Ebay und Co.

28.04.2001

Datenschutz und Auktionshäuser

Der Datenschutz gilt in Deutschland mehr als in Nachbarländern, und Werbe-Telefonanrufe sind streng verpönt. Wer nicht gut aufpasst, könnte allerdings bald an seinem Arbeitsplatz Anrufe aus der Schweiz bekommen.

Es startete einst als halbes Plagiat: "Alando.de", die erste deutsche Auktionsplattform im Internet, war unverhohlen dem amerikanischen Ebay.com nachempfunden. Doch für die drei Gründer von Alando wurde daraus eine der wenigen echten Erfolgsstorys des deutschen Internet: sie wurden 1999 vom Original-Ebay nicht etwa verklagt, sondern nach kurzer Zeit für etliche Millionen aufgekauft - zu einer Zeit, als die großen Internet-Träume noch nicht geplatzt waren.

Leider waren damit die netten Alando-Tage auch gezählt. Das sofort auf Ebay.de umgetaufte Auktionshaus verlangte nun Gebühren. Zunächst eine Provision für verkaufte Artikel, später auch noch eine Art "Anzeigengebühr" allein für das Einstellen von Angeboten. Der Ärger war groß: Die Alando/Ebay-Kunden wanderten in Protestwellen zu anderen Auktionshäusern ab, die zumindest auf die Einstellgebühr verzichteten, wie Ehammer und Offerto.de.

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Ehammer war speziell aus Protest gegen den nun von vielen Teilnehmern "Epay" genannten Dienst gegründet worden und hatte dabei auch in bewährter Tradition das alte Alando/Ebay-Design kopiert. Doch diesmal wiederholte sich die Erfolgsstory "Frechheit siegt" nicht: Ehammer wurde von Ebay postwendend verklagt, obwohl Ebay inzwischen ein neues Design hatte und insofern keine Verwechslungsgefahr bestand. Dennoch verlor Ebay Hunderttausende von Teilnehmern an die Konkurrenz.

Die Käufer auf Auktionen interessiert allerdings wenig, was der Verkäufer abdrücken muss - sie blieben Ebay treu. Um genügend Interessenten zu finden, musste man also wohl oder übel gute Miene zum teuren Spiel machen und reumütig zu Ebay zurückkehren. Der freundliche Konkurrent Ehammer ging ein - wegen geringerer Einnahmen hatte er auch kein ausreichendes Personal, um Anfragen zu beantworten. Zudem hatte er durch eine unschöne Kooperation mit der Polizei das Vertrauen der Webgemeinde verloren:

Bei Ehammer gab es auch einen "Erwachsenenbereich" namens Xhammer, auf dem die User ihre inzwischen langweilig gewordenen Pornofilme an andere weiter verkaufen konnten. Zwar war dieser Bereich durch eine Alterskontrolle vom Zugriff Minderjähriger geschützt - etwas ähnliches bietet auch Ebay USA. Doch ergibt sich nach dem erfolgreichen Verkauf einer solchen Kassette ein Logistikproblem: Ab in den Umschlag, Adresse und Briefmarke drauf ist nicht - Versand pornografischer Artikel ist in Deutschland nach § 184 das Strafgesetzbuchs verboten. Wer nur seine abgenudelten Filme verticken wollte und nicht hauptberuflich mit Pornos handelt, tappte prompt unwissend in die Falle: die Kripo ließ sich von Ehammer die Kundenliste geben und machte bei den Anbietern Hausdurchsuchungen, die viele heiße Bänder im Angebot und Postversand angeboten hatten. Eine Warnung seitens Ehammer, um die Kunden über die rechtlichen Probleme aufzuklären, fand nie statt. Ebenso wurde die fatale Versandoption nie entfernt. Bei persönlicher Übergabe mit Alterskontrolle wäre der Gebraucht-Porno-Verkauf nämlich rechtlich unbedenklich gewesen.

Ebay hat auch einen Erwachsenenbereich, aber nur in den USA auf Ebay.com. Auf Ebay.de hat man dies wissend um die strengen deutschen Gesetze nie probiert. Auch Weitergabe von Kundendaten an Behörden kommt hier normalerweise nicht vor. Größere juristische Pannen hat sich Ebay also erspart, und dank der hohen Gebühren hat es das bereits 1995 gegründete Auktionshaus inzwischen geschafft, schwarze Zahlen zu schreiben.

Doch geht das Auktionshaus mit der Geschäftstüchtigkeit manchmal etwas zu weit. So ist es inzwischen bei der Anmeldung auf Ebay.de Pflicht, eine Telefonnummer anzugeben, unter der man zu Geschäftszeiten erreichbar ist - im Normalfall also eine Nummer am Arbeitsplatz. Diese Nummer wird zwar keinem Handelspartner weitergeleitet, doch von Ebay selbst genutzt: Passt man nicht genau auf und setzt einen Button auf einer weiteren Seite falsch, so muss man anschließend mit den in Deutschland eigentlich verbotenen Marketinganrufen rechnen. Was besonders übel ist, weil es sich ja eben um Anrufe am Arbeitsplatz handelt, die je nach Arbeitgeber zu erheblichem Ärger führen können verbunden mit der Bitte, Privattelefonate doch bitte zukünftig außerhalb der Arbeitszeit abzuwickeln.

Als Alando-Teilnehmer der ersten Stunde hatte mein Ebay-Account das Telefonnummern-Feld ursprünglich nicht - es war deswegen mit Neunern vorbesetzt. Auf Anfrage gestattete Ebay auch, dies ausnahmsweise so zu lassen oder eine private statt einer geschäftlichen Telefonnummer einzutragen. Doch wer als guter Deutscher brav tut, was auf der Website steht, der könnte von der Sekretärin bald mit einem Grinsen gefragt werden, was er denn eigentlich so nebenbei noch für tolle Geschäfte laufen hat....

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