Befruchtet den Weltraum!

Florian Rötzer 09.05.2000

Wenn es vielleicht schon Leben nur auf der Erde gibt, dann sollten die Menschen wenigstens irdisches Leben im Weltraum verbreiten, also die Panspermien-Theorie realisieren

Ob das Leben auf der Erde entstanden ist, die Erde "geimpft" wurde oder mit Meteoriten Leben auf sie gelangte, ist noch unbekannt. Noch weiß man auch nicht, ob es überhaupt noch irgendwo anders als auf der Erde Leben gibt. Falls es da draußen kein Leben geben sollte, könnte man das ja verändern und die von manchen vertretene Panspermien-Theorie zumindest für die Zukunft in die Tat umsetzen.

  • mobil
  • drucken
  • versenden
Influenza-Viren, Foto

Die Panspermien-Theorie, Ende des 19. Jahrhunderts vom Chemie-Nobelpreisträger Svante Arrhenius aufgestellt, geht davon aus, dass überall im Weltraum Samen des Lebens vorhanden sind und ständig auf die Erde sowie auf andere Planeten regnen. Heute wird die Theorie etwa von dem britischen Astronomen Fred Hoyle und seinem Kollegen Chandra Wickramasinghe vertreten, die behaupten, dass auch jetzt noch Viren und Bakterien mit Kometenstaub auf die Erde gelangen und beispielsweise Grippeepidemien auslösen (Grippeviren aus dem Weltall?). Es gibt aber auch Vertreter der "gerichteten Panspermie" wie Francis Crick oder Leslie Orgel, die meinen, dass die ersten Keime des Lebens mit einem Raumschiff einer anderen Zivilisation auf die Erde gelangt sein könnten.

Ein Anhänger der Panspermien-Theorie ist auch Michael Mautner, ein Chemiker von der Lincoln University in Canterbury, New Zealand, der das Projekt Society for Life in Space (SOLIS) im Rahmen der Interstellar Panspermia Society ins Leben gerufen hat. Und Mautner will, falls dies nicht von sich aus geschieht, das Leben im Weltall verbreiten und Planeten damit impfen. Schließlich sei die Ausbreitung des Lebens der eigentliche Zweck des Lebens. Da die Menschen ein Teil des Lebensprozesses sind, haben auch sie den Auftrag, Leben auszubreiten und zu bewahren, zumindest wenn sie die Prinzipien der von Mautner vertretenen panbiotischen Ethik befolgen. Leben auf der Erde wird es nicht immer geben, meint Mautner, zumindest wird es mit dem Tod der Sonne ebenfalls enden. Auch wenn "unsere Zivilisation weiter fortschreiten und lange existieren würde, wird sie schließlich umweltbedingten, nuklearen oder kulturellen Bedrohungen zum Opfer fallen." Also sei es doch vernünftig, angesichts der unsicheren Zukunft jetzt dafür zu sorgen, dass das irdische Leben überleben kann: "Die Expansion in die Milchstraße wird das Leben bewahren. Sie wird dem Leben ermöglichen, neue Formen zu entwickeln und zu einer steuernden Kraft in der Natur zu werden."

Wieder zum Leben erweckte Bakterien aus 30 Millionen Jahre alten Sporen

Allerdings will Mautner nicht blindlings Pakete mit gefriergetrockneten Bakterien im Weltraum verschicken, wobei er an Solarsegel denkt, die von Raumstationen losgeschickt werden, sondern den Akt des "ultimativen Altruismus" nur auf solche Planeten richten, auf denen ziemlich sicher kein Leben existiert, so dass irdisches Leben nicht mit dem auf Planeten heimischen Leben kollidiert. In Frage kämen dabei vornehmlich junge Planeten, auf denen Leben noch nicht hat entstehen können. Mautner denkt etwa an das Dunkelwolkensystem Rho Ophiuchi, das über 500 Lichtjahre von der Erde entfernt ist. Ab 2050 wären für ihn solche Missionen einer in die Tat umgesetzten Panspermien-Theorie technisch durchführbar.

An Sonnensegeln wird jetzt schon gearbeitet (Mit Sonnensegeln zur großen galaktischen Symphonie). Mautner denkt daran, eine ganze Flotte solcher Segel, die vom Licht angetrieben mit ihrer Ladung von wenigen Gramm gefrorener Bakterien auch viele Millionen Jahre lang durch das Weltraum treiben können, abzuschicken. Wenn sie dann auf einem Planeten ankommen, könnten die mitgebrachten Bakterien oder Sporen dann auftauen und den Planeten impfen. Man könnte die Segel aber auch auf Meteoriten oder Asteroiden richten, die dann die Lebensladung mitnehmen und schließlich vielleicht irgendwann auf einen Planeten transportieren.

John Rummel, bei der NASA verantwortlich für den Schutz der Planeten, ist von der Idee allerdings nicht so begeistert: "Ich glaube nicht, dass es besonders verantwortlich ist, Sporen in Pakete zu füllen und sie in den Weltraum zu befördern." Die NASA stellt jedenfalls sicher, dass ihre Sonden, die auf anderen Planeten landen, diese nicht kontaminieren - und sie sorgt auch dafür, dass möglichst keine Sporen oder Bakterien von Missionen auf die Erde gelangen. Auch das Outer Space Treaty verbietet die Kontamination anderer Planeten.

Der Physiker Freeman Dyson hingegen ist von der Idee Mautners angetan: "Ich finde die Tendenz des Lebens, sich auszubreiten und den ganzen unbesetzten Raum zu kolonisieren, sehr attraktiv." Auch Sporen von anderen Welten auf die Erde kämen, hätte er keine Sorge: "Es wäre sehr spannend, eine zweite Lebensform zu beobachten, und Aliens werden vielleicht dasselbe denken, wenn sie unsere Samen erhalten."

http://www.heise.de/tp/artikel/6/6781/1.html
Kommentare lesen (8 Beiträge) mehr...
>
<

Darstellungsbreite ändern

Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.

Organische Riesenmoleküle im Weltraumstaub gefunden

Grundbausteine des Lebens?

Das Ende der Welt

Schon in einer halben Milliarde Jahren könnte es Schluss sein mit dem Leben auf der Erde

With a little help from my friends ...

Ein in unterschiedlichen extremen Lebensbedingungen lebendes Bakterium könnte für die Erschließung des Weltraums durch Menschen von Bedeutung sein

Extrasolare Planeten mit den Voraussetzungen für Leben entdeckt

Die Planetenjäger suchen nach Aufmerksamkeit

Leben auf dem Mars oder auf Europa?

Oder: Woher stammt das Leben auf der Erde?

Cover

Mensch+

Upgrade-Revolution für Homo sapiens
Das neue Telepolis-Special

Aktive und passive Alien-Artefakte im Sonnensystem

SETA - Spurensuche nach dem extrasolaren Monolithen - Teil 2

Ein neuer Bundespräsident?

Wulff will aussitzen, aber die Geduld ist am Ende. Soll er endlich, aber schnell seinen Hut nehmen?

abstimmen

Humanitäre Intervention als propagandistischer Normalfall

Peter Mühlbauer 20.10.2009

Interview mit Christoph Kampmann zur Geschichte eines Phänomens

In den letzten zwanzig Jahren begannen militärische Auseinandersetzungen mehrfach als "Humanitäre Interventionen". Der Historiker Christoph Kampmann hat entdeckt, dass die für solche Eingriffe eingesetzten Argumentationen nicht erst in der Ära nach dem Kalten Krieg entstanden, sondern weitaus früher zum Einsatz kamen.

weiterlesen
FOTOBLOG

Der schöne Schein

Firewall mit Windows

bilder

seen.by


TELEPOLIS