Fahndung im Internet nach Kreuzberger Steinewerfern bisher erfolglos

Stefan Krempl 09.05.2001

Trotzdem sollen weitere Fotos von Krawallos veröffentlicht werden

Die Veröffentlichung von Bildern mehrerer Steinewerfer im Internet, die an den Krawallen zum 1. Mai in Kreuzberg beteiligt gewesen sein sollen (Berliner Polizei fahndet nach Kreuzberger Steinewerfern im Netz), führte die Berliner Polizei bislang auf keine heiße Fährte. Acht Hinweise seien eingegangen, sagte Jürgen Thiele, Inspektionsleiter beim Landeskriminalamt Berlin, heute morgen dem Potsdamer Jugendsender Fritz. Zu einem Fahndungserfolg hätten sie allerdings bisher nicht beigetragen. Die Suche sei während der ersten drei Tage erfolglos verlaufen.

  • mobil
  • drucken
  • versenden
Die Gesichter der Gesuchten wurden von Telepolis unkenntlich gemacht

Trotzdem kündigte Thiele an, dass die Kriminalpolizei weitere Fotos ins Netz stellen wolle. Auf die Nachfrage der Fritz-Reporter, ob bald das "komplette Strafregister" online einzusehen und die Maßnahme nicht eventuell überzogen sei, erwiderte der Beamte: "Wir versuchen, verhältnismäßig vorzugehen." Man bedenke stets die Wirkung "polizeilicher Maßnahmen". Konkret im Fall der Steinewerfer habe er aber "weder rechtliche noch moralische Bedenken", die gesuchten Verbrecher über das Internet zu suchen. Sie hätten schweren Landfriedensbruch begangenen sowie Sach- und Personenschäden verursachen wollen.

Sollten die vermutlichen Randalierer doch noch gefasst werden, will sie Berlins Innensenator Eckart Werthebach "gesamtschuldnerisch" für die entstandenen Sachschäden in Höhe von 120.000 Mark haftbar machen. Die Summe fällt angesichts der oft zitierten "schlimmsten Krawalle der letzten zehn Jahre" zwar erstaunlich niedrig aus. Doch im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses kündigte der CDU-Politiker am Montag an, dass auch, falls nur einer der Steinewerfer gefasst würde, dieser für den Gesamtschaden aufkommen müsse.

Der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Wolfgang Wieland, warf dem Innensenator im Verlauf der heftigen Debatte vor, in einer Art "Cäsarenwahn" für den Tag der Arbeit ein weitgehendes Demonstrationsverbot für die Linken verhängt zu haben. Das Ergebnis sei angesichts der Ausschreitungen auf dem Mariannenplatz "lächerlich" gewesen. Erst durch das Verbot, so Wieland, "bekam das sinnentleerte Ritual der Gewalt am 1. Mai in der Szene wieder einen Sinn".

http://www.heise.de/tp/artikel/7/7589/1.html
>
<

Darstellungsbreite ändern

Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.

Schlappe für Werthebach

Florian Zeyfang 02.05.2001

Demonstrationsverbot des konservativen Innensenators mobilisierte Zehntausend, die auf ihr Demonstrationsrecht nicht verzichten wollten

weiterlesen
Cover

Mensch+

Upgrade-Revolution für Homo sapiens
Das neue Telepolis-Special

Ein neuer Bundespräsident?

Wulff will aussitzen, aber die Geduld ist am Ende. Soll er endlich, aber schnell seinen Hut nehmen?

abstimmen

Humanitäre Intervention als propagandistischer Normalfall

Peter Mühlbauer 20.10.2009

Interview mit Christoph Kampmann zur Geschichte eines Phänomens

In den letzten zwanzig Jahren begannen militärische Auseinandersetzungen mehrfach als "Humanitäre Interventionen". Der Historiker Christoph Kampmann hat entdeckt, dass die für solche Eingriffe eingesetzten Argumentationen nicht erst in der Ära nach dem Kalten Krieg entstanden, sondern weitaus früher zum Einsatz kamen.

weiterlesen
FOTOBLOG

Der schöne Schein

Firewall mit Windows

bilder

seen.by


TELEPOLIS