Auch das noch

19.04.2001

Update: Otto Schily unterstützt Christoph Schlingensief

Was CDU-Politiker immer schon geahnt haben, hat sich jetzt als wahr herausgestellt: Otto Schily ist und bleibt ein verkappter Anarchist. Aber nicht nur das! Der ehemalige Verteidiger von RAF-Terroristen und aktiver Sitzblockierer gegen US-Atomraketen geht noch einen Schritt weiter und unterstützt öffentlich Christoph Schlingensief und dessen Naziline-Projekt.

Leser, die dies nicht glauben mögen, weil sie entweder nicht in der CDU sind oder einem Bundesinnenminister grundsätzlich misstrauen, sollten sofort die Seite www.bmdi.de anklicken. Wortwörtlich unter Bundesadler und anderen amtlichen Hoheitszeichen steht dort Folgendes:

Bundesministerium des Innern unterstützt europäisches NAZI~LINE Programm

Die Initiative zur Bekämpfung des Rechtsextremismus im deutschsprachigen Teil Europas setzt bei der Integration von Rechtsradikalen und Neonazis auf die Zusammenarbeit mit Wirtschaft und Industrie.
Die Pharma- und Telekommunikations-Industrie, die Bundeszentrale für politische Bildung und Kulturbetriebe wie das Schauspielhaus Zürich und die Berliner Volksbühne planen Arbeitsbeschaffung, aktive Integration in Betriebe und die Finanzierung flankierender Maßnahmen in Form psychologischer und medizinischer Therapien.
Rechte Gewalttäter und ideologische Scharfmacher sollen dadurch schnell und effektiv aus der "Szene" herausgelöst und sozial und wirtschaftlich integriert werden.

Zusätzlich zu diesen freundlich ministeriellen Worten findet man dort noch Links zu Schlingensiefs Projekt und tatsächlich ins Reich des Bösen: zur NPD.

Und alles sieht wirklich fürchterlich echt aus, ist es aber dann leider doch nicht. Denn hinter dieser Seite steckt in Wirklichkeit die Wiener-Künstlergruppe ubermorgen.com, die die offizielle Seite des Bundesinnenministeriums sauber kopiert und durch den oben zitierten Aufruf ergänzt hat.

Ob dieser Fake Otto Schily gefallen wird, das wissen wir zwar nicht. Aber dass unser Innenminister kein verkappter Anarchist ist, finden wir dann doch irgendwie beruhigend - oder?

Keine Ahnung, ob dieser Fake Otto Schily und seinen Beamten gefällt. Auffällig ist jedoch, dass gestern irgendwann am Nachmittag die gefälschte Webseite aus dem Netz genommen wurde. Zuerst konnte man sie nicht mehr erreichen, jetzt kommt die definitive Meldung: "Die Seite wurde nicht gefunden." Allerdings kann man noch sehen, dass es sich um eine Umleitung auf die Fehlermeldung handelt, denn kurz sieht man oben noch "Bundesministerium des Inneren" auftauchen.

Bei Nachfrage am Nachmittag bei Nazi-Line gab man sich eher verhalten. Ja, das Ministerium habe sich bereits beschwert und mit Konsequenzen gedroht, aber die Nicht-Erreichbarkeit habe nur mit technischen Schweierigkeiten beim österreichischen Provider Silver Server zu tun. Bei einem Anruf dort, zugegeben: nach 18 Uhr, bequemte sich zwar eine Dame ans Telefon, die aber nicht verstand, worum es geht und meinte, ich solle doch eine Email schreiben, die dann am nächsten Tag beantwortet würde. An wen ich diese schreiben soll, blieb allerdings ein Geheimnis.

So gibt es jetzt ein großes Geheimnis darum, ob möglicherweise Ubermorgen.com oder gar Schlingensief selbst dahinter stecken, um ein wenig mehr Aufsehen zu erregen, oder doch das Innenministerium interveniert hat (ganz ähnlich ist fast zur selben Zeit eine virtuelle Erinnerungsstätte des in China zum Volkshelden gewordenen Piloten aus dem Netz verschwunden). In verschiedenen Artikeln, beispielsweise in der FAZ, wird zwar nahe gelegt, dass Schlingensief nicht nur mit der "Bundeszentrale für politische Bildung" bei Nazi-Line kooperiert, sondern auch mit dem deutschen Innenministerium. Das aber ist ganz offensichtlich nicht richtig. Die Nähe Schlingensiefs ist eine der Provokationen.

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