Der Tagish-Lake-Meteorit enthält fast keine Aminosäuren
US-Wissenschaftler, die den Meteoriten seit einem Jahr untersucht haben, sehen ihre hohen Erwartungen nicht erfüllt
Der Gesteinsbrocken enthält nicht das organische Material, das sie erhofft hatten. Die Kollegen in England sind dagegen begeistert, wie viele Grund-Bausteine des Lebens er beinhaltet.
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Am 18. Januar 2000 erhellte ein farbiger Feuerball, der einen Schweif hinter sich her zog, die Nacht über Tagish Lake in Kanada. Der Himmel schien zu brutzeln, ein Geruch von Schwefel und heißem Metall lag in der Luft. Der Meteorit schlug nach einige Minuten auf das Eis des Sees, eine Detonation, welche die Erde erbeben ließ. Durch die Satellitenüberwachung der Erde stand schnell fest, dass ein Asteroid von 200 Tonnen Gewicht und 4-6 Metern Durchmesser in die Erd-Atmosphäre eingetreten war.
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Der "Tagish-Lake-Meteorit", wie er benannt wurde, ist der größte Meteorit, der je auf kanadischem Boden aufschlug. Und es war ein seltenes Glück, dass er auf dem Eis des Sees die Erde berührte, dadurch konnten viele Stücke geborgen und in bestem Erhaltungszustand sofort konserviert werden. Zuerst ein Hobby-Astronom und dann Wissenschaftler der University of Western Ontario waren sofort zur Stelle, um die schwarzen Brocken in Eis zu bergen, insgesamt Hunderte von Stücken mit mehreren Kilogramm Gewicht. Schnell stand die Sensation fest: Es handelte sich um einen kohlenstoffhaltigen Chondriten, einen einfachen, ursprünglichen und an organischem Material reichen Meteoriten.
Chondriten werden extrem selten gefunden. Sie machen nur ca. drei Prozent aller Meteoriten aus, die je wissenschaftlich untersucht wurden, denn sie zersetzen sich ausgesprochen schnell. Sie sind auch nicht mit Metalldetektoren aufzuspüren wie die Stein-Eisen-Meteoriten. Die Wissenschaftler nehmen an, dass Chondriten älter sind als die Planeten, also zum primitivsten Material gehören, das wir kennen, und dass sie dadurch Aufschlüsse über die Entstehung des Weltalls und des Sonnensystems geben können. Sie waren im Zuge ihrer Entstehung Wasser und extrem hohen Temperaturen ausgesetzt. Der Tagish-Lake-Meteorit ist 4,5 Milliarden Jahre alt.
Nie zuvor waren so viele Stücke in chemisch unveränderten Zustand geborgen worden. "This is the find of a lifetime," kommentiert Peter Brown von der Western Ontario, und sein Kollege Alan Hildebrand von der University of Calgary ergänzt: "Of all the times I dreamed of finding meteorites, I never thought of finding them like this, ... We believe these to be the most fragile meteorites ever recovered."
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| Ein Stück Tagish Lake Meteorit in Eis |
Nach einem Jahr Untersuchungszeit zeigen sich die amerikanischen Forscher jetzt trotz allem von dem sensationellen Fund enttäuscht. Der Tagish-Lake-Meteorit enthält keinen der organischen Bausteine, die das Leben auf der Erde initiiert haben könnten. Schon länger wird darüber spekuliert, ob die Grundbausteine des Lebens möglicherweise durch Kometen oder Meteoriten auf die Erde kamen (Leben auf dem Mars oder auf Europa?). Vor 4 Milliarden Jahren könnten so Aminosäuren und andere biochemische Komponenten aus dem All unseren Planeten befruchtet haben.
Der Tagish-Lake-Meteorit ist eine Sensation - aber er enthält kaum die organischen Komponenten, die sich die Wissenschaftler versprochen hatten. "We thought we would get all the answers that we wanted," kommentierte die Exobiologin Sandra Pizzarello von der Arizona State University gegenüber CNN), "It turned out to be totally opposite of what we were expecting. It has a suite of its own organics. It contains nearly no amino acids, but high concentrations of hydrocarbon molecules, stardust grains and clays that form in the presence of liquid water."
Der andere Teil der Meteoriten-Probe wurde in England untersucht. Forscher des Natural History Museum) in London und der Open University analysierten ein Stückchen von weniger als 10 mg, ungefähr das Gewicht eines Reiskorns. Sie stellten fest, dass der Meteorit reich an Kohlenstoff, Stickstoff, Wasserstoff und Schwefel ist. Der Tagish-Lake-Meteorit ist also ein sehr ungewöhnlicher Meteorit, der mit Kometen eng verwandt ist. Beim UK National Astronomy Meeting in Cambridge berichtete Dr. Monica Grady vom NHM, dass dieses Exemplar deutlich mehr Kohlenstoff und Stickstoff enthält als andere Meteoriten. Kohlenstoff und Stickstoff sind die Grundbausteine des Lebens, ohne die sich keine Aminosäuren bilden können. Außerdem enthält der Meteorit extrem viele winzige Diamant-Partikel, die interstellaren Ursprungs sind. Das heißt, er ist in einem weit entfernten Teil des prä-solaren Nebels entstanden.
Diese englische Analyse bestätigt einige der Ergebnisse sowohl von Peter Brown von der University of Western Ontario (Science, 2000 October 13; 290: 320-325: The Fall, Recovery, Orbit, and Composition of the Tagish Lake Meteorite: A New Type of Carbonaceous Chondrite ) wie von Michael Lipschutz und Jon Friedrich von der amerikanischen Purdue University. Die US-Chemiker hatten den Tagish-Lake-Meteoriten zwischen zwei Chondriten-Untergruppen klassifiziert: er hat Eigenschaften sowohl der Kategorie CM (waren ursprünglich Teil eines größeren Ganzen, das großer Hitze ausgesetzt war und dabei flüchtige Elemente verlor) sowie der Kategorie CI (Materie, aus der sich später die Planeten bildeten und die organischen Kohlenstoff enthält). Allerdings positionierte Lipschutz den Meteoriten eher als CI und ergänzte: "This meteorite is unique, and represents a new kind of planetary material."
Dr. Grady klassifiziert den Meteoriten nun eindeutig als CI, betont aber gleichzeitig, dass er sich unter feuchteren und kühleren Umständen entwickelt hat, als alle anderen bisher untersuchten CI-Chondriten. Im Gegensatz zu den amerikanischen Exobiologen ist sie begeistert: "This exciting and unusual meteorite will give us new insights into many areas of research, including comets, asteroids, the formation of the Solar System and the origin of life."
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