Computerausfall bei der NSA

Florian Rötzer 30.01.2000

Mehrere Tage konnten wegen "Überlastung des Systems" abgehörte Daten nicht ausgewertet werden

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Fast fünf Tage lang waren die Computersysteme des amerikanischen Geheimdienstes NSA in Fort Mead, wo die abgehörten Daten von Telefon-, Kabel- und Radioverbindungen im Ausland ausgewertet werden, außer Funktion. Hier werden angeblich auch die vom weltweiten Lauschsystem Echelon abgehörten Daten aufbereitet, dessen Existenz unlängst durch ein offizielles Dokument, das ein Antragsteller über den Freedom of Information Act erhalten hatte, erstmals beglaubigt wurde.

Wie die NSA sagt, wurde durch den Ausfall der Computersysteme aber das Abhören nicht unterbrochen. Schuld aus Ausfall sei eine Überlastung des Systems oder eine "Software-Anomalie" gewesen. Der Jahr-2000-Fehler, Cracker oder Sabotage hätten keine Rolle gespielt. "Es gab einen erheblichen Verlust an verarbeiteten Daten, aber das Sammeln von Informationen blieb davon unbehelligt", zitiert die Washington Post einen NSA-Mitarbeiter. Die abgehörten Daten seien alle gespeichert worden und können jetzt verarbeitet werden. Am Samstag gab die NSA bekannt, dass die Computersysteme, die am Montag ausgefallen waren, wieder normal funktionieren, aber dass die Reperatur Tausende von Mannstunden und 1,5 Millionen Dollar gekostet habe, wobei auch neue Computer zum Ausbau des NSA-Backbones angeschafft wurden.

Gleich nachdem der Ausfall der Computersysteme bemerkt worden seien, habe man Pläne für den Notfall umgesetzt und andere Computersysteme der weltweit operierenden NSA zur Datenverarbeitung genutzt, aber auch Lauschposten des CIA und des Militärs einbezogen. Überdies werden von der NSA regelmäßig Informationen mit Geheimdiensten von befreundeten Staaten ausgetauscht.

Letztes Jahr hatte die NSA bereits verkündet, dass ihre Computersysteme veraltetet seien und die Gefahr bestehe, dass sie mit der schnellen technischen Entwicklung nicht mehr mithalten könne (Der amerikanische Geheimdienst NSA ist technisch und organisatorisch in Nöten). Die NSA sei von den Problemen, die von der Verschlüsselung, den Glasfaserkabeln und der puren Menge der Kommunikation, die abgehört und analysiert werden muss, überwältigt, obgleich sie noch immer weltweit am meisten Supercomputer besitzt.

http://www.heise.de/tp/artikel/6/6602/1.html
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