Alte Besen kehren gut

08.03.2001

Der Ku Klux Klan macht sich im Schutz der Justiz um die Sauberkeit auf Amerikas Straßen verdient

Schon 1994 beantragte "Hexenmeister" Michael Cuffley für die Missouri Ritter des Ku Klux Klan, an der landesweiten Aktion zur Säuberung amerikanischer Highways "Adopt-A-Highway" teilnehmen zu dürfen. Als Belohnung erhält die freiwillige Rittermüllabfuhr ein schmuckes Straßenschild, das ihren Kampf um Amerikas Sauberkeit würdigt. Während der Staat Missouri und das Justizministerium die Kreuzritter in den weißen Roben nicht an die freiwillige Arbeitsfront ziehen lassen wollten, hat nun das höchste amerikanische Gericht, der Supreme Court, zu Gunsten des Ku Klux Klan entschieden.

Missouris klare Absage gegenüber rassistischer Gewalt und der Diskriminierungspolitik des Klans, der nur Arier als Mitglieder zulässt, verfing eben so wenig wie der Hinweis von 28 Staaten, dass der Klan damit als wertvolles Mitglied der Gemeinschaft akzeptiert würde - wie etwa der Rotary Club, der einen anderen Straßenabschnitt in der Nähe der "arischen Meile" adoptiert hat. Das Gericht verschloss sich - aus nicht näher ausgeführten verfassungsrechtlichen Gründen - auch der Auffassung des Justizministeriums, dass die nationalen Bürgerrechte verletzt sieht, wenn Rassisten an einem Regierungsprogramm beteiligt würden. Die grundrechtsrelevante Argumentation dürfte allerdings in den Ausführungen des vorinstanziellen Berufungsgerichts bereits beinhaltet sein. Die konstitutionelle Garantie der "freien Rede" schütze jeden, selbst wenn die Standpunkte so offensichtlich diskriminierend und widerwärtig seien wie jene des Klans. Nachvollziehbar hatten aber die Anwälte Missouris kritisiert, in der Beteiligung der weißen Ritter würde das Recht des Staates verletzt, seine Selbstdarstellung in der Öffentlichkeit kontrollieren zu dürfen.

Unabhängig von der Reichweite verfassungsrechtlich verbürgter Grundrechte ist der Fall delikat bis geschmacklos: Ausgerechnet eine Meile der "Interstate 55" wurde von den Putzkolonnen des "unsichtbaren Reichs" adoptiert, jene Strecke, die von farbigen Fahrstudenten auf ihrem Busweg in die Kreisschulen genutzt wird, die seit der Aufhebung der Rassentrennung auch Afroamerikanern zur Verfügung stehen. Während der Klan früher zur symbolischen Einschüchterung seiner Opfer Kreuze verbrannte, bevor er zu Auspeitschungen bis hin zur Lynchjustiz schritt, gewährt ihm der Staat nun ein öffentliches Ehrenmal, das weithin sichtbar auch geeignet sein dürfte, zukünftige Opfer von den Verdiensten "arischer" Sauberkeit zu überzeugen.

Schon immer stützte sich faschistischer Rassenwahn auf einen tiefenwirksamen Mythos von Sauberkeit und Unsauberkeit, Schwarz und Weiß, Hell und Dunkel. "Ethnische Säuberungen", die todverheißenden Analogien von verfolgten Gemeinschaften mit Ungeziefer gehören zu einem Verfolgungsrepertoire, das mehr oder weniger bewusst Unreinheit mit Anderssein gleichsetzt. Die nationalsozialistische Verfolgung von Juden hat nicht den geringsten Teil ihrer Propaganda darauf verwendet, Zwangsvorstellungen der Blutreinheit und vorgeblich deutschspezifischer Sauberkeit in die Köpfe einzubrennen und auszunutzen. Es bekräftigt diesen Mythos, dass man Hitler nach freudianischen Kriterien "anal-sadistische" Reinlichkeit nachsagte wie eben auch die weißen Roben und Kapuzen des Klans symbolische Kampfmittel sind, die nach wie vor dessen rassistische Folkloreveranstaltungen im Geiste von Menschenverachtung und Waschmittelmythen erglänzen lassen.

Aber bekanntlich gibt es nicht nur die gehässigen Folkloreauftritte der ca. 6.000 verbliebenen Reichsritter, sondern der vormals mächtige Klan ist auch im Netz präsent und hat sich hier mit Neonazis und Skins wie den "Angry Aryans", den "Bully Boys" oder der "Patriotic Front", sowie den "Aryan Nations" und anderen Faschisten "vermischt". Inzwischen präsidiert allerdings manchem (Unter)Klan nur noch ein einziges Mitglied, der ein Imperium von der jeweiligen Größe seiner Website beherrscht.

Unabhängig von der reduzierten Bedeutung des Ku Klux Klan wäre es aber wohl vorzuziehen gewesen, wenn die Hüter der Verfassung den Hütern blitzblanker Highways diese "Good-Will-Aktion" versagt hätten, um sie auf ideologische Selbstreinigung sowie die Wiedergutmachung gegenüber ihren Opfern und deren Kinder zu verweisen. Aber das wäre ein moralisches Argument, das im freiheitlichen Verfassungsselbstverständnis Amerikas offensichtlich nicht zwingend ist. Kehren wir also wieder vor der eigenen Tür...

x
Fehler melden
Telepolis zitieren
Vielen Dank!
Anzeige
Anzeige
Hellwach mit Telepolis
Anzeige
Cafe
Telepolis-Cafe

Angebot des Monats:
Kaffee und Espresso aus Nicaragua in der Telepolis-Edition für unsere Leser

Cover

Aufbruch ins Ungewisse

Auf der Suche nach Alternativen zur kapitalistischen Dauerkrise

Anzeige
Cover

Die Form des Virtuellen

Vom Leben zwischen den Welten

bilder

seen.by

Mit dem Schalter am linken Rand des Suchfelds lässt sich zwischen der klassischen Suche mit der Heise-Suchmaschine und einer voreingestellten Suche bei Google wählen.

Tastenkürzel:

ctrl-Taste:
Zum Wechseln zwischen Heise- und Google-Suche

esc-Taste:
Verlassen und Zurücksetzen des Eingabe-Felds

Buchstaben-Taste F
Direkt zur Suche springen

SUCHEN

Mit dem Schalter am linken Rand des Suchfelds lässt sich zwischen der klassischen Suche mit der Heise-Suchmaschine und einer voreingestellten Suche bei Google wählen.

SUCHEN

.
.