NSA privatisiert Teil ihrer Aufgaben

Ralf Bendrath 08.06.2000

Der US-Abhörgeheimdienst will sich auf sein Kerngeschäft beschränken

Auch die supergeheimen Geheimdienste können sich offenbar nicht dem Zwang des Neoliberalismus entziehen. Stand vor wenigen Jahren das Kürzel "NSA" noch scherzhaft für "no such agency", so wurde in letzter Zeit eine überraschende Wende in der Öffentlichkeitsarbeit des US-Abhörgeheimdienstes National Security Agency vollzogen.

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Nicht zuletzt getrieben durch die Echelon-Debatteund die zunehmende Kritik des US-Kongresses an dem riesigen, parlamentarisch nicht kontrollierten Apparat hatte die Agentur ganz entgegen ihrer Tradition öffentlich interne Probleme bekannt gemacht ( Der amerikanische Geheimdienst NSA ist technisch und organisatorisch in Nöten). So wurde im Januar von einem fünftägigen Ausfall der Rechnersysteme berichtet, die normalerweise mit der Durchforstung von abgehörter Kommunikation befasst sind (Computerausfall bei der NSA), und vor wenigen Tagen gab NSA-Direktor Michael Hayden durch die Blume zu verstehen, dass die zunehmende Verbreitung von Verschlüsselungstechnologie immer größere Probleme für die nationalen Codebrecher zur Folge hat.

Vor allem dieser Punkt war es, der jetzt zu einer dramatischen Wende in der NSA-Politik führte. Wie Hayden am 7. Juni erklärte, wird "sofort" Geld für Investitionen gebraucht, um gegen Verschlüsselungssoftware wie Pretty Good Privacy anrechnen zu können und der zunehmenden Datenflut wieder Herr zu werden. Auch die schwer abzuhörenden Glasfaserkabel und Mobiltelefone erfordern offenbar neue Technologien für die ehemals unbestrittenen Vorreiter in den Bereichen Kryptografie und Abhörtechnologie.

Um die Kosten zu senken und sich nicht zu verzetteln, wird von der NSA daher nun die Konzentration aufs Kerngeschäft betrieben. Künftig sollen die Aufgaben, die nicht zu den Kernbereichen Signalaufklärung (SIGINT) und Informationssicherheit gehören, von privaten Computerfirmen übernommen werden. Dazu gehören die vier Bereiche verteilte Rechnersysteme, Unternehmens-/Sicherheitsmanagement, Netzwerke und Telefonie. Diese sollen der Industrie mit einem Zehnjahresvertrag im Wert von fünf Milliarden Dollar übertragen werden. Laut Informationen der Washington Post haben sich bereits drei Industriekonsortien gebildet, die um diese Aufgabe konkurrieren. Welche Firmen sich im einzelnen Ende November bewerben werden, wurde nicht bekannt.

Dieses Outsourcing ist das Ergebnis einer fünfzehnmonatigen Machbarkeitsstudie, die im vergangenen Jahr unter dem Namen "Groundbreaker" begonnen wurde. Dabei wurden auch interne Umstrukturierungen in Erwägung gezogen, aber letztlich der Privatwirtschaft stärker vertraut. Die starren und innovationsfeindlichen Strukturen der NSA waren in den letzten Jahren immer wieder ins Gerede gekommen. Mit dieser Public-Private Partnership folgt die NSA dem Beispiel des CIA, der bereits im Oktober 1999 die Gründung einer Risikokapitalfirma bekannt gegeben hatte, um einen schnelleren Zugriff auf High-Tech aus dem zivilen Bereich zu bekommen (Q, Tüftler in James Bond Filmen, wird Pate von CIA).

Die endgültige Entscheidung über die Privatisierung der Aufgaben wird bis zum nächsten Frühjahr verschoben, nachdem im Rahmen eines "organisierten Wettbewerbes" Kosten und Nutzen der Privatisierung gegeneinander abgewogen werden. Der Zuschlag soll im April 2001 erteilt werden. Andere Dienste im Bereich der Informationstechnologie sollen bei der NSA verbleiben, aber mit "neugestalteten Abläufen und Leistungsmaßstäben", so die NSA in ihrer Pressemitteilung.

Falls die Privatisierung wie geplant vollzogen wird, dürften nach Angaben der Washington Post 1200 bis 1500 Mitarbeiter und 800 "Auftragnehmer" ihre Jobs verlieren. Alle NSA-Angestellten würden jedoch eine Garantie erhalten, bei dem erfolgreichen Bieter eine neue Anstellung zu finden.

http://www.heise.de/tp/artikel/6/6839/1.html
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