Schädliche Spiele

Florian Rötzer 29.12.1998

Schon Kinder haben RSI - und den Nintendodaumen

Haben sich unsere Kinder früher, in der Vormedienzeit, gelegentlich üble Verletzungen durch Stürze oder andere Folgen von wagemutigen oder auch nur unvorsichtig begangenen Tätigkeiten zugezogen, so entsprechen ihre heutigen Schäden doch mehr dem Informationszeitalter, das bislang noch vor allem den Homo sedens mit seinen Gebrechen kennt.

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Vom Fernsehen sind die Kinder nur fett geworden und haben sich womöglich durch heftiges Anschauen der Teleprominenz bestimmte Verhaltensweisen, darunter vielleicht auch Aggression als Problemlösung, angeeignet. Immer stärker zieht es jetzt die Kleinen vor die Computer und Playstations zum Spielen - und schon in jungen Jahren erhalten sie bei ausdauerndem Training für das künftige Erwerbsleben in der Informationsgesellschaft jene Körperschäden, die ansonsten den erwachsenen Computerbedienern vorbehalten waren.

Eine der Auswirkungen von endlosen Sessions ist der "Nintendodaumen", denn wiederholte eintönige Bewegungen des Daumens beim Drücken können zu Schäden in Sehnen, Nerven und Muskeln führen. Wer Spiele am Computer bevorzugt und mit Tastatur oder Maus umgeht, erhält eher das klassische Leiden mit dem Namen Repetitive Strain Injury (RSI oder Typing Injury mit vielen Informationen und Links), aber natürlich auch Haltungsschäden von der meist nicht nach ergonomischen Richtlinien eingenommenen sitzenden Haltung.

Zumindest hat das eine Untersuchung der Physiotherapeutin Wendy Emberson ergeben. Bei 15 Prozent derjenigen Kinder, die regelmäßig Video- oder Computerspiele spielen, hat sie geschwollene und schmerzhafte Daumen und eine schlechte Haltung bei fast allen festgestellt. Dadurch sind sie wiederum prädisponiert für RSI. Bunny Martin von der Body Action Campaign, deren Ziel die Aufklärung und Vermeidung solcher Schäden bei Kindern ist, indem sie diese und Lehrer berät, sagt, sie habe schon Schulklassen gefunden, in denen ein Viertel der Kinder Symptome von RSI zeigten: "Die Regierung hat gefordert, daß jedes Kind bis 2001 Zugang zu einem Computer haben soll, also ist es wichtig, den Kindern zu zeigen, wie sie jetzt Verletzungen vermeiden können."

Nintendo erwartet, daß es nächstes Jahr in einem Drittel aller britischen Haushalte eine Spielkonsole geben werde. Früh übt sich, wer später die typischen Schäden erhalten wird. Allein in Großbritannien sollen über 10 Millionen Arbeitstage jährlich durch Verletzungen wie RSI verlorengehen, wie ein aktueller Bericht des Trades Union Congress herausgefunden haben will. Man fordert die Regierung dazu auf, eine Kampagne gegen die "Epidemie" RSI zu starten, da die Unternehmer sich darum meist nicht kümmerten, obwohl sie große finanziellen Einbußen erleiden.

RSI-Informationen

http://www.heise.de/tp/artikel/6/6350/1.html
Kommentare lesen (1 Beiträge)
  • halo (12.5.2000 14:02)
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