Der amerikanische Geheimdienst NSA ist technisch und organisatorisch in Nöten

Florian Rötzer 07.12.1999

Seltsame zeitliche Übereinstimmung mit wachsender Kritik an den Lauschaktivitäten der NSA

Die NSA, der größte US-Geheimdienst, klagt seit Neuestem, in Sachen Aufklärung zurückzufallen. Michael Hayden, der Direktor der NSA, hat nach einer Analyse des Geheimdienstes die Maßnahme "100 Days of Change" eingeleitet, um die Organisationsstruktur und die Informationssysteme zu befähigen, mit den schnellen Veränderungen in der Telekommunikation und Informationstechnologie Schritt halten zu können. "Wir müssen mit der Weise Schritt halten, wie dieser Planet kommuniziert", sagte er in einem Interview, und natürlich geht es dabei auch um das Budget des Geheimdienstes, der auch in den USA wegen des angeblich von ihm betriebenen Echelon-Systems unter Beschuss geraten ist.

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Möglicherweise sind die Klagen über die technischen und organisatorischen Mängel angesichts der erhobenen Vorwürfe, mit Echelon auch US-Bürger zu belauschen, lediglich ein Ablenkungsmanöver, um die nationale Sicherheit in den Vordergrund zu stellen. Aufklärung über das Echelon-System, dessen Existenz von der NSA noch nicht bestätigt wurde, fordert nicht nur ein Kongressausschuss (Amerikanischer Kongress verlangt Aufklärung über Echelon), sondern auch die Bürgerrechtsorganisation EPIC, die eine Website Echelon Watch eingerichtet, einen Prozess zur Herausgabe von Dokumenten eingeleitet und Duncan Campbell beauftragt hat, einen Bericht über die Lauschaktivitäten der NSA zu verfassen.

Probleme allerdings hatte die NSA in letzter Zeit des öfteren. So kamen vom Geheimdienst keine Warnungen vor den Bombenanschlägen auf die US-Botschaften in Afrika, die im letzten Jahr von Indien durchgeführten Atomtests wurden erst nachträglich festgestellt, die Jagd auf den Terroristen Osama bin Laden war bislang erfolglos und möglicherweise war auch die NSA an der irrtümlichen Bombardierung der chinesischen Botschaft in Belgrad beteiligt, falls dies wirklich ein Irrtum gewesen ist. Andererseits kursieren Gerüchte über die Kapazitäten des Echelon-Systems, das angeblich weltweit die gesamte, über Satelliten stattfindende Kommunikation abhören und nach bestimmten Begriffen durchsuchen soll.

Der Bericht habe jedenfalls festgestellt, dass die NSA ihre Informationssysteme nicht modernisiert und bislang auch nicht die nötigen Veränderungen eingeleitet habe, um im Informationszeitalter erfolgreich sein zu können. Hayden kommentiert prinzipiell, dass "die Technologie zweischneidig geworden ist ... In dunklen Tagen ist sie zum Feind geworden." Die NSA sei von den Problemen, die von der Verschlüsselung, den Glasfaserkabeln und der puren Menge der Kommunikation, die abgehört und analysiert werden muss, überwältigt, obgleich sie noch immer weltweit am meisten Supercomputer besitzt. Man sei immer noch die Behörde aus den Zeiten des Kalten Krieges, in der man reichlich Geld hatte und wusste, wer der Feind ist.

Wie Newsweek meldet, plane die NSA gerade eine engere Zusammenarbeit mit der CIA, um dieser bei der Jagd auf Terroristen und Kriminellen in den USA zu helfen, was natürlich die Befürchtungen verstärkt, dass der Geheimdienst auch US-Bürger entgegen der gesetzlichen Vorschriften abhören könnte.

Vermutet wird allgemein auch, dass die NSA Druck auf die Regierung in Sachen Verschlüsselung ausübt, weswegen deren Position noch immer ambivalent und das Vorhaben noch nicht ganz vom Tisch ist, ein Key Recovery System einzuführen. Angesichts der Klagen der NSA, verschlüsselte Kommunikation knacken zu können, liegt dies jedenfalls auf der Hand. Auch wenn der Export von Verschlüsselungsprodukten durch ein neues geplantes Gesetz leichter geworden ist, kritisiert der republikanische Mehrheitsführer des Kongresses, Dick Armey, in einem Brief an die Generalstaatsanwältin Janet Reno, den Wirtschaftsminister Daley und den Verteidigungsminister Cohen, dass die vorgesehene Regelung noch immer zuviele Vorschriften mache und zu bürokratisch sei. Man müsse die Online-Privacy-Themen wie die Verschlüsselung sehr ernst nehmen und sie offen behandeln, wenn man den ECommerce nicht behindern und das Vertrauen zerstören wolle.

Aufklärung verlangt Armey auch über das vorgesehene "FIDNet und andere damit verbundene Vorschläge zur Überwachung der Computernetze", weil Zweifel noch immer nicht ausgeräumt seien, dass diese auch zum Belauschen von Bürgern dienen könnten. Angeblich soll FIDNet (Federal Intrusion Detection Network), nachdem massive Kritik laut geworden ist, nur die Computersysteme der Behörden überwachen, um sie vor Crackern zu schützen, aber keine privatwirtschaftlichen Netzwerke.

http://www.heise.de/tp/artikel/6/6550/1.html
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