber diese Kategorien, die im klassischen Kontext selbstverständlich zu sein scheinen, verlieren im virtuellen Kontext einen Teil ihrer Gültigkeit, ihrer Fähigkeit, die Wahrheit der Phänomene zu erfassen.

Das Virtuelle ist eine A-topie , weil es keinen topos enthüllt. Der Topos ist der Ort, an dem man sich befindet, der Ort unserer Position in der Welt. Das Virtuelle aber hat keine Position, man kann sich in ihm nicht positionieren. Das Virtuelle ist das Gegenteil des wirklichen Raums, es ist ein sprachlicher Raum, der zum tropos, zum unendlichen Universum der Tropen und Metaphern gehört. Das Virtuelle ist keine Position, sondern Bewegung, es ist im Fluß. Man kann es nicht besetzen, es löst sich unaufhörlich auf. Das Virtuelle ist heraklitisch.

Im Folgenden werden wir einige signifikante Beispiele dieser A-topie des Virtuellen, dieser Auslöschung der Kategorien beschreiben.

Die virtuellen "Orte"

Der Tod der Illusionen

Bilder, mit denen man handeln kann

Informationslandschaften

Repräsentation und Präsenz

Die "erweiterte Wirklichkeit" oder die Karte und das Territorium

http://www.heise.de/tp/artikel/6/6021/1.html
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