Therapeutisches Klonen von menschlichen Stammzellen

Florian Rötzer 06.04.2000

Der Druck auf die britische Regierung wächst nach einer Empfehlung einer Bioethik-Expertengruppe, die Forschung zu gestatten

Der Druck auf die britische Regierung wächst, Forschung über das Klonen menschlicher Stammzellen, die aus Embryonen gewonnen werden, zu genehmigen. Jetzt hat der angesehene Nuffield Council of Bioethics die Empfehlung ausgesprochen, die Verwendung von embryonalen Stammzellen zum sogenannten therapeutischen Klonen zu gestatten, nachdem bereits im März die Royal Society eine entsprechende Empfehlung ausgesprochen hatte.

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Noch steht der Bericht über das therapeutische Klonen der von der Regierung eingesetzten Expertengruppe aus. Letztes Jahr hatte sich bereits der Bericht Cloning Issues in Reproduction, Science and Medicine der Human Fertilisation and Embryology Authority und der Human Genetics Advisory Commission dafür ausgesprochen, das reproduktive Klonen von Menschen weiterhin zu verbieten, aber die Türe für Klonen im medizinischen Bereich offen zu lassen. Diese Grenze sollte auch nach der Empfehlung des Nuffield Council of Bioethics beachtet werden.

Therapeutisches Klonen heißt, embryonale menschliche Stammzellen zu kultivieren und sie zu bestimmten Körperzellen wachsen zu lassen, um daraus Gewebe oder ganze Organe zur Transplantation zu gewinnen oder sie zum Testen und Entwickeln von neuen Medikamenten einzusetzen. Am besten geeignet dafür wären Eizellen, die man entkernt und in die man den Kern von Zellen desjenigen einfügt, der das Gewebe oder das Organ empfangen soll, wodurch das Risiko der Immunabwehr weitegehend reduziert würde. Noch steht die Forschung freilich erst am Beginn, doch wurden bereits von Geron erste Patentanträge auf die Kultivierung von Stammzellen und von Zelllinien beantragt. Auch das britische Patentamt hat bereits ein Patent gewährt, das ausdrücklich das Klonen von menschlichen Embryos einschließt. Stammzellen haben auch die einzigartige Eigenschaft, sich unbegrenzt teilen zu können, so dass damit auch Gewebebanken mit undifferenzierten und spezialisierten Zellen und Geweben anlegen ließen.

Die Bioethikkommission macht keinen Hehl daraus, dass sie eine neue Gesetzgebung schon allein deswegen begrüßt, weil ansonsten die britische Wissenschaft von den Fortschritten und vor allem den Anwendungen der Stammzellenforschung ausgeschlossen werden könnte. Man weist darauf hin, dass in den USA, wo vermutlich demnächst die Förderung der Forschung im Bereich des therapeutischen Klonens auch mit öffentlichen Geldern zugelassen wird, vor allem die Unternehmen die Mehrzahl der klonierten Stammzellen entwickeln und natürlich auch patentieren werden. Der Council argumentiert, dass die staatliche Förderung in Großbritannien dem Zweck dienen sollte, mögliche Therapien für die britische Bevölkerung zu erschwinglichen Kosten bereitzustellen. Deswegen sollten auch nicht möglichst umfassende Patente bewilligt werden.

Das ethische Problem des therapeutischen Klonens besteht darin, dass Stammzellen menschlichen Embryonen entnommen werden müssen, die entweder abgetrieben wurden oder "überzählige" IVF-Embryos sind. Der Council sagt, dass die "Entfernung und Kultivierung von Zellen eines Embryos nicht auf eine mangelnde Achtung vor dem Embryo hinweisen." Die Forschung verwende den Embryo als ein "Mittel zu dem Endzweck", Therapieen für andere Menschen zu entwickeln, weswegen man sie nicht verbieten solle. Die Spender der Embryos müssten allerdings ihre explizite Zustimmung geben, ob sie mit einer solchen Forschung und der daraus entstehenden therapeutischen Verwendung der Zelllinien einverstanden sind, und es müsste dafür gesorgt werden, dass der Entschluss abzutreiben unabhängig davon ist, einen Embryo zu spenden. Es gäbe genügend gespendete Embryos aus IVF-Behandlungen, so dass man nicht zusätzlich für die Forschung andere Embryos benötige. Allerdings spricht sich der Council dafür aus, dieses Thema weiterhin zu überprüfen.

Kritiker wenden natürlich ein, dass die erwähnte Achtung vor dem Embryo eigentlich nur verschleiert, dass es zur Gewinnung der Stammzellen getötet werden müsse. Das Problem könnte sich natürlich dann entschärfen, wenn man Stammzellen aus den Körpern entnimmt, was in einigen Experimenten schon gelungen ist. Ein anderer Vorwurf zielt darauf, dass die Mitglieder des Council keine unabhängige Meinung vertreten, weil die meisten wissenschaftlich oder auch kommerziell in die Forschung involviert seien.

http://www.heise.de/tp/artikel/6/6715/1.html
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