Mögliche Spuren von Leben auf dem Mars entdeckt

27.02.2001

Nasa-Forscher haben auf dem Meteoriten ALH84001 neue Hinweise auf einstiges Leben gefunden

Wenn Hinweise auf Leben auf dem Mars gefunden werden sollten, dann wäre der Grund natürlich desto größer, nicht nur im Film oder irgendwann in diesem Jahrhundert, sondern möglichst bald auch eine bemannte Mission zum roten Planeten zu schicken. Bislang sind zumindest Menschen den Robotern in vielen Dingen noch weit überlegen, auch wenn die Kosten einer solchen Mission natürlich sehr viel höher liegen. Seit die Nasa 1996 auf dem Meteoriten ALH84001 angeblich Spuren von Mikroorganismen entdeckt hatte, gehen Suche, Widerlegungen und Spekulationen Hand in Hand.

Oberes Bild: Kristallkette in magnetotaktischen Bakterien. Unteres Bild: Magnetit-Kristalle im Marsmeteoriten

Ein "internationales Wissenschaftlerteam" der Nasa schürt einmal wieder die Hoffnung, dass es doch Leben auf dem Mars gegeben haben könnte, nachdem es auf dem bekannten Meteoriten Magnetit-Kristalle entdeckt hat. Die Kristalle seien in so langen Ketten geordnet, dass diese nur von einst lebendigen Organismen hätten gebildet werden können, schreiben die Nasa-Wissenschaftler in der neuesten Ausgabe der Proceedings of the National Academy of Sciences.

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"Die Ketten, die wir entdeckt haben, sind biologischen Ursprungs", sagt Imre Friedmann, der Leiter des Teams. "Eine solche Kette von Magneten außerhalb eines Organismus würde aufgrund der magnetischen Kräfte. sofort in einem Klumpen zusammenfallen." Jeder Kristall in der Kette ist ein winziger Magnet. Möglicherweise haben die Magnetit-Ketten als "Kompass" für die Bakterien gedient, in deren Zellen sie eingelagert waren. Während die Bakterien selbst aber keine Spuren hinterlassen haben, hätte der Meteorit die Ketten vor dem Zerfall geschützt.

Die Wissenschaftler vermuten, dass vor immerhin 3,9 Milliarden Jahren ein Asteroid auf dem Mars eingeschlagen sei, der die Magnetit-Ketten in winzige Spalten des Steins gepresst und die Bakterien vernichtet habe. Dann sei dieser Stein durch denselben Asteroiden oder einen anderen, der später kam, zunächst in den Weltraum und schließlich auf die Erde geschleudert worden.

Wie eine andere Wissenschaftlergruppe der Nasa ebenfalls in den Proceedings berichtet, gleichen die Magnetit-Kristalle denen von jetzt auf der Erde lebenden magnetotaktischen Bakterien, die sich damit orientieren. Allerdings untersuchten die Wissenschaftler bei diesen Bakterien nur einzelne Kristalle. Mit einer Technik, mit der sich die Magnetit-Ketten im Meteorit sehen lassen, ohne diese zu zerstören, konnte man überdies feststellen, dass die einzelnen Kristalle etwa gleich groß sind und einander nicht berühren, und dass die Kette flexibel ist. Das sei ein weiteres Indiz für ihren biologischen Ursprung.

Für Friedmann eröffnet der Fund bereits einen neuen Forschungshorizont: "Bislang glich die Erforschung des Lebens dem Versuch, eine Kurve nur von einem Punkt aus zu ziehen - vom irdischen Leben aus. Jetzt haben wir zwei Datenpunkte, um die Lebenskurve zu zeichnen." Wenn sich nämlich aus den Magnetit-Ketten tatsächlich auf Bakterien zurückschließen ließe, dann müssten viele Bakterien auf dem Stein gelebt haben - und folglich auch auf dem Mars. Überdies benötigen irdische magnetotaktische Bakterien geringe Mengen an Sauerstoff, so dass verwandte Bakterien vom Mars ein Hinweis darauf wären, dass es dort auch sauerstoffproduzierende Bakterien gegeben haben müsste, also zumindest bis vor 3.9 Milliarden Jahren eine ähnliche Evolution wie auf der Erde stattgefunden haben könnte.

Jetzt fehlen halt nur noch direkte Hinweise auf die Existenz von Marsbakterien.

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