Peinliche Panne bei SETI@home

09.06.1999

Den Projektleitern wird die bislang größte Verschwendung von Prozessorzeit vorgeworfen

Mehr Erfolg, als vermutlich vorgesehen, hatte die Suche nach Signalen extraterrestrischer Intelligenz bei SETI@home. Das bislang größte Projekt im Hinblick auf verteiltes Rechnen kann mittlerweile weltweit 558523 Mitwirkende aufweisen. Bislang wurden 3041305 Datenpakete verschickt und 1717750 hat man zurückerhalten. Insgesamt geleistet wurden dadurch von den freiwilligen Mitarbeitern, die ihren Computer zur Auswertung der vom Arecibo-Teleskop aufgezeichneten Daten zur Verfügung stellen, eine Prozessor-Arbeitsleistung von 7816.87 Jahren.

Doch wegen des Erfolgs - man hat ursprünglich mit etwa 150000 Teilnehmern gerechnet - scheint zumindest ein Großteil der geleisteten Prozessorzeit verschwendet worden zu sein. Angeblich seien, wie einige Mitwirkende laut Wired News herausgefunden haben wollen, bereits seit dem 24. Mai keine neuen Datenpakete mehr ausgeschickt worden, ohne daß man die Beteiligten darüber informiert hätte. "Sie erzählten niemanden etwas", ärgert sich Tim Keating in einer Email an Wired. "Und das Ergebnis: die bislang weltweit größte Verschwendung an Rechenzeit und Energie. Ich schätze, daß das SETI@home-Projekt stündlich weltweit acht Tonnen fossiler Energie verschwendet."

Wegen der Überlastung wurden immer wieder dieselben Datenpakete ausgesendet und von den Rechnern der Teilnehmer analysiert. Jetzt immerhin haben die Projektleiter, ohne genaue Zahlen anzugeben, den Fehler eingeräumt. Die Server seien überlastet, liest man auf der Website, und "unsere 'Datenpipeline' arbeitet nicht mit der vollen Geschwindigkeit, so daß wir meist dieselben Datenpakete (vor allem vom 7. und 8. Januar) wiederholt aussenden. Das wird bald in Ordnung gebracht werden." Weitere Fehler werden eingeräumt, und man sei überladen von Emails und Fehlerberichten, die man nicht einzeln beantworten könne. Mitte bis Ende Juni werde man die Serverkapazität mit neuen Sun-Computern erhöhen, und morgen soll eine neue Client Softwareversion veröffentlicht werden, die einige Fehler behebt.

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Das alles ist kein guter Start für das Projekt, das verteiltes Rechnen im Netz populär gemacht hat und bei dem mehr Teilnehmer mitwirken, wie bei den größten Projekten von distributed.net. Die mangelnde Kommunikation und die Nutzlosigkeit der Beteiligung können schnell in Frustration gegenüber derartigen kooperativen Unternehmungen umschlagen. Geschummelt wird allerdings auch von den Mitwirkenden, die gerne an der Spitze der auf der Website veröffentlichten Bestenliste hinsichtlich der aufgewendeten Rechenzeit stehen und damit Aufmerksamkeit einheimsen wollen. Mindestens zwei der ersten 10 Arbeitsgruppen hätten sich, so Projektleiter David Anderson, durch Mogeln nach vorne bugsiert. Am schlimmsten seien die Unix- und Linux-Benutzer, die eine "Hackermentalität" zu haben scheinen. Die Fälschung von Ergebnissen sei jedoch nicht möglich, da sie mit den Originaldaten verglichen werden können: "Wenn es ein Loch gibt, dann wird es von jemanden ausgebeutet. Es scheint eine hämische Freude daran zu geben, das System irgendwie zu untergraben ... Auch das bereitet mir Kopfschmerzen", sagt Anderson. Da geht es SETI@home offensichtlich nicht anders wie vielen Websites. Man will halt zeigen, was man kann.

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Fehlerhafte Botschaft an die Außerirdischen

Florian Rötzer 24.05.1999

Rekordbeteiligung an Seti@home

Während Seti@home den Rekord beim verteilten Rechnen bricht und bereits mehr als eine halbe Million der Programme, die als Bildschirmschoner auf den PCs installiert werden, heruntergeladen wurden, um die Radiosignale des Arecibo Observatory nach Botschaften von außerirdischen intelligenten Wesen zu durchsuchen, wirde von Encounter 2001 am Montag ein anderer Weg beschritten: In Kooperation mit der russischen RSC Energia Ltd. wird heute erstmals ein "Cosmic Call" - natürlich ein als Warenzeichen geschützter Begriff - von Russland aus mit persönlichen Botschaften von einigen Tausend Menschen in das Weltall zur gefälligen Beachtung etwaiger ETs geschickt. Bezahlen mußten sie für diese Gelegenheit 15 Dollar. Am 14. 2. 2000 und am 14.2.2001 sollen die nächsten Sendungen auf kosmischen Kurs gehen.

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