Der Tod der Illusionen
Die Auslöschung der Kategorien beginnt mit der Auslöschung der Grenze zwischen "wirklichen" und "virtuellen" Bildern. Die bereits bewährten Techniken der Bildfälschung und -manipulation leisten alles. Diese Möglichkeiten, die als leicht zugänglich und preiswert gelten, werden einfach unser Vertrauen in die Bilder abtöten. Das übermäßige Privileg eines Glaubens an eine natürliche Wahrheit des Bildes beginnt zu zerfallen. Jedes Bild wird zunächst als Ergebnis eines Prozesses "numerischer Manipulation" im weiten Sinn empfunden und deswegen zunehmend als ein Werk des Geistes betrachtet, aber nicht notwendigerweise als die Einschreibung einer photonischen oder photochemischen Wahrheit, die früher eine "sichtbare" Einschreibung, eine leuchtende Wahrheit gewesen war. Seine materielle Wirklichkeit, seine Fähigkeit, als Beweis und als Zeugnis der Wirklichkeit zu dienen, wird sicherlich noch möglich bleiben, aber nur unter sehr großen Einschränkungen der Validierung und Authentifizierung.
Die Last des Beweises für das Sichtbare wird bestehen bleiben und das Bild wird nicht selbstverständlich seine "Evidenz" belegen können. Das Kräfteverhältnis wird sich verkehren: die Bilder werden als a priori schuldig der Ursprungssünde der Digitalisierung empfunden. Indem sie synthetische Klons in wirklichen "Szenen" navigieren lassen, werden die Bilder der Wirklichkeit auf Anhieb mit virtuellen Bildern verglichen. Das wird folglich der Tod jeder Illusion über die Natur der Bilder sein - eine große Lehre, aber teuer bezahlt. Der cartesianische Zweifel wird alles beherrschen. Der kritische Geist zwingt sich durch die Gegebenheiten unserer Zeit auf, aber mit dem Preis der Auflösung eines bestimmten sozialen Bandes, eines bestimmten Glaubens, der in den gemeinsamen Bildern, in einer universellen Vorherrschaft von gemeinsamen Ikonen möglich war.
Der Tod der Illusionen
Bilder, mit denen man handeln kann
Die "erweiterte Wirklichkeit" oder die Karte und das Territorium
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