Die EU will ein eigenes Global Positioning System schaffen

09.12.1999

Die ersten Schritte für das Galileo-System wurden diese Woche eingeleitet

Europa will sich nicht nur mit eigenen Aufklärungssatelliten unabhängiger von der Dominanz des amerikanischen Militärs machen (Europäischer Geheimdienst?), sondern sich auch aus der Abhängigkeit vom amerikanischen Global Positioning System (GPS) befreien und ein eigenes Satellitensystem aufbauen. Am Dienstag wurde für das Galileo-System der erste Schritt eingeleitet, indem die Europäische Weltraumbehörde (ESA) für die GalileoSat-Studie einen Vertrag mit einem von der italienischen Alenia Aerospazio geführten Konsortium unterschrieben hat. Bei der Studie geht es um die Festlegung der erforderlichen Zahl und Konstellation der Satelliten und der Ausstattung der Bodenstationen.

Die Europäische Kommission wird noch in dieser Woche grünes Licht zur Unterzeichnung weiterer vier Verträge mit der Industrie geben. Diese Verträge über insgesamt 80 Millionen Euro bilden die Grundlage für die Startphase des Galileo-Programms (November 1999-Dezember 2000), die vom Europäischen Rat der Verkehrsminister im Juni beschlossen (PDF-Dokument mit 7000K!) wurde.

Man geht davon aus, dass Galileo insgesamt 2,7 Milliarden Euro koste wird. Das System soll im Jahr 2005 einsatzfähig und 2008 vollständig realisiert sein. Vorgesehen sind mindesten 21 Satelliten in einer Umlaufbahn in Höhe von 24000 Kilometern, die wahrscheinlich durch weitere geostationäre Satelliten in einer Höhe von 36000 Kilometern ergänzt werden. Galileo soll als multimodales und globales Navigationssatellitensystem dienen, das Europa im Bereich der Verkehrssteuerung und der Telematik, der Überwachung oder in Notfällen unabhängig vom GPS macht, aber auch die in dieser Branche tätigen Hersteller und Dienstleistungsunternehmen fördern und dadurch neue Arbeitsplätze schaffen soll.

Für die ersten 15 Jahre des Betriebs erwartet man "makroökonomische Auswirkungen in Höhe von 90 Milliarden Euros", 100000 neue Arbeitsplätze und weitere wirtschaftliche Segnungen. Optimistisch gestimmt, sieht man jedenfalls einen riesigen Markt für die Satellitennavigation und geht davon aus, dass die Geräte für Navigationssysteme zwischen 2005 und 2025 einen Umsatz von 88 Milliarden Euro, damit zusammenhängende Dienstleistungen von 112 Milliarden und der Export von 70 Milliarden erzielen könnten.

Galileo sollen allen kostenlos zugänglich gemacht werden, ein "Controlled Access Service" mit Leistungsgarantien soll hingegen gegen Bezahlung angeboten werden.

Galileo soll aber auch mit der geplanten zweiten Generation der GPS-Satelliten kompatibel sein. Das vom amerikanischen Militär gestartete und zur kommerziellen Nutzung freigegebene GPS umfasst insgesamt 24 Satelliten, die sich in einer Umlaufbahn in Höhe von 19500 Kilometern befinden. Jeweils drei Satelliten sind notwendig, um eine auf einige Meter genaue Positionsbestimmung eines Objekts auf der Erde angeben zu können. Anwendungsmöglichkeiten für das GPS gibt es ungezählte von der Verfolgung von Objekten wie Autos oder Schiffen über Navigationshilfen für Fahrzeuge bis hin etwa zur Überwachung von Strafgefangenen mit einer "elektronischen Fessel".

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