Die Faszination einer Mikrobe
Hollywood-Regisseur James Cameron produziert Filme über bemannte Raumflüge zum Mars
"Mehrere Jahrzehnte 'Star Wars' und 'Star Trek' haben der Weltraumforschung mehr geschadet als genützt." James Cameron mag manchen seiner Zuhörer wie ein Ketzer vorgekommen sein, als er das sagte. Denn der Hollywood-Regisseur sprach nicht zu Filmstudenten oder Studiobossen, sondern auf der Jahresversammlung der Mars Society. Deren erklärtes Ziel ist eine bemannte Mission zum roten Nachbarplaneten. Unter ihren Mitgliedern sind naturgemäß viele NASA-Mitarbeiter. Und bei denen steht der verstorbene "Star Trek"-Schöpfer Gene Roddenberry immerhin so hoch im Kurs, dass sie unter Umgehung der strengen Raumfahrtbestimmungen sogar seine Asche mit dem Space Shuttle in die Umlaufbahn beförderten.
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| Nordpol des Mars, Global Surveyor |
Mars-Society-Mitglied Cameron ("Titanic", "Terminator") musste seine Meinung daher gut begründen. "Durch die Selbstverständlichkeit", argumentierte er, "mit der diese Filme intelligente, humanoide Lebewesen aus der gesamten Galaxis versammeln und interstellare Reisen als eine Angelegenheit von Tagen oder Stunden präsentieren, haben sie die Erwartungen des jugendlichen Publikums in absurde Höhen getrieben, die von der wirklichen Raumfahrt nie erfüllt werden können." Statt uns durch die unermessliche Weite des Alls zu inspirieren, hätten uns diese knallbunten Phantasien nur vom realen Weltraum abgelenkt. Statt uns ein Gefühl für diese unvorstellbaren Entfernungen zu vermitteln, hätten sie sie einfach auf ein fassbares Maß schrumpfen lassen.
No human has made the journey beyond low Earth orbit since 1972. With all our technological prowess, we have not sent a man or woman further than 250 miles from the surface of our planet ... less than the distance from LA to Modesto ... in almost three decades. No man has seen that whole Earth since then, and no woman has ever seen it.
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It's time to go back out there, not just beyond Low Earth Orbit, but to Mars and beyond. Das 30-jährige Jubiläum der ersten bemannten Mondlandung brachte Cameron schmerzlich in Erinnerung, wie wenig seitdem in der Raumfahrt getan wurde. Er unterstützt das Ziel der Mars Society, eine bemannte Mission zum Mars durchzuführen. Aber im Unterschied zu manchen Mitgliedern glaubt er nicht, dass das allein auf privatwirtschaftlicher Ebene möglich ist. Ohne die Unterstützung von Regierungen wird es nicht gehen. Und um die zu überzeugen, ist wiederum die Unterstützung der Bevölkerung nötig. Die größte Herausforderung bei dem ambitionierten Projekt sieht Cameron daher nicht in der Technik, sondern im Marketing.
Hier will er als Filmemacher seinen bescheidenen Beitrag leisten: Gegenwärtig produziert er eine fünfstündige TV-Serie und einen Imax-3-D-Film, die beide vom ersten bemannten Flug zum Mars handeln. "Unser Ziel ist es", erklärt er, "zwei Ideen hervorzuheben: Dass die technische Herausforderung enorm ist - und dass wir bereit sind. Wenn wir es wollen, können wir es tun."
Die Filme sollen die Mars-Mission so realistisch wie möglich zeigen. Es werde keine intelligenten, menschenähnlichen Außerirdische geben, verspricht Cameron, auch keine Überreste vergangener Zivilisationen. Stattdessen will er den Zuschauern die Faszination nahe bringen, die kluge Menschen bei vollem Verstand dazu bringt, sich auf eine zweieinhalbjährige gefährliche Reise ohne die Möglichkeit einer vorzeitigen Rückkehr einzulassen. "Wir müssen das Publikum herunterholen von den letzten Jahrzehnten mit Klingonen und 'Star Wars'-Kreaturen und dann langsam die Spannung aufbauen - bis hin zu dem Höhepunkt, wenn eine einzelne Mikrobe die Leinwand füllt."
Beide Produktionen sollen im Frühjahr 2001 Premiere haben, also in dem Jahr, das dem bislang immer noch unübertroffenen Weltraum-Epos von Stanley Kubrick seinen Titel gab: "2001 - Odyssee im Weltraum". Keinem ist es seitdem gelungen, die Schwerelosigkeit, die Stille und die Weite des Alls ähnlich überzeugend ins Kino zu bringen. Aber James Cameron ist gewiss jemand, dem es zuzutrauen wäre.
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