In Australien schlug ein Meteorit ein

12.12.1999

Zu den natürlichen Weltraumgeschossen kommen durch die Raumfahrt immer mehr Schrottteile, die auf die Erde herunterprasseln.

Zu Beginn dieser Woche schlug wahrscheinlich ein Meteorit in der Größe eines Baseballs in das Trinkwasserreservoir von Guyra, Australien ein und hat wieder einmal Ängste vor dem ausgelöst. Das Objekt, das mit 36000 Stundenkilometern viele Meter in einem Tunnel mit der Breite von 40 Zentimetern in den Damm eines Trinkwasserreservoirs einschlug, wurde aufgrund der Messungen eines 30 Kilometer entfernten Seismographen entdeckt. Um was sich handelte, wird man vielleicht nie wissen, denn die Polizei hat inzwischen die Suche eingestellt und nach einer Überprüfung durch Geigerzähler die Entnahme von Trinkwasser wieder genehmigt. Meteoriten, die auf die Erde fallen, sind nicht selten, aber je mehr der Weltraum erschlossen wird, desto mehr Abfall wird auch vom Himmel wieder auf die Erde kommen.

Peter Flood, Geologieprofessor an der University of New England, der den Einschlag entdeckte, geht davon aus, dass jährlich etwa 30000 Tonnen an Meteoriten auf die Erde regnen, die meist in den Meeren einschlagen. Zunehmend jedoch werden die natürlichen Geschosse durch menschengemachte ergänzt. Zwei bis drei Mal wöchentlich prallt bereits im Weltall herumtreibender Abfall auf die oberen Schichten der Erdatmosphäre, meist jedoch ohne in diese einzudringen. Auch dieser Weltraumabfall beginnt natürlich zu glühen und sieht aus wie der Lichtstreifen eines Meteoriten. Doch die Abfallberge an alten Satelliten, abgeworfenen Raketenbrennstufen und anderen kleinen Stücken werden bekanntlich größer und bedrohen nicht nur die Raketen, Satelliten oder Weltraumstationen. Zwar verglühen die meisten Hinterlassenschaften beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre, manchmal können aber Stücke auf der Erde einschlagen, wie dies 1979 bei Teilen der amerikanischen Weltraumstation Skylab in Westaustralien der Fall war.

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Das Space Surveillance Network des US Space Command beobachtet mit 17 optischen und Radarteleskopen auf der ganzen Welt Objekte bis zu einer Breite von 10 cm in einer Entfernung bis zu 600 Kilometern, damit beispielsweise nicht ein Meteorit oder Abfall mit einer feindlichen Rakete verwechselt wird. Am 17. November beispielsweise verfolgte das Space Surveillance Network, wie der Sydney Morning Herald berichtet, alleine 8731 von Menschen stammende Objekte im Weltraum: 2620 Satelliten, 6012 Schrottteile von Raketen und 90 Sonden. Bislang habe es, so Mike Birmingham vom Space Surveillance Network gegenüber dem Herald, noch niemals einen Bericht gegeben, dass jemand durch einen Abfall aus dem Weltraum zu Schaden gekommen wäre, allerdings sei eine Treibstufe einer Deltarakete vor einigen Jahren in der Nähe einer Farm in Texas zu Boden gegangen.

Man schätzt, dass es 9000 Objekte in der Erdumlaufbahn gibt, die größer als 10 cm sind. In der Größe zwischen 10 und 1 cm sollen es an die 100000 und noch kleinere viele Millionen. Die meisten dieser Objekte verglühen beim Eintritt in die Erdatmosphäre: "Objekte, die das überstehen, fallen mit hoher Wahrscheinlichkeit in die Meere oder andere Gewässer oder auf dünn besiedelte Gegeneden wie die kanadische Tundra, die australische Wüste oder Sibirien", erfährt man bei Nasa Space Debris. Während der letzten 40 Jahre ist durchschnittlich ein registriertes Abfallstück pro Tag auf die Erde gefallen. Es ist kein Fall bekannt, dass der Wiedereintritt von Abfall eine ernsthafte Verletzung oder einen größeren Materialschaden bewirkt hat."

Gefährdungen aber hat es schon mehrmals gegeben. So ist der russische Spionagesatellit Cosmos 954 im Jahr 1978 über Kanada niedergegangen, wobei Plutonium ausgetreten ist. Bei Apollo 13 verglühte 1970 beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre die Mondfähre Aquarius, deren Nukleargenerator in den Pazifik stürzte. Die russische Sonde Mars 96 stürzte nach einer Panne mit der Trägerrakete gleichfalls mit dem Plutoniumantrieb in den Pazifik. Und nächstes Jahr wird vermutlich die 130 Tonnen schwere Mir in die Erdatmosphäre gelenkt, wobei unsicher ist, ob die Computersysteme der des öfteren durch Pannen geplagten russischen Raumstation dann noch richtig funktionieren, so dass auch größere Stücke, wenn sie nicht verglühen, auf die Erde über bewohnten Gebieten prasseln können.

Aber natürlich gibt es auch noch die größeren Himmelskörper wie Asteroiden oder Kometen, die mit den Folgen ihrer Einschläge das Leben auf der Erde entscheidend mit bestimmt haben dürften. Zumindest besteht die Wahrscheinlichkeit, dass alle 100000 Jahre einmal ein sogenanntes Near Earth Objekt (NEO) mit einem Durchmesser von einem Kilometer oder größer auf die Erde einschlagen könnte. Bei Objekten dieser Größe nimmt man an, dass sie Katastrophen von globalem Ausmaß auslösen können. Für die Einordnung von bekannten NEOs, die nach ihrer Größe, ihrer Geschwindigkeit und ihrer Flugbahn kategorisiert werden, dient die Turinskala, die von der - auch durch die EU und die ESA unterstützten - Spaceguard Foundation (deutsche Sektion) in diesem Jahr eingerichtet wurde. Bislang allerdings wurde kein bekanntes NEO höher als Null eingestuft, also mit der Wahrscheinlichkeit von 0 Prozent für eine Gefährdung der Erde. Die NASA hat ein Spaceguard Survey eingerichtet, um die gesamte Population der NEOs zu erfassen, was bis zum Jahr 2009 geschehen soll.

Der letzte größere Meteor schlug übrigens am 30. Juni 1908 in Sibirien ein. Man nimmt an, dass er einen Durchmesser von etwa 60 Meter und 2500 Quadratkilometer Wald zerstört hatte. Im Juli dieses Jahres fand eine Expedition statt, um vor Ort Untersuchungen auszuführen.

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