Die Enfopol-Papiere

Europäische Minister holen zum Schlag gegen Cyberkriminalität aus

Jelle van Buuren 30.07.2000

Informelles Meeting der Justizminister setzt Cyberkriminalität ganz oben auf die Agenda

  • mobil
  • drucken
  • versenden
  • english version
Die Justizminister der EU-Staaten erklärten nach ihrem informellen Treffen am letzten Freitag und Samstag in Marseille, dass sie neue Gesetze zur Bekämpfung von Cyberkriminalität im Sinn haben. Frankreich, das in den nächsten 6 Monaten die EU-Präsidentschaft inne hat, hat Cyberkriminalität zu einem der Hauptthemen gemacht, das bezüglich der Zusammenarbeit in Justizangelegenheiten angegangen werden müssten.

Die französische Justizministerin Elisabeth Guigou erklärte, das Internet sei im Begriff, eine "gesetzesfreie Zone" zu werden. Laut Guigo sei die EU langsam in der Bekämpfung der schnell ansteigenden Kriminalität im Internet gewesen. Guigo kündigte an, die EU würde die Zusammenarbeit mit den G8 und der UNO nun zu verbessern versuchen. Die EU möchte auch die Verhandlungen über einen Vertrag des Rats der Europäischen Union über Cyberkriminalität vorantreiben.

Der EU-Kommissar für Justiz und Inneres, Antonio Vitorino, stellte auch neue Vorschläge vor, wonach gemeinsame Regeln zur Bekämpfung von Cyberkriminalität geschaffen werden sollen. Diese Regeln würde man benötigen, um z.B. der Polizei die Befugnis zu erteilen, Computerdaten in anderen Ländern zu beschlagnahmen. Auch sollten Internetverbrechen in allen EU-Ländern zu Straftaten erklärt werden.

Vitorino gab an, dass existierende Formen der wechselseitigen Zusammenarbeit ungeeignet für schnelle und komplexe Ermittlungen im Internet wären. Deshalb schlug er letzten Mittwoch den sogenannten "Mechanismus zur wechselseitigen Anerkennung von strafrechtlichen Entscheidungen" bei Internetermittlungen vor. Dieser Mechanismus bedeutet, dass ein Gerichtsentscheid oder eine Anordnung EU-weite Gültigkeit erhält. Das würde die Mitgliedsstaaten zwingen, auf Verfügungen zu reagieren, die bereits im Ermittlungsstadium und noch vor einem Gerichtsverfahren getroffen wurden (wie z.B. Haftbefehle, Zeugenvorladungen und Sicherstellung von Beweismitteln). Das würde die europäische Polizei-Zusammenarbeit vereinfachen und beschleunigen.

Vitorino kündigte auch an, dass die Kommission neue Gesetze gegen Kinderpornografie, Drogenschmuggel, Rassismus und Hacking plant.

http://www.heise.de/tp/artikel/6/6940/1.html
Kommentare lesen (1 Beiträge)
>
<

Darstellungsbreite ändern

Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.

Cover

Mensch+

Upgrade-Revolution für Homo sapiens
Das neue Telepolis-Special

Ein neuer Bundespräsident?

Wulff will aussitzen, aber die Geduld ist am Ende. Soll er endlich, aber schnell seinen Hut nehmen?

abstimmen

Humanitäre Intervention als propagandistischer Normalfall

Peter Mühlbauer 20.10.2009

Interview mit Christoph Kampmann zur Geschichte eines Phänomens

In den letzten zwanzig Jahren begannen militärische Auseinandersetzungen mehrfach als "Humanitäre Interventionen". Der Historiker Christoph Kampmann hat entdeckt, dass die für solche Eingriffe eingesetzten Argumentationen nicht erst in der Ära nach dem Kalten Krieg entstanden, sondern weitaus früher zum Einsatz kamen.

weiterlesen
FOTOBLOG

Der schöne Schein

Firewall mit Windows

bilder

seen.by


TELEPOLIS