Vater des Bits

Konrad Lischka 01.03.2001

Der Mathematiker Claude Shannon ist gestorben

Bei der Braunsche Röhre der Fernsehers fällt es nicht schwer, an den Physiker Ferdinand Braun zu denken. An wen aber erinnert man sich bei Megabit, bei bit per second oder Bitmap? Der amerikanische Mathematiker Claude Shannon hat den Begriff Bit für die kleinste Informationseinheit erfunden. Wie jetzt bekannt wurde, starb er am Wochenende im Alter von 84 Jahren.

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Vom Bit sprach Shannon erstmals 1940 in seiner Doktorarbeit "Symbolic Analysis of Relay and Switching Circuits" am Massachusetts Institute of Technology (MIT). Ausgangspunkt war die Frage, wie man menschliche Vermittler in Telefonzentralen ersetzen könnte. In der Arbeit beschreibt Shannon die Anwendung Boolscher Logik - also der Formulierung und Lösung von Problemen mittels der beiden Symbole 0 und 1 - in elektronischen Schaltkreisen. Shannon hat damit die Grundlagen der Informatik formuliert und den Bau der heutigen digitalen Computer ermöglicht. Ihre integrierten Schaltkreise reduzieren alle Probleme auf das Erkennen niedriger (0) und hoher Spannungen (1).

Shannon wurde 1916 geboren. Er studierte bis 1936 Mathematik an der University of Michigan, wechselte dann für die Doktorarbeit zum MIT. Während des Zweiten Weltkriegs war er als Kryptograph in den Bell Laboratories tätig, wo er bis 1958 in der zivilen Forschung arbeitete. 1948 hat Shannon seine zweite bahnbrechende wissenschaftliche Arbeit veröffentlicht. "A Mathmatical Theory of Communication" ging einer praktischen Frage nach: Wie kann eine Nachricht ohne Informationsverlust durch eine gestörte Telefonleitung gelangen? Shannons Antwort waren wieder Nullen und Einsen. In dieser Sprache ist jede Information unabhängig vom Inhalt zu kodieren. Mit ein paar zusätzlichen Bits kann der Sinn im Fall einer Störung wieder hergestellt werden. Die Theorie ist Grundlage für den Transport der riesigen Datenmengen im Internet. Praktische Anwendung war für Shannon nie Folge, sondern immer Ausgangspunkt der Theorie. Er liebte das Basteln an Dingen wie Roulettecomputern oder raketengetriebenen Frisbees.

Abends fuhr er jonglierend auf seinem Einrad durch die Gänge der Bell Laboratories. Claude Shannon starb mit 84 Jahren am Samstag an den Folgen seiner Alzheimer-Erkrankung.

http://www.heise.de/tp/artikel/7/7027/1.html
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