Beispielloser Wachstumsschub
Eine persönliche Erinnerung an die ersten Mondflüge
Viele Sternstunden des Fernsehens habe ich miterlebt. Ich sah die erste weltweite Satellitenübertragung, bei der die Beatles "All you need is Love" aufnahmen. Ich saß vor dem Fernseher, als ein Schimpanse im "ZDF Sport-Studio" der Frau von Johnny Weissmüller die Perücke vom Kopf zog. Nur die erste bemannte Mondlandung, die habe ich verpaßt. Seltsamerweise hat das keine schmerzliche Erinnerungslücke hinterlassen.
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Es waren die ersten Sommerferien, die unsere Familie nicht bei den Verwandten in der DDR verbrachte. Nach der Niederschlagung des Prager Frühlings im Jahr zuvor war das Klima dort für Besucher aus dem Westen offenbar zu rauh geworden. Statt dessen fuhren wir in den Harz und wohnten in einem Erholungsheim des Reichsbundes der Kriegs- und Wehrdienstopfer - natürlich ohne Fernsehgeräten auf den Zimmern.
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Vielleicht gab es einen zentralen Fernsehraum, aber ich kann mich nicht erinnern, jemals dort gewesen zu sein. Selbst am Abend des 20. Juli 1969 drängte es mich nicht dorthin.
Komisch eigentlich, wo ich doch bis dahin alle Raumfahrtprojekte mit großer Begeisterung verfolgt hatte. Es war eine unglaublich aufregende Zeit: Ständig gab es neue Durchbrüche zu vermelden, wurden neue, noch detailliertere Fotos vom Mond und unseren Nachbarplaneten veröffentlicht. Ich schnitt sie aus den Zeitungen aus und steckte sie in die Hosentaschen, um sie jederzeit ansehen zu können.
An den ersten bemannten Raumflug Juri Gagarins kann ich mich nicht erinnern. Bei Valentina Tereschkowa, die 1963 als erste Frau die Erde umkreiste, scheint sich die Erinnerung mit dem später angelesenen Wissen zu vermischen. Aber ganz deutlich habe ich noch Alexej Leonow vor Augen, der 1965 als erster Mensch eine Raumkapsel verließ und einige Minuten frei im Weltraum schwebte. Eine Sensation!
Natürlich wurde viel mehr über das Weltraumprogramm der Amerikaner berichtet. Jeder Start war ein Ereignis, wurde häufig sogar live im Fernsehen übertragen. Stunden verbrachte ich vor dem Bildschirm und lauschte den Erläuterungen Günter Siefarths und Werner Büdelers. Jede Mission brachte irgend etwas Neues. Immer länger blieben die Menschen im All. Steuerungsmechanismen wurden erprobt, Raumkapseln näherten sich bis auf wenige Meter aneinander an, führten schließlich sogar Andockmanöver aus.
Und diese Bilder! Gold und silbern glänzende Raumschiffe schwebten im strahlenden Sonnenlicht über der wunderschönen, zarten Erdatmosphäre und kündeten vom Aufbruch in eine glorreiche Zukunft voller Abenteuer. Ferne exotische Planeten warteten darauf, von Menschen betreten und erforscht zu werden. Irgendwo da draußen gab es gewiß auch andere, intelligente Lebewesen, mit denen wir eines Tages in Kontakt treten würden.
Der Höhepunkt dieses Weltraumfiebers kam für mich im Jahr 1968: Im September, kurz vor meinem 13. Geburtstag, startete in den Kinos "2001 - Odyssee im Weltraum". Ich sah den Film auf der Großbildleinwand im Hamburger Grindel-Kino und war hin und weg. Drei Monate später brach Apollo 8 zur ersten bemannten Mondumkreisung auf und brachte Bilder mit, die sich von denen in Stanley Kubricks Space-Trip kaum unterschieden. Der Aufbruch hatte endgültig begonnen, die Tür zum grenzenlosen Raum, zu einem Universum voller fremder Welten war geöffnet.
Es war eine einzigartige Erfahrung. Zumal auch mein Körper mich damals ständig mit neuen Sensationen und Irritationen versorgte. Die Menschheit erfuhr einen beispiellosen Wachstumsschub, wuchs über sich selbst hinaus, bis ins Weltall hinein - und ich wuchs mit ihr.
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Daß dann einige Monate später zum ersten Mal Menschen den Boden eines anderen Himmelkörpers betraten, war für mein Empfinden tatsächlich nur noch "ein kleiner Schritt". Nachdem das gesamte Raumfahrtprogramm bis dahin mit größter Präzision abgelaufen war, zweifelte ich nicht im mindesten daran, daß die Mondlandung ebenfalls problemlos gelingen würde. Selbst um die Astronauten der verunglückten Apollo-13-Mission bangte ich damals nicht besonders. Alles war bis dahin gutgegangen, also würde auch die Rettungsaktion gutgehen.
Vor allem aber hatte ich im Sommer 1969 im Freibad von Bad Sachsa ein neues Forschungsgebiet entdeckt, das in den kommenden Jahren meine Aufmerksamkeit zunehmend in Anspruch nehmen sollte: Es waren die Rundungen, die sich dort unter den Bikini-Oberteilen abzeichneten und gegen die die Scheibe des Mondes auf einmal erstaunlich fahl und langweilig wirkte.
http://www.heise.de/tp/artikel/6/6450/1.html- Der Bikini war vom CIA zur Ablenkung entwickelt worden ... (26.6.2005 21:53)
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