EXPO2000 macht Zensur rückgängig, entschuldigt sich aber nicht
"Wir hoffen, dass dies ein einmaliger Vorgang war." / Einigung erst nach massivem Druck aus Politik, Kirchen und Wirtschaft
Die Organisatoren der Weltausstellung EXPO2000 in Hannover haben ihre Entscheidung rückgängig gemacht und die Ausstellungsbeiträge zu Menschenrechtsverletzungen in der Türkei wieder installiert. Der Vorstandsbeauftragte von amnesty international für die EXPO2000, Uwe Kirchner hofft, dass dieser Vorgang einmalig war."
Sowohl das dreiminütige Video ist wieder zu sehen, in dem die Situation von Kindern und Jugendlichen als Folteropfer der Polizei in Manissa dargestellt wird, als auch die dazu gehörenden Schautafeln. Diese mussten neu produziert werden, weil die ursprünglichen Schautafeln vernichtet bzw. überklebt worden waren. Von Seiten der EXPO2000 gibt es auch weiter keine Stellungnahme zum Entfernen des Türkei-Beitrages und erst recht keine Entschuldigung.
Inzwischen erregt ein weiteres Exponat Anstoß, ein Felsbrocken von zwei mal zwei Metern Ausmaßen - stellvertretend für die 2.500 Mrd. US-Dollar schwere Schuldenlast von Ländern der so genannten Dritten Welt. Unter ihm werden die Maiskolben erdrückt, einige wenige lugen zerknickt darunter hervor, und ein Schild sagt noch einmal deutlich, was inzwischen jedem klar sein sollte: "Schulden verhindern Entwicklung". Der Kölner G7-Gipfel hatte 1999 für einige hochverschuldete Länder einen teilweisen Erlass ihrer Schulden beschlossen. Das blieb bislang ohne Folgen. Wirtschaftsvertreter kritisieren dieses Mahnmal am Christus Pavillon als "plumpe Agitprop-Kunst", die Besuchern die Freude an der Expo einschränke. Am 22. Juli bei Beginn des G7-Gipfel im japanischen Okinanawa wird die Installation sowieso abgebaut, eine Beseitigung vorher durch die EXPO2000 ist daher kaum zu befürchten.
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