Kooperation und Verführung

Florian Rötzer 04.05.2000

Einzigartiges kooperatives Verhalten von parasitären Insekten

Kooperation ist eine mächtige Waffe, um Gegner zu besiegen. Und Täuschung sowie Mimikry sind überall in der Natur anzutreffende Strategien, um andere hereinzulegen oder zu verführen. Wenn Kooperation und Täuschung dann noch in Zusammenhang mit Sexualität auftreten, ist die Falle oft ziemlich unwiderstehlich. Eine besonders perfide Strategie haben Biologen jetzt bei Käferlarven entdeckt, die gemeinsam Bienen austricksen.

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In der Mojave-Wüste haben John Hafernik und Leslie Saul-Gershenz von der San Francisco State University, wie sie in Nature schreiben, ein einzigartiges Schauspiel beobachten können, bei dem Hunderte von Ölkäferlarven kooperieren, um als Parasiten in ein Bienennest zu gelangen. Winzige Larven von Meloe franciscanus krabbeln aus den Eiern, die am Sand abgelegt wurden, den nächstgelegenen Stengel einer Pflanze hoch und klumpen sich dort zu sogenannten Triungulinus-Knäueln zusammen, um ein Bienenweibchen (Habropoda pallida) zu imitieren, wobei sie vermutlich auch deren Geruch reproduzieren.

Das gelingt ihnen offenbar zumindest so geschickt, dass sie eine Falle für die Bienenmännchen darstellen, die sich auf die anziehend duftende Attrappe niederlassen, um sie zu begatten. Das ist der Moment, den möglichst viele Larven nutzen, um sich an den Haaren auf der Unterseite der Biene festzuklammern. Bei den weiteren sexuellen Abenteuern können die Larven es erreichen, auf Bienenweibchen überzuspringen, die sie schließlich in die Nester mitnehmen. Dort ernähren sich die Larven dann von den Bieneneiern, den Pollen und dem Honig, der für die jungen Bienen gedacht ist.

"Auch wenn kooperatives Verhalten unter stark sozialen Insekten wie Bienen und Ameisen verbreitet ist, wurde es bei diesen Käfern niemals beobachtet", sagt Hafernick. "Überdies ist bislang kein anderes Insekt bekannt, das kooperatives Verhalten einsetzt, um andere anderen nachzuahmen." Einmalig sei auch, dass Parasiten kooperieren, um ihren Wirt zu übertölpeln.

Um zu sehen, ob es tatsächlich auch olfaktorische Signale gibt, befestigten die Wissenschaftler in der Nähe der Larvenansammlungen ähnlich aussehende Modelle. Die männlichen Bienen beachteten diese Modelle überhaupt nicht, sondern steuerten die Larvengruppen auch dann an, wenn sie sich erst zu bilden begannen. Daher nehmen die Wissenschaftler an, dass die Larven Pheromone abgeben, um die Bienen anzuziehen, und andere Duftstoffe, um einen Bienenattrappe zu bilden.

http://www.heise.de/tp/artikel/6/6769/1.html
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